Ausstellung
Mit diesen Bildern verabschiedet sich die Badener Stadtfotografin

Die ehemalige Badener Stadtfotografin Nici Jost präsentiert ihre Werke im Landvogteischloss. In «Farbiges Dättwil» spielen auch die Mitglieder der Chronikgruppe eine Rolle.

Larissa Gassmann
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Alles hier ist Blau: Der Postweg in Dättwil.
11 Bilder
Auch an der Dorfstrasse geht es weiter bunt zu und her.
Farbtuper prägen das Dorbild.
Rote Fensterrahmen treffen Besucher an der Pilgerstrasse an.
Grau sind hier nur die Treppenstufen.
Gelb ist wiederum dieses Haus an der Husmatt.
Grün, Organge, Gelb und Braun: Hier ist alles farbenfroh.
Die Dorfstrasse hat es Nici Jost besonders angetan.
Ein bisschen mediterranes Feeling darf nicht fehlen.
Blau sind Tür und Wand auch an der Dättwilerstrasse.
Der Dättwiler Zelgweg besticht mit farbigen Fenstern.

Alles hier ist Blau: Der Postweg in Dättwil.

zVg: Nici Jost

Blau. Ist das Treppengeländer. Die Tür. Der Himmel, der sich am Postweg in den unverhüllten Fensterscheiben spiegelt. Wer durch sie hinausschaut, der erblickt Dättwil in all seinen Farben. Bunt ist es da. Rot. Gelb. Grün. Gerade so, als hätte ein Künstler all seine Farbkübel über dem Dorf ausgeleert. Bunt, so ist auch die Welt der abtretenden Badener Stadtfotografin Nici Jost. «Farbiges Dättwil» nennt sich die Ausstellung ihrer Werke, die am 1. April einen Raum im Landvogteischloss schmücken soll.

In den vergangenen zwei Jahren durfte Jost in ihrer Funktion Entwicklungen in und rund um Baden festhalten. Besonders ihre Bilder aus Dättwil stechen hervor. «Nici Jost hat ein unglaubliches Auge für Farben», sagt Carol Nater Cartier, Leiterin des Historischen Museums Baden. «Das hat sich in den Bildern von Dättwil sehr gut akzentuiert. Gerade die Siedlung Rüteli hat ein aussergewöhnliches Farbkonzept.»

So mag es wenig überraschen, dass Jost ihre Arbeit zuerst an diesem Ort aufnahm. Eine Recherche über die Bauten aus den 70er-Jahren führte sie zum Zürcher Künstler Emil Müller, der damals für die Farbgebung der Siedlung verantwortlich war. Jost sah es als ihre Aufgabe an, diese Farbflächen zu dokumentieren. «Durch meine künstlerische Praxis interessiere ich mich sehr für Farben, deren Wahrnehmung und Wirkung. Dementsprechend fiel mir die Arbeit leicht», sagt Jost.

Das hat es mit dem Stadtfotografen auf sich

Tradition

Baden beschäftigt seit 2001 einen Stadtfotografen oder eine Stadtfotografin. Der Mandatsinhaber wird von der Fachabteilung Kultur beauftragt und durch die Leitung des Historischen Museums Baden betreut. Ausgewählt werden die Themen in Absprache mit Nater Cartier. Bei Vorschlägen der Fotografen gehe es auch darum, Türen zu öffnen. Dabei hält Nater Cartier oft Rücksprache mit dem Stadtarchivar, der Abteilung für Kultur und weiteren Abteilungen. «Das Ganze soll einen dokumentarischen Charakter haben», so Nater Cartier. «Gleichzeitig sollte es nicht zu einer Verdoppelung mit Bestehendem kommen.» Immer wieder werden deswegen punktuelle Einsätze absolviert. Gleichzeitig ist es Ziel, eine Entwicklung zu dokumentieren, dies betrifft zum Beispiel die Badener Bäder.

Die Fotografin und Künstlerin Nici Jost.

Die Fotografin und Künstlerin Nici Jost.

zVg/Nici Jost

Wie einzigartig Dättwil mitsamt seiner Dorfidentität tatsächlich ist, kann bald in einem neu zugänglich gemachten Raum im Landvogteischloss bewundert werden. Dabei werden die Fotos nicht einzeln, sondern als Gesamtwerk präsentiert. Aus mehreren Bildern sollen im Zusammenspiel mit farbigen Wänden Kompositionen entstehen. Ergänzt wird die Ausstellung durch eine weitere Bildreportage. So wurden Mitglieder der Chronikgruppe Dättwil an ihrem Lieblingsplatz fotografiert. «Dadurch entsteht ein persönlicher Bezug zu den Bewohnern Dättwils», so Jost.

Zusätzlich geplant sind drei Veranstaltungen. Thematisiert werden soll auch die Fusion von Baden und Dättwil im Jahr 1962. Das sechzigjährige Jubiläum jährt sich demnächst – somit ist Zeit für einen kritischen Rückblick, auch im Hinblick auf die Fusionsgespräche mit Turgi.

Ein Spaziergang führte zur Idee

Dass Dättwil einen Platz im Museum bekommen soll, war schon länger klar. «Es handelt sich um ein regionales Museum. Deswegen ist es wichtig, dass sich möglichst viele Menschen damit identifizieren und sich darin wiederfinden», so Nater Cartier. Geschehen soll dies durch regionale Fenster, welche die Identität der umliegenden Ortschaften stärken sollen. Nach Ennetbaden und Wettingen ist in diesem Jahr Dättwil an der Reihe.

«Die Chronikgruppe zeigte sich stets sehr engagiert, eine Kooperation war schon länger im Gespräch», sagt Nater Cartier. Die Schwierigkeit bestehe aber immer darin, lokale Themen auch für ein auswärtiges Publikum spannend aufzubereiten. So richtet sich das Museum an kantonale und nationale Besuchende. «Die Ausstellung soll deswegen nicht nur Dättwiler, sondern auch Fans der Fotografie ansprechen», sagt Nater Cartier.

Zumindest bei Nici Jost selbst hat die zweijährige Arbeit Spuren hinterlassen. «Ich betrachte Baden nun anders. Ich habe viele spannende Einblicke erhalten, die man im Normalfall nicht bekommt», so Jost. Abgelöst wurde sie nun Mitte Januar von Philipp Hänger.

Im Normalfall werden die Bilder der Stadtfotografen nicht ausgestellt. In diesem Jahr hat sich das dank der Auseinandersetzung mit Dättwil ergeben. Den Antoss dazu gab damals Antoinette Hauri. Die ehemalige Präsidentin der Chronikgruppe Dättwil brachte Jost die Vorzüge des Ortes auf einem Spaziergang näher. Als die bunte Welt von Jost mit der Farbigkeit Dättwils kollidierte, machte es Klick. Rot. Gelb. Grün. Ein Farbenspektakel. Briefkästen. Fensterläden. Treppen. Jost drückte auf den Auslöser. Dass daraus mehr werden sollte, wurde schnell klar.