Bundesgerichtsentscheid
Kurtheater Baden: Jubel bei Bauherrin – Enttäuschung beim Einsprecher

Die Bauherrin freut sich über Bundesgerichtsentscheid, das die Beschwerde zum Kurtheater-Ausbau abgeschmettert hat. Der Beschwerdeführer dagegen spricht von einer schmerzvoller Niederlage

Martin Rupf
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So könnte sich das Kurtheater Baden in gut drei Jahren präsentieren. zvg

So könnte sich das Kurtheater Baden in gut drei Jahren präsentieren. zvg

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Den Begriff «Meilenstein» sollte man zurückhaltend verwenden. Doch der 5. Januar darf für das Kurtheater Baden durchaus als solcher bezeichnet werden. An diesem Tag nämlich hat das Bundesgericht in Lausanne die Beschwerde gegen den Um- und Ausbau des Kurtheaters letztinstanzlich abgewiesen.

Somit endet ein jahrelanger Rechtsstreit, in dem ein Anwohner vor allem die Notwendigkeit und somit insbesondere Höhe und Volumen der geplanten Hinterbühne in Zweifel stellte. Das Bundesgericht musste die Frage klären, ob die Vorinstanz – das Verwaltungsgericht des Kantons Aargau – willkürlich entschieden hatte.

In seinem 16-seitigen Urteil, das der Redaktion vorliegt, kommt das Bundesgericht ganz klar zum Schluss: «Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz nicht in Willkür verfiel, wenn sie annahm, die privaten Interessen des Beschwerdeführers an der Vermeidung der teilweisen Überschreitung der zulässigen Beschattung und der Beschränkung der Aussicht seien als weniger wichtig zu qualifizieren als die öffentlichen und privaten Interessen an der Errichtung des umstrittenen Theaterbaus mit den vorgesehenen Dimensionen.»

So soll das Kurtheater nach dem Um- und Ausbau aussehen.
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So soll sich die neue Hinterbühne des Kurtheaters präsentieren – Blick in die Römerstrasse.
Das Kurtheater mit erweitertem Bölsterli-Foyer nach dem Ausbau: Die Wiedereröffnung ist auf Ende 2019/Anfang 2020 geplant.
Das Kurtheater bei Nacht: Von April bis Juni 2018 sind die archäologischen Grabungen rund herum geplant.
Das Kurtheater Baden wurde 1952 aus der Taufe gehoben.
So sieht es im Kurtheater mit Blick auf die Bühne aus.
Im Kurtheater hat es aktuell 613 Plätze (Parkett und Balkon).
Das Sachs-Foyer, wo sich Zuschauerinnen und Zuschauer vor den Aufführungen und in der Pause aufhalten.
Blick aus dem Sachs-Foyer ins Freie.
Der Eingang zum Kurtheater heute.

So soll das Kurtheater nach dem Um- und Ausbau aussehen.

Boesch Architekten

«Das Urteil überrascht mich nicht. Ich bin sehr froh, unterstreicht das Bundesgericht in aller Deutlichkeit, dass die Vorentscheide des Regierungsrates beziehungsweise des Verwaltungsgerichtes nicht willkürlich waren», sagt Antonia Stutz, Präsidentin der Theaterstiftung Region Baden-Wettingen.

Sie habe nie daran gezweifelt, dass sich der Um- und Erweiterungsbau in die Umgebung einpassen werde und sei nun froh, dass auch das oberste Gericht im Land das so beurteile. «Vor allem aber fühle ich mich darin bestätigt, dass wir auf die Forderungen des Beschwerdeführers nicht eingegangen sind.»

Vier Jahre sind seit dem deutlichen Ja an der Urne zum 34-Millionen-Franken-Kredit vergangen. «Der lange Instanzenweg hat nicht nur sehr viel Zeit, sondern vor allem viel Energie und viel Geld gekostet», so Stutz. Immerhin sei jetzt der vom Beschwerdeführer immer wieder vorgetragene Vorwurf, die Vorinstanzen seien befangen gewesen, vom Tisch.

Der Entscheid aus Lausanne komme genau zum richtigen Zeitpunkt. «Nächste Woche haben wir die Kick-off-Sitzung mit der Projektsteuerung. Mit dem Entscheid des Bundesgerichts können wir uns nun an die Feinplanung machen und mit der Ausschreibung der Arbeiten beginnen», sagt Stutz.

Fueter: «Wir haben verloren»

Der betroffene Anwohner Lieni Fueter hat in Vergangenheit immer wieder betont, er sei nicht grundsätzlich gegen eine nötige Erweiterung und Sanierung des Kurtheaters. Ihm ist es vielmehr darum gegangen, ob die geplante Höhe der Hinterbühne von 22,6 Metern zulässig ist und «ob diese Höhe tatsächlich von so grossem öffentlichen Interesse ist, dass damit meine Liegenschaft abgestraft werden kann».

Das Urteil aus Lausanne nimmt er enttäuscht, aber gefasst entgegen: «Wir haben für unsere Liegenschaft, für Respekt und vielleicht auch für veraltete Werte gekämpft und die möglichen Rechtsmittel eingesetzt.» Das Bundesgericht habe die Beschwerde der Willkür abgelehnt. «Das schmerzt, wir haben verloren.» Denn: Das Projekt sei dadurch nicht besser geworden. «Wir hoffen, dass das Kurtheater gut in die Zukunft gehen kann und entsprechend Rücksicht auf die Nachbarschaft nehmen wird.»

Der Entscheid ändert am zuletzt aktuellen Fahrplan des Kurtheaters nichts, weil man mit diesem Entscheid des Bundesgerichts gerechnet hat. «Trotzdem sind wir sehr erleichtert, weil wir nun Gewissheit haben, wie es weiter geht und so auch potenziellen Mietern klare Auskunft geben können», sagt Lara Albanesi, kaufmännische Leiterin des Kurtheaters.

Und so sieht der Fahrplan aus: Nach einer verkürzten Saison von Oktober 2017 bis März 2018 – verantwortlich für diese letzte Saison zeichnet Armin Kerber – sind von April bis Juni 2018 die archäologischen Grabungen rund um das Kurtheater geplant. Der eigentliche Baubeginn ist dann am 1. Juli 2018 geplant. Die Wiedereröffnung des umgebauten und erweiterten Kurtheaters ist auf Ende 2019/Anfang 2020 geplant.

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