Auf diesen Moment hat die Theaterstiftung der Region Baden-Wettingen lange gewartet. Seit gestern steht fest: Der Aargauer Regierungsrat hat die Beschwerde zweier Anwohner gegen den Umbau und die Erweiterung des Kurtheaters abgewiesen.

Die Stiftung hat den Entscheid am Gründonnerstag erhalten und zeigt sich erfreut. «Doch es ist noch zu früh, den Champagner kaltzustellen», sagt Stiftungspräsidentin Antonia Stutz gegenüber der Aargauer Zeitung. Grund: Die Beschwerdeführer können den Entscheid innert 30 Tagen ans Verwaltungsgericht weiterziehen.

Und doch schwingt in ihrer Stimme Erleichterung mit, wenn sie auf den Entscheid des Regierungsrats zu sprechen kommt. «Für uns ist das ein Meilenstein, hat uns doch der Regierungsrat auf insgesamt 18 Seiten in allen Punkten recht gegeben», so Stutz.

Öffentliche Interessen grösser

So halte der Regierungsrat nicht nur die formellen Rügen der Beschwerdeführer wie etwa Befangenheit von Mitgliedern des Stadtrats, mangelhafte Profilierung des Bauvorhabens oder fehlende Vermassung der Baugesuchspläne für unbegründet.

«Für uns ist zentral, dass der Regierungsrat insgesamt die Zonenkonformität des Erweiterungsbaus bejaht», sagt Stutz. Dies umso mehr, als für die Parkzone, in welcher sich das Kurtheater befindet, keine Gebäudehöhen in der Bau- und Nutzungsordnung der Stadt Baden (BNO) vorgegeben seien.

Dass der Erweiterungsbau die bestehende Gebäudehöhe des Kurtheaters übernimmt, ist für den Regierungsrat schon aus architektonischen und ästhetischen Gründen richtig», hält die Stiftung in einer Medienmitteilung fest. Und was ist mit den negativen Auswirkungen für die Nachbarn? Der Regierungsrat bejaht solche zwar grundsätzlich. Allerdings würden diese Beeinträchtigungen gering ausfallen.

In Abwägung der öffentlichen und privaten Interessen sei der Regierungsrat zum Schluss gekommen, dass das Interesse am Umbau des Kurtheaters das Interesse der beschwerdeführenden Anwohner deutlich überwiege und der Stadtrat Baden die Gebäudehöhe des Erweiterungsbaus (20 Meter) zu Recht bewilligt habe. Dies umso mehr, als sich der Erweiterungsbau gut in die Umgebung einfüge. So hätten selbst kantonale Fachbehörden festgehalten, dass die Projektverfasser ein hohes kulturhistorisches Verständnis an den Tag gelegt hätten.

Neueröffnung im Frühling 2018

Grund zur Freude hat Antonia Stutz weiter bei der Anzahl zu erstellender Parkplätze. Denn die Stiftung ging, gestützt auf die Baubewilligung, davon aus, dass es gemäss BNO 43 Parkplätze brauche. D och gemäss dem Regierungsrat beträgt diese Zahl laut neuer, soeben in Kraft getretenen BNO, nur noch 21.

Insgesamt 11 Parkplätze wird die Stiftung auf dem Baugrundstück erstellen können. Für die restlichen 10 Plätze hat die Stiftung die Möglichkeit, diese auf naheliegenden Drittparzellen zu erstellen oder eine einmalige Ersatzabgabe von 81 000 Franke zu leisten. «Wir sind bereits daran, Lösungen für Besucherparkplätze zu finden», sagt Antonia Stutz.

Auf die Frage, wie neutral der Entscheid wirklich sei, bedenke man, dass der Aargauer Baudirektor Stephan Attiger ein Badener sei, antwortet Stutz: «Stephan Attiger ist extra in den Ausstand getreten, um von vorneherein dem Anschein der Befangenheit zuvorzukommen.»

Und nicht nur das: Normalerweise behandelt das zuständige Departement eine Beschwerde – hier also das Baudepartement mit Vorsteher Attiger. Doch weil sich das Departement schon mal zum Kurtheater-Projekt geäussert hat – und wohl auch wegen dessen Vorsteher vermutet Stutz –, habe sich der Rechtsdienst des Regierungsrats der Beschwerde angenommen.

Wird die Baubewilligung rechtskräftig, sei mit einer schnellen Realisation zu rechnen, sagt Stutz. Doch selbst wenn der Entscheid nicht weitergezogen werde, dürfte sich die Neueröffnung des Kurtheaters um ein weiteres halbes Jahr verzögern. «Ohne Weiterzug rechnen wir damit, unserem Publikum das neue Kurtheater im Frühling 2018 präsentieren zu können», sagt Stutz. Man werde also die Saison 2016/2017 für die Bauarbeiten aussetzen. «Denkbar ist dann, im Frühling 2018 noch eine kurze Saison zu spielen», blickt die Stiftungspräsidentin voraus.