Der Einwohnerrat beschäftigt sich an der Sitzung vom 30. August mit einem «Langmatt-Paket»: Im ersten Antrag verlangt der Stadtrat 645 700 Franken für notwendige Baumassnahmen in den nächsten fünf Jahren. Dagegen habe die Finanzkommission (Fiko) nichts einzuwenden, erklärt deren Präsident Mark Füllemann. Mit dem zweiten Antrag wünscht der Stadtrat 200 000 Franken, damit Stadt und Stiftungsrat eine Vision für Haus und Betrieb samt Machbarkeit erarbeiten können. Die Grundlagen liegen vor; dazu hatte der Einwohnerrat im Januar 2011 einen Verpflichtungskredit gesprochen. Durch personelle Wechsel bei der Stiftung und vertiefte Abklärungen hat sich alles etwas verzögert.

Jetzt könnte es eine weitere Verzögerung absetzen, denn die Fiko zweifelt bei der Strategieentwicklung am Vorgehen. Der Stadtrat müsste die ganze Projektorganisation aufzeigen, ebenso wie sich Stadt und Stiftung in die Rollen aufteilen würden, so Füllemann. Die Stiftung sei eine eigenständige juristische Person, die einen Zweck verfolgen müsse, aber sich selbst gehöre, nicht der Einwohnergemeinde. Doch gemäss der Vorlage an den Einwohnerrat liege die Projektleitung bei der Abteilung Kultur, die Projektsteuerung beim Ressortchef Kultur im Stadtrat.

Und was heisst Vision, Strategie?

Die Fiko fragt sich auch, was unter «Vision, Strategie und Machbarkeit» verstanden werden müsse. «Wir erwarten mehr Informationen, auch über das Vorgehen, damit später das Resultat an den definierten Erwartungen gemessen werden kann», sagt Füllemann. Die Fiko empfiehlt dem Stadtrat, die Vorlage zurückzunehmen und zu vervollständigen. Ansonsten würde die Finanzkommission die Vorlage mehrheitlich zur Ablehnung empfehlen.

Stadtrat Erich Obrist, Ressortvorsteher Kultur, versteht die Forderung der Fiko. Weil bereits viel für eine Auslegeordnung gemacht worden sei, hätte er jedoch mehr Vertrauen in Stadtrat und Stiftung erwartet. Aus seiner Sicht würde ein Rückzug der Vorlage nur Zeit und zusätzliche Ressourcen bei der Verwaltung beanspruchen. Er weist darauf hin, dass man eine inhaltliche Diskussion über die angesprochenen Punkte nur im jetzigen Zeitpunkt führen könne, wenn der Antrag behandelt würde.

Es geht bei der Strategie darum, das Weiterbestehen der «Stiftung Langmatt Sidney und Jenny Brown» langfristig zu sichern. Stadtrat Erich Obrist: «Wenn wir nichts unternehmen, dann wird die Stiftung im Laufe der nächsten fünf bis zehn Jahre existenzielle Probleme erhalten.»

Zwar ist der Wert der Liegenschaft unbestritten, doch mit dem knapp bemessenen Stiftungskapital und bei den heutigen Geldanlagemöglichkeiten kann sich der Betrieb nicht länger halten. Bei der Strategie gehe es laut Obrist auch darum, die Langmatt mit Villa, Gartenanlage, Wohnmuseum und Kunstsammlung als öffentlich zugänglichen Ort mit Ausstellungsbetrieb zu positionieren, sodass man sich finanzielle Unterstützung von den Regionsgemeinden, Kanton, Bund und privater Seite erhoffen dürfe.