Etwas schüchtern und introvertiert wirkt die junge Frau mit den dunklen Haaren auf den ersten Blick. Doch steht sie auf der Bühne, dreht Germaine Sollberger auf. Als Luise, die Tochter der beiden Protagonisten, spielt die 21-Jährige im Stück «Liliom» vom Theater Marie mit. Morgen tritt die Badenerin zum ersten Mal im heimischen Kurtheater auf. Dabei ist Sollberger die Jüngste und dazuhin einzige Laienschauspielerin auf der Bühne.


Von Lampenfieber ist keine Spur zu sehen: Mit einem breiten Lächeln fährt sich die junge Frau durch die Haare und sagt: «Ich bin meistens nervöser vor den ersten Proben als vor einer Aufführung.» Wobei zu bedenken ist, dass das Stück bereits in Aarau Premiere gefeiert hat. «Ich freue mich auf das Heimspiel und hoffe, dass ich vor einigen Freunden auftreten darf.»

Weil ihre Rolle eher klein ist, durfte Sollberger auch eine Regie-Assistenz übernehmen. «So habe ich viel dazu gelernt.» Dabei ist das 1909 vom ungarischen Dramatikers Ferenc Molnár geschriebene Stück «Liliom» tough. Es erzählt die Geschichte von Hoffnungslosigkeit und Gewalt. «Doch es ist sehr spannend und abwechslungsreich gestaltet», erklärt Sollberger.

Von der Kanti auf die Bühne

Noch in den Kinderschuhen konnte Sollberger erste Bühnenerfahrungen sammeln. Ihre grosse Leidenschaft für die Bühne wurde aber erst während ihrer Zeit in der Kantonsschule Wettingen entfacht. «Ich hatte tolle Lehrer, die mich motiviert haben», sagt Sollberger.

Nach ihrem Abschluss konnte sie dann bei einem dreimonatigen Projekt der «Jungen Marie» teilnehmen. Das Jugendtheater gehört zum Theater Marie und produziert professionelles Theater mit jungen Laienschauspielern. «Es war wie eine Art Berufspraktikum», so Sollberger. Über dieses Projekt ist sie auch an die Rolle im Stück «Liliom» gekommen.


Ab Mitte Februar fängt die Badenerin nun die Schauspielschule in Bern an. Dafür ist sie bereits vor einiger Zeit in die Hauptstadt gezogen. «Aber ich komme immer noch gerne nach Baden, hier kann ich auch mal bei meiner Mutter Zmittag essen», sagt Sollberger schmunzelnd.

Bühnenpräsenz ist wichtig

Noch möchte Sollberger nicht als Schauspielerin bezeichnet werden, schliesslich habe sie noch nicht einmal mit ihrer Ausbildung angefangen. «Ich weiss einfach, dass mir das Spielen unglaublichen Spass macht.» Auch das Arbeiten an einem Projekt bereite ihr Freude: «Man kreiert etwas und weiss am Schluss, dass man Leute damit unterhalten kann.» Spricht Germaine Sollberger über die Arbeit im Theater, leuchten ihre Augen. Mit einem Lächeln lehnt sie sich nach vorne und plötzlich wirkt die sonst so zurückhaltende Frau redselig und aufgeschlossen.

Was aber macht einen Schauspieler aus? «Ich glaube nicht, dass man nur Talent mitbringen muss», sagt Sollberger. «Es ist vielmehr die Lust auf das Spielen und es muss einem leicht fallen, auf einer Bühne zu stehen.» Kurz verstummt die junge Laienschauspielerin und wird nachdenklich. Dann fügt sie in erstem Ton an: «Natürlich muss man auch eine Präsenz auf der Bühne besitzen.»

Wichtig im Theater sei zudem, dass man sich schnell auf neue Leute einlassen könne. Denn in jedem Projekt warten wieder neue, unbekannte Gesichter. Auch sollte man den eigenen Körper als Arbeitsinstrument verstehen. «Da dieser Körper der selbe privat und auf der Bühne ist, kann das manchmal zu persönlichen Missverständnissen führen. Aber nach einer Weile lernt man damit um zugehen.»