Baden
Kunststoff-Recycling: Badens Werkhof erarbeitet Vorschläge für Stadtrat

In der Region Baden ist das Kunststoff-Recycling noch nicht verbreitet, nur in Klingnau gibt es eine Abgabestelle für solche Sammelsäcke. Jetzt erarbeitet der Badener Werkhof Vorschläge, wie die Stadt das Recycling angehen könnte.

David Egger
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Das Geschäft mit dem Kunststoff-Recycling: Vieles ist noch unklar.

Das Geschäft mit dem Kunststoff-Recycling: Vieles ist noch unklar.

ZVG

«Verwertbare Abfälle sind ein Business», sagt Thomas Stirnemann, Leiter des Badener Werkhofs, «das ist natürlich und auch okay so.» Allerdings sei es ein Markt, der noch nicht geregelt sei. Manche Firmen wittern ein Geschäft.

Die Gemeinden warten mit Recycling-Angeboten noch zu, bis Bundesbern das neue Umweltschutzgesetz und die technischen Abfallverordnungen verabschiedet hat. Bis Ende 2015 soll es laut Stirnemann so weit sein (az vom 9. 4.). Mit dem neuen Gesetz möchte der Bundesrat die Ressourcen effizienter nutzen.

Spreitenbach: Sackgebühr kommt voraussichtlich 2016

2011 entschied das Bundesgericht, dass die Gemeinden eine Sackgebühr einführen müssen, um eine verursachergerechte Kehrichtentsorgung zu ermöglichen. In der Region hat nur Spreitenbach noch keine Sackgebühr. Die Gemeinde entwirft momentan ein neues Abfallentsorgungsreglement. Der Entwurf sei bis Mitte Jahr fertig, sagt Viktor Ott, Bereichsleiter bei den Gemeindewerken. Danach müssen Kanton und Gemeindeversammlung über das Reglement befinden. Nach heutigem Stand geht Ott davon aus, dass die Kehrichtsackgebühr frühestens per 1. Januar 2016 eingeführt wird. (DEG)

Allerdings stecke das Recycling im Kunststoffbereich noch in den Kinderschuhen, sagt Stirnemann. Er klärt momentan ab, ob und welches Angebot die Stadt Baden anbieten soll. Noch in diesem Jahr unterbreitet der Werkhof dem Stadtrat entsprechende Vorschläge.

Thomas Stirnemann sagt: «Grundsätzlich macht es keinen Sinn, dass verschiedene Organisationen auf verschiedenen Wegen die gleichen Stoffe sammeln.» Vielmehr brauche es klare Richtlinien dafür, wer für welche Entsorgung zuständig sein soll. Das sei auch im Sinne der Effizienz. Das neue Umweltschutzgesetz wird unter anderem regeln, welche Vorschriften im Bereich Kunststoffentsorgung gelten sollen.

Privatwirtschaft oder Gemeinden?

«Ein Paradebeispiel für die Entsorgung durch den Handel sind die elektronischen Abfälle», sagt Stirnemann. Hier zahlt der Kunde mit der vorgezogenen Recycling-Gebühr (vRG) die Entsorgung schon beim Kauf.

Die Gemeinden organisieren die Entsorgung vor allem dann, wenn sich eine Verwertung wirtschaftlich nicht lohne, so Stirnemann. Er verzeichnet einen politischen Druck, das Kunststoff-Recycling schon bald anzubieten. Bevor die Stadt das tun kann, gibt es aber noch vieles zu klären – zum Beispiel, wie oft und auf welche Art die Kunststoffe eingesammelt werden sollen.

«Die Spannweite reicht von der Abgabe am Entsorgungsplatz bis hin zur Haussammlung wie beim Kehricht», so Stirnemann. Da die städtische Abfallentsorgung ein Eigenwirtschaftsbetrieb ist, stellt sich auch die Frage nach der Finanzierung. Steuergelder werden dafür nicht verwendet, allenfalls ist eine Finanzierung über die Abfallgrundgebühr möglich. Ähnliche Fragen stellen sich bei der Entsorgung von Tetrapaks.

Laut Stirnemann übernehmen im Handel manche Detailhändler eine Vorreiterrolle. An verschiedenen Orten kann man Kunststoffflaschen und Tetrapaks bereits zurückgeben – jedoch nicht alle Kunststoffe.

Aktuell können Konsumenten ihre Restkunststoffe in der Region nur bei der Häfeli Brügger AG in Klingnau entsorgen. Seit zehn Tagen läuft dort die zweimonatige Einführungsphase des Kunststoffsammelsacks. Die Kunststoffe kommen zu einer Urner Firma. Später entsteht daraus Kunststoffgranulat, das wesentlich günstiger als neuwertiges Granulat und in der Kunststoffindustrie gefragt ist – zum Beispiel für die Herstellung von Kunststoffrohren.

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