Baden

Kurtheater-Ausbau: Anwohner reichen Einsprachen wegen Hinterbühne ein

Einwender gegen den Kurtheater-Ausbau stören sich an der Grösse der neuen Hinterbühne. Das Projekt sei eine Luxus-Variante, kritisiert einer. Auf die Anwohner sei keine Rücksicht genommen worden.

Als hätte das Kurtheater nicht schon eine genügend lange Leidensgeschichte, droht dem 34-Millionen-Franken-Projekt nun weiteres Ungemach. Noch bis Ende Woche liegt das Baugesuch auf. Doch bereits jetzt ist klar: Nachdem die Theaterstiftung im Vorentscheidverfahren mit den Einwendern keine Einigung finden konnte, werden nun gegen das Baugesuch Einsprachen eingehen.

Dabei sind der Um- und Ausbau grundsätzlich unumstritten. Stein des Anstosses ist vielmehr die Grösse der Hinterbühne. Die Anwohner an der Römerstrasse kritisieren deren Höhe wie auch deren Tiefe. «Das Projekt, das jetzt aufliegt, ist eine Maximal- und Luxusvariante», sagt Georg Gindely, der mit seiner Familie seit letztem Jahr an der Römerstrasse wohnt. Während alle Wünsche der Theaterstiftung und des Architekten erfüllt worden seien, sei auf die Anwohner keine Rücksicht genommen worden, sagt Gindely.

«Das neue Kurtheater mit der überdimensionierten Hinterbühne ist ein Fremdkörper im Quartier.» Gindely stellt klar: «Wir sind keine Verhinderer und auch nicht gegen eine Sanierung. Doch wir stören uns an dieser Maximalvariante.» Maximalvariante deshalb, weil die Hinterbühne – oben ist ein 7,5 Meter hoher Proberaum geplant – nicht betriebsnotwendig sei.

«Vielmehr haben uns sogar die Projektverantwortlichen bestätigt, dass die Höhe des Proberaums ästhetische Gründe habe, damit die Höhe des 23 Meter hohen Gesamtbaus nicht abgestuft wird.» Gindely könne nicht verstehen, weshalb die Theaterstiftung nicht versucht habe, zusammen mit den Anwohnern ein Projekt auszuarbeiten, das nicht zu Einsprachen führend wird.

Auch Anwohner Lieni Fueter stört sich an der geplanten Hinterbühne, da diese einen Schatten auf sein Haus werfen wird. Auch er hat eine Einsprache gegen das Baugesuch eingereicht: «Unsere Einwendungen, wie auch mögliche Alternativen sind auf dem Tisch. Nun liegt es an den Behörden, sich zu bewegen, sodass wir zusammen eine Lösung finden können und bald mit der notwendigen Sanierung begonnen werden kann.»

Stiftung: «Betriebliches Minimum»

Antonia Stutz, Präsidentin der Theaterstiftung, entgegnet den Vorwürfen: «Es stimmt nicht, dass wir die Anwohner nicht schon früh in das Projekt miteinbezogen haben.» Vielmehr habe man an verschiedenen Veranstaltungen zuerst das Wettbewerbsergebnis und danach die Pläne und damit auch die Hinterbühne gezeigt.

Stutz lässt auch den Vorwurf einer Maximalvariante nicht gelten. «Das jetzt vorliegende Projekt mit Hinterbühne stellt das betriebliche Minimum dar.» Es sei eine Frage der Wirtschaftlichkeit; das Gastspielhaus solle wieder für 60 Jahre bespielt werden können, sagt Stutz.

Der externe Projektleiter Adrian Humbel ergänzt: «Neben der neuen Hinterbühne und dem betrieblich erforderlichen Proberaum ist die Grösse des Anbaus massgeblich auf den Abriss des benachbarten Studiogebäudes zurückzuführen.» Wolle man daran jetzt wieder etwas ändern, «würde das heissen, dass wir uns wieder auf Feld 1 der Planung begeben».

Humbel räumt zwar ein, dass es eventuell auch ein minim weniger hoher Proberaum tun würde. «Doch aus gestalterischer und architektonischer Sicht drängt sich eine einheitliche Höhe der Hinterbühne ohne Abstufung auf.» Gleichzeitig betont Stutz, dass man im Rahmen des Vorentscheidverfahrens sehr wohl zu Kompromissen bereit gewesen sei. So sei die Hinterbühne wieder um 0,7 Meter und der Aufbau um 2 Meter zurückversetzt worden und man habe auch die Anlieferung verbessert.

Einwender: «Gefährlich für Kinder»

Für Gindely immer noch zu wenig. Denn aus seiner Sicht führt die Grösse der Hinterbühne zu einer deutlichen Verschlechterung der Anlieferung. «Rund 100 Lastwagen werden jährlich durch diese beruhigte Quartierstrasse ohne Trottoir rollen», so Gindely.

Das werde unweigerlich zu gefährlichen Situationen für die vielen Schulkinder aus dem Quartier führen. Auch aus diesem Grund hofft Gindely auf eine weniger grosse Hinterbühne. «Dann könnte die Anlieferung nämlich wie heute über die Parkstrasse erfolgen.»

«Das stimmt so nicht ganz», entgegnet Humbel. Denn schon heute würden rund 20 schwere Lkws über die Römerstrasse anliefern, da die Einfahrt über die Parkstrasse zu eng sei. «Nur kleinere Lastwagen nutzen heute die Einfahrt bei der Parkstrasse.»

Es stimme zwar, dass diese künftig über die Römerstrasse zufahren würden, «doch insgesamt wird die Situation besser, da die Lkws auf dem Areal selber wenden können und nicht mehr rückwärts aus der Römerstrasse rausfahren müssen». Zudem erfolge die Anlieferung für das Catering künftig beim Haupteingang.

Ob mit den Einwendern nach Ablauf der Auflagefrist eine Einigung gefunden werden kann, ist mehr als fraglich. Denn Humbel wie Stutz betonen: «Die Hinterbühne weiter zu verkleinern, macht betrieblich keinen Sinn; das ganze Konzept würde kippen.» Es gäbe in diesem Sinn auch keinen Plan B, man sei den Einwendern so weit wie nur möglich entgegen gekommen. 

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