Grosse Freude bei der Bauherrin des Um- und Ausbaus des Kurtheaters: «Das ist natürlich ein Meilenstein», sagt Antonia Stutz, Präsidentin der Theaterstiftung Baden-Wettingen. Besonders glücklich zeigt sie sich über die ausführliche, 14 Seiten lange Begründung der Bewilligung. «Der Stadtrat hat sich detailliert mit den von den Anwohnern und der Behindertenorganisation Procap vorgebrachten Einwendungen auseinandergesetzt.» Die Bewilligung sei sehr fundiert und detailliert abgefasst.

Stadtrat und Bauvorsteher Markus Schneider bestätigt, dass die Bewilligung am 28. April erteilt worden sei. Inhaltlich will er nicht gross auf die Bewilligung eingehen. Zur umstrittenen Grösse der Hinterbühne - die Einsprecher erhoffen sich einen kleineren Baukörper - sagt Schneider: «An der Grösse der Hinterbühne hat sich seit der schon gemachten Reduktion nichts mehr geändert; das ist aus betrieblichen Gründen schlicht nicht möglich.»

Schattenwurf wird nicht beachtet

Antonia Stutz begrüsst es insbesondere, dass die Stadt die geplante Gebäudehöhe und die Zonenkonformität der Erweiterung bejaht hat. «Es hat sich gezeigt, dass das Projekt im Einklang mit der geltenden Bau- und Nutzungsordnung steht», sagt Stutz.

Bei der Prüfung der Zonenkonformität stellte sich die Frage, ob das geplante Vorhaben mit einer Höhe von 20,30 Metern in der Parkzone überhaupt zulässig sei. Das Problem: Für diese Zone fehlen Angaben zu Grenzabständen, Geschossigkeit und Höhe von Bauten. Der Stadtrat hat sich bei seinem Entscheid an der Rechtsprechung und insbesondere an den Bestimmungen der BNO und der angrenzenden Zonen orientiert. Auch aus gestalterischer Sicht sei das Vorhaben bewilligungsfähig.

Ein weiterer Kritikpunkt eines Einwenders betraf den aus seiner Sicht zu grossen Schattenwurf auf sein Haus. Hier hält der Entscheid fest: «Da das Kurtheater den vorgeschriebenen Abstand zur Römerstrasse einhält, ist das Schattendiagramm nicht beachtlich.»

Was die Einsprachen von Procap betrifft, kann festgehalten werden: Viele Anliegen und Einwände wurden von der Bauherrin aufgenommen. In einem Punkt kann sie aber sprichwörtlich nicht Hand bieten für eine Lösung. Procap wünschte beim Aufgang auf beiden Seiten einen Handlauf. Dies sei aber nicht möglich, weil die Interessen am Erhalt des originalen Erscheinungsbildes des Foyers überwiegen würden, heisst es im Entscheid.

Ein spannender Punkt betrifft noch die Parkierung: Laut Verkehrsnormen wären bei 537 geplanten Sitzplätzen 43 Parkfelder für Motorfahrzeuge zu erstellen. Vorgesehen sind im Projekt aber nur deren 22. «Die fehlenden 21 Parkfelder sind auf einer oder mehreren Fremdparzellen in nützlicher Distanz dauernd sicherzustellen», heisst es im Entscheid. Gelingt dies nicht, wird eine Ersatzgebühr von 136 500 Franken fällig.

Beschwerden sind wahrscheinlich

Antonia Stutz will sich trotz Bewilligung nicht zu früh freuen. Denn für sie steht fest, dass die Wahrscheinlichkeit von Beschwerden gegen die erteilte Baubewilligung ans kantonale Baudepartement erheblich sei. Dies aufgrund der unterschiedlichen Standpunkte zwischen den Parteien im Baugesuchverfahren.

Beschwerdeberechtigt sind Personen, die bereits eine Einwendung erhoben haben. Auf Anfrage der az, gibt Georg Gindely, Bewohner der angrenzenden Römerstrasse und einer der Einwender, zu Protokoll: «Ich habe die Bewilligung erst kurz überflogen; wir werden in den kommenden Tagen entscheiden, wie es weitergeht.» So viel kann er schon sagen: «Die rechtliche Begründung überzeugt mich nicht. Es war leider nichts anderes zu erwarten, da die Stadt als Bewilligungsbehörde eigentlich Partei ist.»

Auch Procap will die Bewilligung zuerst genau studieren. «Wichtig ist uns einfach, dass das ganze Projekt über genügend behinderter- und betagter gerechter Plätze verfügt», heisst es bei der Procap-Medienstelle.

Gehen gegen die Bewilligung wider Erwarten keine Beschwerden ein, steht einer baldigen Realisation der Pläne nichts mehr im Wege. Ziel ist es, den Theaterbetrieb in der Saison 2014/2015 auszusetzen und im Herbst 2016 das um- und ausgebaute Kurtheater wieder in Betrieb zu nehmen. Im März 2013 bewilligte das Badener Stimmvolk hierfür einen Kredit von 34 Millionen Franken.