Kurtheater Baden
Rauchende Perücken und blutende Nasen: In den 25 Jahre als Technischer Direktor hat Louis Burgener einiges erlebt

Beleuchtungsproben, Bühnenbild aufbauen, Tonmischpult bedienen oder die Kulissenzüge fahren: Louis Burgener zog von 2007 bis jetzt im Hintergrund des Kurtheaters Baden alle Fäden. Nun will der Pensionär einen weiteren Traum verwirklichen.

Ursula Burgherr
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Louis Burgener sitzt fürs Foto ein letztes Mal ans Regiepult im Zuschauerraum des Kurtheaters Baden.

Louis Burgener sitzt fürs Foto ein letztes Mal ans Regiepult im Zuschauerraum des Kurtheaters Baden.

Ursula Burgherr

«Es braucht viel, bis der Vorhang aufgeht und die Vorstellung beginnen kann», sagt der 65-jährige Louis Burgener und schaltet das Regiepult im leeren Zuschauerraum des Kurtheaters Baden ein letztes Mal für die Journalistin an. 21 Aufführungen wären diesen März geplant gewesen. Stattgefunden hat keine einzige.

«Das die Bühne seit Dezember nicht mehr bespielt werden kann, ist schrecklich für den Theaterbetrieb und die Bühnendarsteller», sagt der ehemalige Technische Direktor. Von 2007 bis jetzt zog er im Hintergrund alle Fäden. Nun geht er in Pension.

16- bis 17-Stunden-Arbeitstage waren für ihn gang und gäbe. Beleuchtungsproben, Bühnenbild aufbauen, Personalplanung, während der Vorstellung Tonmischpult und Video bedienen oder die Kulissenzüge fahren – alles lag in den Händen von Burgener und zwei Teilzeitangestellten, die ihm zur Seite standen. Auch nachts habe er oft nicht einschlafen können und sei im Kopf nochmals die Planung für die nächsten Vorstellungstage durchgegangen.

Wenn der gebürtige Visper über seine Arbeit erzählt, blitzen seine Augen immer noch unternehmungslustig. Burgener lebte für die Theaterarbeit:

«Ich hatte anfänglich schon etwas Angst, in ein Loch zu fallen, wenn ich plötzlich von 100 auf 0 runterfahren muss.»

Ruhiger sei es dann aber coronabedingt schon Monate vor seinem Ausstieg aus dem Arbeitsleben geworden. Der Pensionierungsschock sei deshalb nicht so gross gewesen, wie erwartet.

Louis Burgener war ein Quereinsteiger

Den Um- und Erweiterungsbau des Kurtheaters Baden für 35 Mio. Franken prägte Burgener wesentlich mit. Dass sich das Haus heute auf neustem technischem Stand befindet und sich mit anderen, grossen Theatern messen kann, ist nicht zuletzt seinen fachkundigen Inputs zu verdanken. «Ich konnte eine kleine Duftmarke setzen», sagt der schlacksige Senior und in seinen Augen funkelt der Schalk. Mit Stolz gibt er das Zepter nun seinem Nachfolger Patrick Hunka weiter.

Burgener ist als gelernter Elektromonteur zwar ein Quereinsteiger, aber sein Herz schlug schon in frühester Jugend für die Theaterwelt. Geprägt wurde er durch die reiche Operetten- und Operntradition in seiner Heimat Visp. Am dortigen Freilicht-Theater machte er oft Freiwilligeneinsätze als Beleuchter und war bald der «Mann für alles».

Als die Gemeinde Visp 1990 ein neues Theater plante, übernahm er die technische Leitung und hielt diese Position 14 Jahre lang inne. Dafür musste er allerdings seine zweite grosse Leidenschaft aufgeben: die Blasmusik. Mit seinem Stammverein, der Visper Musig, wurde er zweimal Schweizer Meister an Eidgenössischen Musikfesten.

Nach einer Weiterbildung zum Bühnen- und Beleuchtungsmeister in Wien kam der Walliser 2002 als Bühneninspektor zum Staatstheater Darmstadt (D). Dann reizte ihn eine Stelle im Hallenstadion Zürich. Auch dort wirkte er wesentlich beim auf 147-Millionen-Umbau mit. Doch das eher nüchterne Verlegen von Eisflächen zu Konzertbühnen war nicht seine Welt. Er liebt das klassische Theater mit aufwendigen Kulissen und schönen Kostümen.

Louis Burgener freut sich auf zukünftige Vorstellungen im Kurtheater Baden - die er ab jetzt als Publikumsgast geniessen kann.

Louis Burgener freut sich auf zukünftige Vorstellungen im Kurtheater Baden - die er ab jetzt als Publikumsgast geniessen kann.

Ursula Burgherr

Die Stelle am Kurtheater Baden war für ihn ein Traumjob. Mit Tausenden von schönen Erinnerungen geht der Opern-Fan nun in Pension und wird höchsten noch im Publikumsraum auf seinem Theatersitz zu sehen sein, den er sich gekauft hat.

Hühnerhaut, rauchende Perücken und blutende Nasen

Wenn er von Gastspielen wie der Staatsoper Kiew erzählt, bekommt Burgener heute noch Hühnerhaut. Und muss lachen, wenn er daran denkt, dass bei einer Aufführung der romantischen Oper «Der Freischütz» die Perücke des Tenors in Licht geriet und plötzlich zu rauchen anfing. Oder bei einer Vorstellung von «Aida» der Sänger in der Rolle des ägyptischen Heerführers Radamès über seinen 40 Kilogramm schweren Brokatmantel stolperte und seine Arie tapfer mit blutender Nase zu Ende sang.

Tausende von Erinnerungen prägen sein Theaterleben. «Die kann mir niemand mehr wegnehmen», sagt der junggebliebene Pensionär und strahlt. Künftig will er sich einen weiteren Traum erfüllen und mit seinem neuen Camper quer durch Europa fahren. «Ich habe während meiner Arbeitsjahre mit Reisen ständig zurückgesteckt. Jetzt hält mich nichts mehr. Alleine oder mit meiner Frau. Vor allem aber spontan und ohne zu planen. Denn das habe ich während meiner Berufszeit zur Genüge gemacht.»

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