Baden

Lärm, Abfall und Gerüche: Nicht alle freuen sich auf das Wunderdorf

Ohne Eisfeld und Restaurant: 25 Markthütten kommen ins Wunderdorf.

Ohne Eisfeld und Restaurant: 25 Markthütten kommen ins Wunderdorf.

Der Weihnachtsmarkt auf dem Badener Theaterplatz schrumpft wegen Corona – und die Betreiber wehren sich gegen Vorwürfe. In diesem Jahr soll durch die Absperrung des Theaterplatzes ab 23 Uhr für Ruhe gesorgt werden.

Das Badener Wunderdorf soll auch in der diesjährigen Adventszeit auf dem Theaterplatz zu stehen kommen. Die Coronalage hatte den Verein WunderBaden, der das Wunderdorf im vergangenen Jahr zum ersten Mal errichtete, Anfang November dazu gezwungen, die anvisierte Eröffnung zu verschieben. Am vergangenen Wochenende wurde nun beschlossen, dass das Wunderdorf mit 25 Markthütten definitiv vom 27. November 2020 bis zum 3. Januar 2021 eröffnet werden soll.

Der Kanton hatte das Schutzkonzept des Weihnachtsmarkts vergangene Woche bewilligt, während gleichzeitig die Schweizer Coronafallzahlen stagnieren − diese Umstände hätten dazu geführt, dass man sich zur Eröffnung entschieden habe, sagt Vereinspräsidentin Lydia Bosoni: «Die Sicherheit für Besucher, Mieter und Mitarbeiter steht im Vordergrund. Wir befinden uns weiterhin regelmässig mit der Stadt und dem Kanton im Austausch und könnten unser Schutzkonzept bei neubeschlossenen Massnahmen flexibel anpassen.»

Fotos vom Wunderdorf aus dem vergangenen Jahr zeigen dichtes Vorweihnachtsgedränge − ein solches sollte in diesem Jahr pandemiebedingt vermieden werden. Bosoni: «Durch die Umgestaltung des Platzes gewinnen wir sehr viel Freiraum, damit man sich nicht eingekesselt fühlt.» So wurden das zentrale Restaurant sowie auch das Eisfeld zum Schlittschuhlaufen aus dem Konzept gestrichen.

So schön war es 2019:

Eine Besucherbeschränkung mittels Einlasskontrollen herrscht zwar nicht, allerdings Maskenpflicht. Diese zu kontrollieren, soll die Aufgabe von Ordnern auf dem Theaterplatz sein. Zudem dürfen Speisen und Getränke nur im Sitzen konsumiert werden. Also wurde eine «Food-Lounge», ein Zelt mit Panoramablick, zum Verzehr eingerichtet. In diesem sollen sich die Besucher zum Contact-Tracing eintragen.

«Sogar am Weihnachtstag»

Doch Corona ist nicht die einzige Baustelle des Wunderdorfs. Bereits im vergangenen Jahr hatten sich einige Anwohner und Geschäftstreibende wegen Lärms, Abfalls und übler Gerüche beschwert. «Wer in der Innenstadt wohnt, muss gewissen Lärm aushalten können. Ich bin nicht gegen die Belebung des Theaterplatzes, aber das war mehr ein Jahrmarkt als ein Weihnachtsmarkt. Bis spät in den Abend wurde man von allen Seiten mit österreichischen Schnulzen beschallt», findet Ursula Dietrich, die in der Kronengasse unweit des Theaterplatzes wohnt.

Walter Küng spricht zwar eher von «Deutscher Welle à la Costa Cordalis», bestätigt aber die Musikemission – «sogar am Weihnachtstag», wie er sagt. Er wohnt am Theaterplatz 6 und habe sich mit allen Nachbarn des Gebäudes geschlossen an die Stadt gewandt, um Fragen anzubringen − nicht nur wegen des Lärms, sondern auch wegen des Abfalls und der Geruchskulisse.

Fehlende Dialogbereitschaft seitens der Betreiber

Damit war er nicht allein: Auch die Buchhandlung Librium wandte sich an die Stadtverwaltung; berichtet über unschöne Erfahrungen mit dem Wunderdorf. Besitzer Laurin Jäggi sagt: «Unser Laden ist quasi hinter den Ständen des Wunderdorfs verschwunden. Wir hatten im Dezember zehn Prozent Umsatzeinbussen im Vergleich zum Vorjahr.»

Besonders haben sich die Anrainer aber über die fehlende Dialogbereitschaft seitens der Betreiber geärgert. Man sei ignoriert worden und fühle sich nicht ernst genommen. Dem widerspricht Lydia Bosoni vehement: Der Verein habe jederzeit signalisiert, dass er zum Austausch und Kompromissen bereit sei. «Wir geben unser Bestes, es so gut es geht allen recht zu machen», sagt sie. So habe man sich bemüht, auch die Anrainer an Bord zu holen.

Entsprechend seien gewisse Kritikpunkte entschärft worden. In diesem Jahr soll durch die Absperrung des Theaterplatzes ab 23 Uhr für Ruhe gesorgt werden. Eine Halbierung der Feuerschalen würde die Rauch- und Geruchsentwicklung eindämmen. Selbst Walter Küng schätzt aufgrund der kürzeren Laufzeit und des Verzichts auf Eisbahn und Restaurant, dass die Belastung durch das Wunderdorf für die Anrainer geringer als im vergangenen Jahr ausfallen wird.

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