«Wir leben in einer Zeit, in der das Vertrauen für viele Menschen offenbar ein Auslaufmodell geworden ist.» So begann Kurt Aeschbacher (70) seinen Vortrag zum Thema Vertrauen in der vielleicht etwas unüblichen Kulisse: einer Autogarage im Oberrohrdorfer Ortsteil Staretschwil. Seit Oktober ist der Berner Robert Seitz neuer Geschäftsführer und Inhaber der British Cars Baden AG. Vor den vielen Land Rover und Jaguar und unter der grossen britischen Flagge in seiner Autogarage erzählt er, wie er nach vielen Jahren in der Geschäftsleitung bei Jaguar Land Rover Schweiz AG sich den Traum einer eigenen Garage erfüllt habe. Und da ihn mit dem Berner Kurt Aeschbacher eine langjährige Freundschaft verbindet, entstand die Idee für den Vortragsabend.

«Es ist nie zu spät, seine Träume zu leben», sagte Kurt Aeschbacher, Fernsehlegende, Unicef-Botschafter und seit wenigen Jahren Verleger des Magazins «50plus» – einen Traum vom eigenen Magazin, den er sich erst spät erfüllt habe. Angetrieben habe ihn dabei einerseits seine stete Neugier und andererseits sein gestärktes Selbstvertrauen. Etwas Rückenwind gab ihm vielleicht die Tatsache, dass gemäss einer gross angelegten Studie das Selbstwertgefühl im Alter zwischen 60 und 70 Jahren am höchsten ist, wie er erklärte. Doch er offenbarte dem Publikum in der «British Cars»-Garage mehr: «In meiner Fernsehkarriere hatte ich immer wieder Angst, zu versagen», sagte er und erzählte, wie er heute noch nach vierzig Jahren Fernseherfahrung jeweils rot werde vor der Kamera. «Ich habe aber gemerkt, dass das Selbstvertrauen die Basis zu allem ist», so Aeschbacher.

Zuerst sich selbst vertrauen

«Ich musste mir meine Angst eingestehen und diese in positive Bahnen lenken.» Nebst seiner Versagensangst habe er sich so auch seiner «wahnsinnigen Höhenangst» gestellt – und ging Fallschirmspringen. An seinem Vortrag zeigte er Bilder davon und erklärte: Wenn man es wage, zu springen – im Sinne des Selbstvertrauens –, dann könne man auch fliegen. Ohne Selbstvertrauen gebe es kein Vertrauen in andere. Doch ohne Vertrauen, da stehe die Welt auf dem Kopf. Wie könne man nun in der heutigen komplexen, globalisierten, digitalisierten und zunehmend anonymen Welt das für den Gesellschaftszusammenhalt so wichtige Vertrauen aufbauen? 

Vertrauen sei schliesslich kein Schalter, denn man an- und abstellen könne, sagte Kurt Aeschbacher. Früher sei noch vieles lokal gewesen und die Zukunft weniger ungewiss. «Die Vertrautheit ging flöten», sagte er. In einer Welt mit Fake News, Datenspionen und Überwachungsapps stehe das Misstrauen an der Tagesordnung. Doch Misstrauen sei «ein schlechter Berater» und konstantes Misstrauen mache zudem unglücklich.

Als Lösung nannte Kurt Aeschbacher dann zwei Ansätze: Vertrauen entstehe erstens dort, wo man sich an die Regeln halte. Dazu brauche es ein demokratisches System, einen Rechtsstaat mit funktionierenden Institutionen und, nicht zuletzt, kritische Bürgerinnen und Bürger. Und bei denen seien zweitens Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Solidarität unabdingbar. Dabei dürfe man ruhig auch mal vorsichtig sein. Vorsicht sei nicht das Gleiche wie Misstrauen, sondern schütze vor Enttäuschungen.

Digitalisierte Welt als Chance

Kurt Aeschbacher ermutigte das Publikum, Vertrauen zu schenken und Vertrauen zu geniessen. Dies sei die Voraussetzung für ein lebenswertes Leben – und auch für erfolgreiche Unternehmen. Damit schlug er die Brücke zu Robert Seitz und seiner «British Cars Baden AG». Als langjähriger Land-Rover-Fahrer – vor allem wenn es ihn zu seinem Ferienhaus im verschneiten Davos zieht – sei er darauf angewiesen, seinem Garagisten zu vertrauen. Dabei biete die heute digitalisierte Welt nicht zuletzt auch eine Chance: Zwar sei heute alles anonymer, aber ein schlechter Service etwa würde sofort gnadenlos im Internet auffliegen. Userkommentaren im Netz werde mehr Vertrauen geschenkt als etwa Werbeprospekten.