Nun also doch: Anwohner Lieni Fueter, der sich vor allem an der geplanten Hinterbühne beim Ausbauprojekt des Badener Kurtheaters stört, hat das Verwaltungsgerichtsurteil am letzten Tag der Eingabefrist ans Bundesgericht weitergezogen, wie das «Badener Tagblatt» diese Woche schrieb. «Die widersprüchliche Argumentation des Verwaltungsgerichts im Zusammenhang mit der unbestrittenermassen zu hohen Gebäudehöhe hat mich bewogen, das Bundesgericht anzurufen.»

Antonia Stutz, Präsidentin der Theaterstiftung, ist hingegen überzeugt, dass auch das Bundesgericht die Beschwerde abweisen wird. «Da der Entscheid des Verwaltungsgerichts einzig auf kommunales und kantonales Recht abstellt, wird sich eine allfällige Prüfung des Bundesgerichts darauf beschränken, ob das Verwaltungsgericht dieses Recht willkürlich angewendet hat oder nicht.» Nach ihrer Einschätzung sei dies klar nicht der Fall.

Bundesgericht prüft nur Willkür

Die Messlatte ist also tatsächlich hoch, dessen ist sich auch Fueter bewusst. «Meine Chance ist klein, aber ich will nichts unversucht lassen.» Tatsächlich: Wenn man sich die Mühe macht, das 27 Seiten lange Urteil des Verwaltungsgerichts zu lesen, kann man Fueters Frust durchaus nachvollziehen. Zwar gibt das Gericht auf der ganzen Linie der Theaterstiftung recht, doch es lässt bei einigen Punkten durchblicken, dass es durchaus Verständnis für die Haltung des Beschwerdeführers hat.

Zentral bei der Beschwerde ist die Höhe der angedachten Hinterbühne. Das Verwaltungsgericht kommt zum Schluss, dass die Firsthöhe 22,6 Meter beträgt. Stellt sich also die Frage, ob dies zu hoch ist. Das Kurtheater befindet sich in der Parkzone, weshalb in Bezug auf die Grundmasse – insbesondere Gebäudehöhe – die Bau- und Nutzungsordnung offen und unbestimmt sei, schreibt das Verwaltungsgericht. Wie hoch darf also die Hinterbühne sein? «Von Bedeutung sind einerseits die allgemeinen Bestimmungen der Bau- und Zonenordnung und andererseits die speziellen Bestimmungen der angrenzenden Zonen jener Zonen, in welchen ein Bauvorhaben der fraglichen Art am ehesten zu realisieren wäre (sogenannte Referenzzonen).» In diesem Punkt widerspricht das Verwaltungsgericht dem vorausgegangen Urteil des Regierungsrates, der als Referenzzone die Gewerbezone bemühte. «Die vorinstanzliche Aussage, die Gewerbezone sei unter anderem für Dienstleistungsbetriebe wie Theater bestimmt, ist jedenfalls für gemeinnützige Theater nicht zutreffend.»

Vielmehr grenze das Kurtheater im Norden an die Wohnzone W3 mit einer maximal zulässigen Gesamthöhe von 13,5 Metern. Es erscheine deshalb als nicht vertretbar, einseitig auf die Vorschriften betreffende Gewerbezone mit einer maximal zulässigen Höhe abzustellen, welche 22 Meter beträgt. Selbst bei einem arithmetischen Mittelwert von knapp 18 Metern wäre die geplante Gesamthöhe von 22,6 Metern «klar zu hoch», folgert das Gericht. Eine Rechtfertigung für eine solche Abwägung könnte nur ein massiv höher gewichtetes öffentliches Interesse gegenüber dem privaten Interesse rechtfertigen.

Neueröffnung bis 2020

Zwar sei der umstrittene Umbau nicht «ultimativ betrieblich notwendig», der Anbau würde aber betriebliche Verbesserungen mit sich bringen, «die mehr als wünschenswert sind». Die Befürchtung, das Kurtheater könnte an Strahlkraft und Konkurrenzfähigkeit einbüssen, wenn es technisch nicht auf dem neusten Stand gebracht wird, erscheint dem Verwaltungsgericht begründet. «Auch macht es aus gestalterischen Gründen durchaus Sinn, beim Anbau die Höhe des bestehenden Bühnengebäudes samt aufgesetztem Bühnenturm zu übernehmen.» Für Zwischenlösungen sei kein Platz. «Es ist nicht nachvollziehbar, dass das Projekt redimensioniert werden kann, ohne gleichzeitig die Anlieferung zu gefährden.»

Schliesslich mache der Beschwerdeführer geltend, seine Liegenschaft bilde eigentlich ein schützenwertes Baudenkmal. Die Stadt habe nur deshalb auf eine Unterschutzstellung verzichtet, weil sie im Hinblick auf den umstrittenen Anbau nicht wollte, dass die Bauten von einem Umgebungsschutz profitieren würden. «Diese Argumentation verfängt nicht», schreibt das Verwaltungsgericht. Fakt sei, die Liegenschaft stehe nicht unter Schutz, und selbst wenn sie dies tun würde, sei nicht einsichtig, inwiefern eine allfällige Unterschutzstellung dem umstrittenen Anbau entgegenstehen würde. Vielmehr habe an der Augenscheinverhandlung eine Fachperson darauf hingewiesen, «dass der Ortsbildschutz ganzheitlich zu verstehen sei und eine Weiterentwicklung des Dorf- und Stadtbildes zwecks Gewährleistung des sozialen Lebens hingenommen werden müsse».

Zusammenfassend hält das Verwaltungsgericht fest: «Das umstrittene Bauvorhaben ist zonenkonform und bewilligungsfähig; die Beschwerde ist somit als unbegründet abzuweisen.»

Ob das Bundesgericht dieser Argumentation folgt, sofern es überhaupt auf die Beschwerde eintritt, wird sich zeigen. Antonia Stutz rechnet in rund sechs Monaten mit einem Entscheid aus Lausanne. Demnach sollte auch der aktuelle Fahrplan eingehalten werden können, der eine Neueröffnung des Kurtheaters spätestens Anfang 2020 vorsieht.