Es sind deutliche Worte, die Reto Huber wählt: «In der Stadtverwaltung läuft es zurzeit nicht rund.» Nach 11 Jahren politischem Engagement und diversen Gesprächen mit der Verwaltung ist sich der Fraktionspräsident der CVP Baden diesbezüglich sicher. Doch das ist nicht der einzige Grund, weshalb Reto Huber im Namen der CVP-Fraktion eine Anfrage zur Verwaltungsführung und Stadtratsorganisation an den Stadtrat eingereicht hat.

«Führung scheint weniger direkt»

«Im Zusammenhang mit dem damals geplanten Zusammenschluss mit Neuenhof sollte eine Analyse zur Verwaltungsführung Antwort geben, ob die gewachsene Führungsstruktur das richtige Modell ist, um den künftigen Herausforderungen der Stadt Baden seitens der Stadtverwaltung zu begegnen», sagt Huber. Die CVP-Fraktion würde vom Stadtrat gerne erfahren, was die Resultate dieser Analyse waren und welches Modell heute praktiziert werde, so Huber.

Ein zentraler Punkt der Anfrage sind die Stabsfunktionen der Verwaltung. «Früher war der Stadtammann – unterstützt durch den Stabsleiter – auch für Kommunikation und Personalführung verantwortlich. Heute haben wir mit Verwaltungsleiter, Personalverantwortliche und Kommunikationsleiterin diverse zusätzliche Funktionen.»

Die CVP möchte wissen, wo die Vor- und Nachteile dieses neuen Modells sind und wie sich die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern des Stadtrates mit den 19 Abteilungsleitern verändert hat. Dies nicht ohne Hintergedanken: «Die Führungsstruktur scheint weniger direkt und langsamer geworden zu sein», sagt Reto Huber. Dabei würden gerade herausfordernde Zeiten nach einer starken, direkten Führung verlangen. «In Baden scheint alles komplizierter zu werden.»

«Wie ist Stellvertretung geregelt?»

Generell will die CVP wissen, ob der Stadtammann die Geschäftsleitungsfunktion über die rund 300 Stadtangestellten mit ihren 19 sehr unterschiedlichen Abteilungen in erforderlichem Umfang wahrnehmen kann. Huber: «Wenn ich das heutige Organigramm anschaue, dann führt der Verwaltungsleiter die Abteilungsleiter, und nicht der Stadtammann!»

Die CVP möchte deshalb genau wissen, wie die Aufgabenteilung zwischen Stadtammann und Verwaltungsleiter geregelt ist. «Klar, wir haben in Baden sehr gute Abteilungsleiter. Doch es geht unserer Meinung nach nicht an, dass der Stadtammann die Abteilungsleiter nicht direkt führt.»

Weiter nimmt die CVP die Aufgabenteilung zwischen Stadtammann Müller und Vizeammann Markus Schneider unter die Lupe und will wissen, wie die Verwaltungsführung während der Abwesenheiten des Stadtammanns aufgrund seines Nationalrats-Mandates geregelt ist. Insbesondere die Kompetenzen und die Entschädigung der Stellvertretung sollen aufgezeigt werden.

Mit dieser Anfrage verknüpft die CVP auch ihre Sorge um die Attraktivität der Stadt Baden als Arbeitgeberin. «Als prosperierende Stadt kann in Baden auch auf Initiative der Mitarbeitenden der Verwaltung sehr viel realisiert werden.»

In Anbetracht der bevorstehenden knapperen Finanzen mit den damit angestrebten Kosteneinsparungen sowie der zunehmenden Informationsflut und Komplexität der Geschäfte werde diese Kultur aber stark unter Druck geraten, ist Huber überzeugt. «Wir möchten vom Stadtrat deshalb gerne wissen, wie er diese steigenden Herausforderungen an die Mitarbeitenden unterstützend begleiten will.»

Was sagt der Verwaltungsleiter?

Und wie beurteilt der Mann, der es wissen müsste, die jetzige Verwaltungsführung und Stadtratsorganisation? Verwaltungsleiter Patrick Schärer: «Die detaillierte Beantwortung der Anfrage wird durch den Stadtrat erfolgen. Grundsätzlich kann aber festgehalten werden, dass wir uns als Stadtverwaltung Baden in einem politisch-administrativen System bewegen.»

Die Stadtratsorganisation und die Aufgaben der Verwaltungsführung seien deshalb auch vergleichbar mit anderen städtischen Verwaltungen.