Baden
Kurtheater: Die Stunde der Wahrheit naht – Kritik verstummt nicht

Zurzeit liegt in Baden das Baugesuch für den Kurtheater-Umbau auf. Trotz leichten Kompromissen in der Planung muss mit Einsprachen gerechnet werden. Für Kritik sorgen vor allem die Lärmbelastung und die Höhe der Hinterbühne.

Martin Rupf
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So soll das Kurtheater nach dem Um- und Ausbau aussehen.

So soll das Kurtheater nach dem Um- und Ausbau aussehen.

Boesch Architekten

Ein kalter Wind weht durch den Kurpark. Gegenwind droht auch dem Um- und Erweiterungsbau des Kurtheaters: Denn obwohl sich letztes Jahr rund drei Viertel der Badener Bevölkerung für das Projekt ausgesprochen haben, hat der Umbau auch seine Gegner.

Im Vorentscheid-Verfahren konnte die Theater-Stiftung der Region Baden-Wettingen als Bauherrin mit den Einwendern keine Einigung erzielen (siehe Box).

Kurtheater Baden
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Kurtheater Baden Das sogenannte Sachs-Foyer ist Streitpunkt zwischen der Stadt Baden und dem Kanton. Der Kanton will es unter Denkmalschutz stellen lassen, die Stadt Baden nicht.
Kurtheater Baden Das Glas-Foyer steht unter kommunalem Schutz. Nun soll ein Gutachten der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege entscheiden, ob es unter Denkmalschutz gestellt wird oder nicht.
Kurtheater Baden Das Sachs-Foyer wurde von der Architektin Lisbeth Sachs entworfen.
Kurtheater Baden Das Umbauprojekt Equilibre sieht eine leichte Veränderung am Sachs-Foyer vor. Ein Streitpunkt zwischen der Stadt Baden und dem Kanton.
Kurtheater Baden Eine Visualisierung des Sachs-Foyer im Projekt Equilibre.

Kurtheater Baden

Aargauer Zeitung

Deshalb ist davon auszugehen, dass es im Rahmen der Auflage des Baugesuchs zu Einsprachen kommen wird. «Wir bedauern natürlich, dass wir uns mit den Einwendern nicht einigen konnten», sagt Antonia Stutz, Präsidentin der Theaterstiftung.

Man habe das Gebäudevolumen leicht verkleinert und sei den Einwendern so weit entgegen gekommen, wie es betrieblich möglich war.»

Anlieferung und Höhe im Fokus

Hauptkritikpunkte sind die Lärmbelastung bei der Anlieferung und die Höhe der Hinterbühne mit Aufbau. «Da wir den Proberaum und die Administration unter ein Dach bringen wollen, ergibt sich diese Höhe», erklärt der externe Projektleiter Adrian Humbel.

Dafür werde das nebenstehende Studiogebäude abgebrochen, wodurch sich der Kurpark in Richtung Römerstrasse öffnen könne.

Die Projektverantwortlichen hoffen, dass die Baubewilligung bis Mitte Jahr vorliegt. Geplant ist, die Saison 2014/2015 im Mai nächsten Jahres etwas früher zu beenden, und mit dem Bau zu beginnen.

Kurtheater: Ein Planungsmarathon

Dez. 2007: «equilibre» geht als Sieger des Projektwettbewerbs hervor. Dez. 2008: Neue Kostenschätzung ergibt 28,6 Mio. Franken Baukosten (ursprünglich 16 Mio. Franken). Jan. 2009: Stadtrat verordnet Planungsstopp und Überprüfung unter Federführung der Stadt und externer Projektleitung. Okt. 2009: Kantonale Denkmalpflege stellt «Equilibre» infrage. Aug. 2010: Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege wünscht Erhalt des Sachs-Foyers. Sept. 2010: Studie Sanierung Sachs-Foyer ohne bauliche Erweiterung wir in Auftrag gegeben. März 2011: Einwohnerrat spricht 0,97 Mio. Franken für bauliche Sofortmassnahmen. Feb. 2012: Das überarbeitete Projekt «Equilibre» wird präsentiert. Aug. 2012: Das Vorentscheidverfahren läuft an. Sept. 2012: Der Kanton spricht 11 Mio. Franken an das Projekt. Nov. 2012: Einwohnerrat bewilligt den 34-Mio.-Franken-Kredit. 3. März 2013: Das Badener Stimmvolk bewilligt den Kredit. Mai 2013: Das Vorentscheidgesuch wird zurückgezogen, da keine Einigung. (mru)

Vorgesehen ist, dass das Kurtheater seinen Betrieb ein Jahr ausgesetzt und dann im Herbst 2016 seine Tore wieder öffnet. «Wir hoffen, dass wir diesen Fahrplan einhalten können und sich dieser wegen allfälliger Einwendungen nicht um ein Jahr verzögert», sagt Stutz.

Dies umso mehr, als die Bühnentechnik anfällig sei und es schade um jeden Steuerfranken sei, der für die Instandhaltung bis zum Umbau aufgewendet werden müsse.

Theater-Stiftung und Projektleitung sind vom Projekt überzeugt, auch wenn sich die Entwicklung nicht einfach gestaltet habe. Mit dem vorliegenden Resultat sei das Optimum erreicht worden. Projektleiter Adrian Humbel: «Es ist ein ausgewogenes Projekt.»

Das filigrane Sachs-Foyer bleibt erhalten, dafür wird das nachträglich angefügte «Bölsterli-Foyer» erweitert, der Eingangsbereich unterkellert. Nebst Foyer und Sanitärbereich erhält die Gastronomie mehr Fläche.

Die räumlichen, betrieblichen und infrastrukturellen Anforderungen an ein modernes Gastspiel-Theaterhaus werden laut Humbel erfüllt – ohne jeglichen Luxus.

Auch der politische Wille des Einwohnerrates nach mehr Beinfreiheit – eine Sitzreihe fällt weg – sei im Einvernehmen mit der Denkmalpflege ins Projekt eingeflossen. Gesamthaft reduziert sich die Sitzzahl von 611 auf 539 Plätze.

Bühnenausstattung und -technik sind veraltet und werden angepasst. «Damit können moderne Inszenierungen einfacher, sicherer und kostengünstiger gespielt werden», erklärt Louis Burgener, Technik-Chef im Kurtheater.

Das als Sommertheater erstellte Gebäude wird energetisch saniert und auf Ganzjahresbetrieb ausgelegt. Der Bau wird erdbebensicher gemacht, feuerpolizeilich angepasst sowie für Rollstuhlfahrende hindernisfrei gestaltet.

Die Gesamtverantwortung für den Um- und Ausbau liegt bei der Stadt, Bauherrschaft ist die Theater-Stiftung. An die Bruttokosten von 34,472 Mio. Franken steuert der Kanton 11 Mio. bei.

Abzüglich Gemeinde- und Sponsorenbeiträgen zu je 2 Mio. bleiben der Stadt Nettokosten von rund 19 Mio. Franken, wobei noch mit einem Beitrag der Gemeinde Wettingen zu rechnen ist.

Das Baugesuch liegt noch bis 8. Februar auf der Abteilung Planung und Bau, Roter Turm, Rathausgasse 5, auf.

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