Wessen Kindheit schon etwas länger her ist, für den ist der Ferienpass ein Relikt aus der eigenen Vergangenheit – könnte man meinen. Falsch gedacht! In den Gemeinden, in denen er noch, oder wieder, stattfindet, ist er erfolgreich unterwegs. Die Zahlen in den Gemeinden, die in der Region Baden und im Surbtal den Ferienpass anbieten, sprechen für sich.

So zählt auch der Ferienpass in Würenlingen zu den Erfolgsgeschichten: «Unser Angebot ist in den letzten Jahren immer grösser und beliebter geworden. 2018 waren es 424 besetzte Plätze in rund 40 Kursen», sagt Nadia Schneider, Präsidentin des Vereins Ferienpass Würenlingen. Gezählt werden nicht die Anzahl Kinder, sondern die besetzten Kursplätze; wovon ein Kind mehrere belegen kann.

Besonders beliebt seien Kurse in der Natur und mit Tieren, aber auch Bastelkurse. Jedes Jahr werden bereits etablierte, aber auch neu ins Leben gerufene Kurse durchgeführt. «Hier in Würenlingen haben wir wirklich ein cooles Gewerbe, tolle Firmen, die wir für Kurse anfragen können, ohne dass sie eine Gegenleistung dafür verlangen», schwärmt Schneider.

Freiwillige gesucht

Einziger Wermutstropfen: Die Suche nach Freiwilligen, die beim Ferienpass mithelfen. «Es ist vor allem schwierig, Menschen für den Vorstand zu gewinnen», sagt Schneider. So war es dieses Jahr alles andere als sicher, ob der Ferienpass überhaupt stattfinden würde: «Von ursprünglich sieben Personen waren wir noch fünf. Das wäre richtig streng geworden.»

Wenn die eigenen Kinder zu alt werden für den Ferienpass, seien auch die Vereinsmitglieder nicht mehr so engagiert, erklärt Schneider. Erfreulicherweise hätten sie aber im letzten Moment noch drei Mütter für den Vorstand gewinnen können. Deshalb kann auch in diesen Frühlingsferien ein Ferienpass angeboten werden.

Die Vorstandsarbeit ist intensiv: Ideen für neue Kurse müssen entwickelt werden, sie müssen vorbereitet und begleitet werden, und auch die Sponsorensuche gehört dazu – all das ist sehr zeitaufwendig.

Arbeitsintensiv ist auch die Einteilung der Kinder. Beim Ferienpass Obersiggenthal dürfen die Kinder im Vorfeld sechs Kurse auswählen, wovon sie am Ende drei besuchen können. «Wir haben zwar ein gutes Kursverwaltungsprogramm für diese Arbeit, doch müssen wir es manipulieren, damit alle Kinder Platz in ihren Wunschkursen finden», erklärt Präsidentin Sandra Fritschi.

Auch bei ihnen sei die grösste Herausforderung, genügend Helfer zu finden. Doch nicht für den Vorstand, sondern viel mehr Begleitpersonen für die Kurse. In diesen Frühlingsferien sind es 87 Kurse mit 280 Kindern. «Das ist jedes Jahr eine Herausforderung. Hier sind wir unweigerlich auf die Mitarbeit der Eltern angewiesen», erklärt Fritschi. Für sie ist die Arbeit im Vorstand eine absolute Herzensangelegenheit.

Sie gehörte zu den Freiwilligen, die 2009 den Ferienpass in Obersiggenthal wiederbelebten. Aus Mangel an Freiwilligen musste er davor für einige Jahre pausieren. Doch seit der Wiedereinführung haben sie steigende Teilnehmer- sowie Kurszahlen zu verzeichnen: Waren es im ersten Jahr noch 42 Kurse mit 159 teilnehmenden Kindern, so waren es 2018 307 Kinder in 88 Kursen. Angesichts von insgesamt 540 Primarschulkindern in Obersiggenthal mehr als die Hälfte – eine beachtliche Zahl. Aber: «Mit mehr als 300 Kindern ist unsere obere Grenze aber erreicht, wenn es um die Kurszuteilung geht», so Fritschi.

Ein Ferienpass, sechs Gemeinden

Der Ferienpass Surbtal vereint sechs Gemeinden. Hier meldeten sich letztes Jahr 630 Schüler für 191 Kurse an. Anders als bei anderen findet der Ferienpass hier alle zwei Jahre statt, das aber seit 1983 ohne Unterbruch: «Lehrpersonen aus den Gemeinden Freienwil, Endingen, Lengnau und Schneisingen hatten sich damals zusammengeschlossen und erste Kurse organisiert», erklärt Präsidentin Agi Ottiger, die seit 19 Jahren im Organisationskomitee mitwirkt.

Seit 1987 ist Tegerfelden mit dabei, 2004 stiess Ehrendingen dazu. Letztere waren zuvor beim Ferienpass Baden angeschlossen, der aber an seine Grenzen gestossen war und die Tätigkeit einstellen musste. Grund: zu viele Kinder.

Im Surbtal stellen sie aber inzwischen etwas anderes fest: «Bei uns ist die Anzahl Kinder eher rückläufig», so Ottiger. Ein Grund sieht sie darin, dass vor allem ältere Schüler nicht mehr so zahlreich mitmachen. Ein anderer Grund sei auch, dass es für arbeitende Eltern schwierig sei, die zwei, drei Stunden, die ein solcher Kurs dauert, abzudecken und deshalb ein Ganztages-Angebot bevorzugen würden.

Ferienplausch statt Ferienpass

Das wiederum bietet Wettingen, wo der Ferienpass Ferienplausch heisst: «Wir bieten ein Ganztagesprogramm für 80 bis 100 Kinder an. Sie sind so den ganzen Tag gut bei uns aufgehoben», erklärt Vorstandsmitglied Rita Berz. Normalerweise würden sie an fünf Tagen fünf verschiedene Programme anbieten. Dieses Jahr ist es anders, in diesen Frühlingsferien gibt es eine ganze Zirkus- woche: «Der Zirkus Balloni kommt mit Zirkuszelt und einer Zirkus- und Animationsgruppe.» Wettinger Kinder, die mitmachen möchten, müssen pressieren: Es hat nur noch wenige Plätze.