Baden
Kurtheater: Flucht und Migration prägen die Saison

Barbara Riecke stellt den Spielplan 2016/17 vor – es ist ihr letzter für das Kurtheater. Ein Nachfolger ist noch nicht bestimmt.

Elisabeth Feller (Text und Foto)
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Das Kurtheater-Team (v. l.): Katja Stier, Lara Albanesi und Barbara Riecke halten das druckfrische Heft für die Spielzeit 2016/17 in Händen.

Das Kurtheater-Team (v. l.): Katja Stier, Lara Albanesi und Barbara Riecke halten das druckfrische Heft für die Spielzeit 2016/17 in Händen.

«Der Bau»: Trefflicher könnte ein ebenso betiteltes Stück nicht sein, um die Saison 2016/17 im Kurtheater zu eröffnen. Wer würde nicht an den seit gefühlter Ewigkeit wegen einer Einsprache verhinderten Um- und Erweiterungsbau des Kurtheaters denken? Damit hat Franz Kafkas Erzählung aber nichts zu tun. Der Autor schildert vielmehr den vergeblichen Kampf eines Tiers, das seinen Erdbau vor Feinden schützen will und dabei immer paranoider wird. Für Barbara Riecke könnte dieser Text nicht aktueller sein: Die Ende Juni von Baden scheidende Künstlerische Leiterin ist mittendrin im Thema, das die letzte, von ihr programmierte Spielzeit prägt: Flucht und Migration.

«Von Kafkas ‹Der Bau› und seinen Ängsten ist es nicht weit zur heutigen emotionalen Unsicherheit, die die globalen Migrationsbewegungen bei vielen Menschen auslösen», sagt sie und verweist auf zwei weitere Produktionen mit gleichgearteter Thematik: «Kula – nach Europa», ein deutsch-französisch-afghanisches Theaterprojekt des Deutschen Nationaltheaters Weimar und «Gute Pässe Schlechte Pässe» von Helena Waldmann.

Wem kommt da nicht sofort «Made in Bangladesh» in den Sinn: Ein vorgängig im Kurtheater gezeigtes, lebhaft diskutiertes Stück, das Parallelen zieht zwischen den schlechten ökonomischen Bedingungen von Fabrikarbeitenden in Bangladesch und Kunstschaffenden im Westen. Ebenfalls in der Gegenwart verhaftet, aber von völlig anderem Zuschnitt ist «Terror». In seinem ersten Theaterstück stellt der Jurist und Krimiautor Ferdinand von Schirach das Publikum vor ein moralisches Dilemma. Was tun, wenn ein Flugzeug entführt und zur Massenvernichtungswaffe wird? Es abschiessen?

Neben den erwähnten sowie weiteren Gegenwartsstücken bietet der breit gefächerte Spielplan auch Klassiker wie etwa Shakespeares «Romeo und Julia», Gogols «Der Revisor» und Tschechows «Onkel Wanja». Hinzu kommen Romanbearbeitungen («Felix Krull», «Effi Briest»), Tanz (Ballett Basel, Junior Ballett Zürich, Flamencos en route, Danza Contemporánea de Cuba), Musiktheater (Mozart, Bernstein, Donizetti, Puccini/Rota), Kinder- und Jugendtheater, aber auch eine Hommage an den grossen Buster Keaton mit Max Merker und dem Aargauer Schauspieler Aaron Hitz.

Nachfolger noch nicht bestimmt

Selbst wenn Barbara Riecke schon bald in ihre Heimatstadt Hamburg zieht, vom Kurtheater Baden verabschiedet sie sich noch nicht. «An der Saisoneröffnung am 22. Oktober wird sie dabei sein», sagt Lara Albanesi. Die Kaufmännische Leiterin wird bis zum Umbau 2018 die Gesamtleitung ad interim innehaben. Ihr zur Seite steht, ebenfalls interimistisch für zwei Jahre, Programmleiter Armin Kerber. Er wird den von Barbara Riecke konzipierten Spielplan 2016/17 betreuen sowie selbst einen solchen für die gekürzte Saison 2017/18 gestalten. Was ist mit der Besetzung der Künstlerischen Leitung? «Diese Stelle wird erst dann ausgeschrieben, wenn der Termine für den Umbau feststeht», betont Lara Albanesi.

Kurtheater Baden «Was war – Was kommt»: Vorschau auf die Saison 2016/17 mit Barbara Riecke, 20. Juni, 18 Uhr.

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