Wettingen
Langsame Handarbeit statt schnelle Schnappschüsse

Das Gluri-Suter-Huus zeigt eine Dreifach-Ausstellung mit Miroslav Šašek, drei Urban Sketchers, und Schülerinnen der Kantonsschule Wettingen, die ihre Welt zeichnend statt fotografierend festhalten. Die Werke sind noch bis Anfang Dezember ausgestellt.

Ursula Burgherr
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Dreifach-Ausstellung im Gluri-Suter-Huus
18 Bilder
Kurator Rudolf Velhagen bei seiner Vernissagenrede - flankiert vom Badener Stadtammann Markus Schneider (l.) und dem Wettinger Gemeindeammann Roland Kuster.
Neugierig werden die Zeichnungen der Urban Sketchers beaugapfelt.
Das Manifest und einige Zeichnungen der Urban Sketchers, die das Gluri-Suter-Huus bespielen.
Miroslav Šašek illustrierte Reisebücher für Kinder und hatte damit Welterfolg - im Gluri-Suter-Huus sind einige seiner Originalzeichnungen zu sehen.
Marian Beck, Zeichungslehrerin an der Kanti Wettingen initiierte das Urban Sketching- Projekt mit Schülerinnen und Schülern, die ihre Werke im Gluri-Suter-Huus zeigen.
Miroslav Šašek illustrierte Reisebücher für Kinder und hatte damit Welterfolg - Gluri-Suter-Huus sind einige seiner Originalzeichnungen zu sehen.
Gezeichnete Momentaufnahmen der Urban Sketchers, die im Gluri-Suter-Huus zu sehen sind.
Feine Details laden zum genauen Hinschauen ein.
Einige Werke von Urban Sketcher Olivia Aloisi.
Gezeichnete Momentaufnahmen der Urban Sketchers, die im Gluri-Suter-Huus zu sehen sind.
Gluri Suter Huus-Kurator Ruedi Velhagen mit Zeichnungslehrerin Marian Beck von der Kantonschule Wettingen.
Gezeichnete Momentaufnahmen der Urban Sketchers, die im Gluri-Suter-Huus zu sehen sind.
Die Urban Sketchers halten Momente mit Zeichenstift statt dem Handy fest.
Gezeichnete Momentaufnahmen der Urban Sketchers, die im Gluri-Suter-Huus zu sehen sind.
Stadtammann Markus Schneider (l.) übergibt das Originalschloss des Gluri-Suter-Huus, das lange Zeit in Badener Händen war, an den Wettinger Gemeindeammann Roland Kuster.
Stadtammann Markus Schneider (l.) erhält nach der Übergabe des Gluri-Suter-Huus-Originalschlosses von Roland Kuster als Gegengeschenk einen Grenzstein.
Stadtammann Markus Schneider (l.) übergibt das Originalschloss des Gluri-Suter-Huus, das lange Zeit in Badener Händen war, an den Wettinger Gemeindeammann Roland Kuster.

Dreifach-Ausstellung im Gluri-Suter-Huus

Ursula Burgherr

Der Petersplatz in Rom, die Palastwächter der englischen Queen, der Eiffelturm in Paris: Es sind die Wahrzeichen und oftmals auch etwas klischierten Eindrücke einer Stadt, die Kinderbuchautor Miroslav Šašek in den 50er- bis 70er-Jahren in seinen Reisebüchern für Kinder festhielt. «This is Paris» war der erste Band, den der gebürtige Tschechoslowake 1959 veröffentlichte. Und es folgten unzählige weitere über aller Herren Länder.

Šašeks gezeichnete Reiseführer machten neugierig auf das Fremde und waren ein Riesenerfolg. Im Gluri-Suter-Huus in Wettingen sind Erstausgaben und Originalzeichnungen des Illustrators und Cartoonisten ausgestellt, der wegen des kommunistischen Regimes von Prag nach Paris geflohen war und 1980 bei seiner in Wettingen wohnhaften Schwester verstarb.

Wie einst Šašek halten auch die Urban Sketchers die Umgebung mit ihren Stiften fest. Die weltweit aktive Zeichnergemeinschaft wurde 2007 gegründet. Drei davon, Eva Eder, André Sandmann und Olivia Aloisi, präsentieren im Gluri-Suter-Huus eigene Werke unter dem Motto «Die Welt zeigen, Zeichnung für Zeichnung». Durch das sekundenschnelle Knipsen haben viele die Fähigkeit verloren, ein Motiv richtig wahrzunehmen. «Wir urbanen Zeichner sind immer mit einem Skizzenbuch unterwegs, beobachten sorgfältig und geben fast reportagemässig wieder, was um uns herum geschieht. Das machen wir nicht mit Worten, sondern mit unseren visuellen Eindrücken», sagt Aloisi, die aus Baden stammt.

Die 48-Jährige ist von Beruf wissenschaftliche Zeichnerin. «Ausstellungen sind selten. Normalerweise tauschen wir uns online auf verschiedenen Plattformen aus», erzählt sie. Gluri-Suter-Huus-Leiter Rudolf Velhagen betont in seiner Vernissagen-Rede: «Das Schöne am Urban Sketching ist, dass alle mitmachen und ohne grosse Vorkenntnisse einfach loslegen können.»

Entschleunigen und beobachten

Der dritte Teil der aktuellen Ausstellung ist aus einer Zusammenarbeit des Gluri-Suter-Huus mit der Kantonsschule Wettingen entstanden. Olivia Aloisi hat mit Schülerinnen und Schülern den Wochenmarkt auf dem Rathausplatz besucht und sie dazu ermutigt, selber zu Urban Sketchers zu werden. Lehrerin Marian Beck ist vom Experiment genauso begeistert wie ihre Klasse. «Plötzlich legten alle ihre Smartphones auf die Seite und fingen an zu zeichnen. Diese künstlerische Entschleunigung tut gut. Dadurch wird auch die Wahrnehmung für die eigene Umgebung wieder geschärft.» Das Experiment mit der Kanti Wettingen wird fortgesetzt und die Ausstellung laufend mit aktuellen Zeichnungen aus weiteren Urban-Sketching-Sessions erweitert.

Die Vernissagen-Besucher der neuen Dreifach-Ausstellung wurden Zeugen eines historischen Moments. Der Badener Stadtammann Markus Schneider übergab das alte Originalschloss des Gluri-Suter-Huus feierlich dem Wettinger Gemeindeammann Roland Kuster. Lange Zeit war das antike Objekt im Besitz von Georg Schoop, dem einstigen Oberförster von Baden gewesen. Nun war der richtige Moment gekommen, um die «Schlüsselgewalt» wieder von Badener in Wettinger Hände zurückzugeben.