Baden
Kurt Gschwend fährt mit dem Velo an die Fussball-EM nach Kiew

Der 62-jährige Kurt Gschwend geht an die Fussball-EM nach Kiew und zwar mit dem Velo. Damit der Velonarr sein weit entferntes Ziel zum Auftakt der EM auch erreicht, wird er schon im Mai abfahren. In Kiew wird er als Stadion-Volontär arbeiten.

Yvonne Lichtsteiner
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Kurt Gschwend zeigt auf der Karte, welche Route er nimmt.

Kurt Gschwend zeigt auf der Karte, welche Route er nimmt.

YL

Kurt Gschwend breitet eine Europakarte und eine Infobroschüre der Uefa auf dem Tisch aus. «Das ist mein Ziel», sagt der 62-Jährige und deutet auf Kiew. Nicht weiter speziell - nur wird er seine Reisedestination nicht mit dem Zug oder dem Flugzeug antreten, wie es wohl die meisten tun würden. «Nein, ich mache mich mit meinem Velo auf die Reise in den Austragungsort der diesjährigen Fussball-Europameisterschaft», sagt Gschwend. Nach Kiew sind es immerhin knapp 2000 Kilometer. Grund für seine abenteuerliche Reise: In Kiew wird er als Volontär im Stadion mithelfen.

Damit der Velonarr sein Ziel auch zum Auftakt der EM erreicht, wird er voraussichtlich am 10. Mai abfahren. «4 Wochen habe ich für die Reise berechnet, aber man weiss ja nie, was alles noch passieren kann», sagt er. Seine Frau schaut ihn besorgt an: «Ich schalte alle Gedanken aus, was passieren könnte.» Sonst könne sie, während dieser 4 Wochen, wohl kaum ein Auge zu tun und ruhig schlafen. Kurt Gschwend ist guter Dinge und macht sich keine Gedanken. «Wenn man die ganze Zeit daran denkt, dass etwas passieren könnte, bleibt man besser zu Hause und erspart sich diesen Stress.»

Velofahrer aus Leidenschaft

Der reisefreudige Gschwend macht nicht zum ersten Mal lange Velotouren. «Ich fahre immer wieder grössere Strecken», erzählt er. Letzthin sei er mit einem Freund von Baden nach Brüssel gefahren. Und auch Russland und Italien seien ihm nicht fremd. «Dieses Mal geht es von hier zuerst nach Süddeutschland und Österreich. Danach in die Slowakei, nach Ungarn, dann nach Rumänien und letztlich in die Ukraine nach Kiew», erklärt Gschwend und zieht die Strecke mit dem Finger auf der Karte nach.

Was nimmt man auf eine vierwöchige Velotour mit? «Nicht viel», lacht er. Das sei auch nicht möglich - zusammen mit zwei Hinterradtaschen von je 10 Kilos, wiege das Velo 30 Kilos. «Auf unnötigen Schnickschnack sollte man also besser verzichten.» Das Handy gehöre aber definitiv dazu, um auf der Reise mit seiner Frau kommunizieren zu können, denn darauf bestehe sie.

Schade, ist die Schweiz nicht dabei

Ist Gschwend auch selber ein Fussballfan? «Ja, ich habe auch schon an der letzten EM als Volontär geholfen, neu ist das für mich also nicht.» Er bedaure allerdings, dass die Schweiz nicht mit dabei ist, sonst hätte er diese unterstützt. Aber auch so freue er sich auf eine spannende Zeit.
Nervös vor der Abreise ist Gschwend nicht: «Vorbereiten kann man sich nicht wirklich, ich bin in den letzten Wochen jedoch etwas mehr auf dem Sattel gesessen und habe die Karten studiert.» Er ist optimistisch. «Alles andere komme wohl so, wie es kommen muss.» Übrigens: Auf dem Rückweg wird er sein Fahrrad im Flugzeug verstauen.