Freienwil
Lappalie oder Skandal? Warum ein Kastanienbaum einem Schützenfest weichen musste

Am Wochenende feierten die Schützen ihr 125-Jahr-Jubiläum. Um den rund 250 Gästen Platz zu bieten, wurde ein grosses Festzelt aufgestellt. Erschwert wurde dieses Unterfangen nur von einem herbstlichen Kastanienbaum – der von den feiernden Schützen kurzerhand gefällt wurde.

Martin Rupf
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Nur noch ein wenig Sägemehl unter dem Zelt zeugt vom Kastanienbaum, der vorher noch in herbstlichen Farben erstrahlte. MRU

Nur noch ein wenig Sägemehl unter dem Zelt zeugt vom Kastanienbaum, der vorher noch in herbstlichen Farben erstrahlte. MRU

Martin Rupf

Immer mehr Bürokratie, immer längere Behördenwege, Vorschriften an allen Ecken: Diese und ähnliche Kritik hört man immer öfters. Offensichtlich hat dieser Trend aber im beschaulichen Freienwil noch nicht Einzug gehalten.

Jüngstes Beispiel: Am Wochenende feierten die Schützen ihr 125-Jahr-Jubiläum. Um den rund 250 Gästen – darunter auch Bundesrat Ueli Maurer – genug Platz bieten zu können, wurde vor der Turnhalle ein Festzelt aufgestellt.

Das Problem: Dieses war etwas zu gross; einer der Kastanienbäume stand in der Quere. Was tun? Zelt verschieben. Geht nicht. Zelt woanders aufstellen? Geht nicht. Zeltstange modifizieren? Zu mühsam. Aber wieso so kompliziert. Schnell war die Motorsäge gezückt, wenig später zeugte nur noch ein wenig Sägemehl vom Kastanienbaum, der vorher noch in herbstlichen Farben erstrahlte.

Lappalie oder Skandal?

Nun, dass man in Freienwil die Dinge hemdsärmelig anzupacken pflegt, ist an sich nicht neu. Im Fall vom Gasthof «Weisser Wind» etwa ist das durchaus positiv zu bewerten. Doch für ein temporäres Festzelt einfach mir nichts, dir nichts einen Baum zu fällen, ist das noch verhältnismässig?

Gemeindeschreiber Felix Vögele kann die Frage nicht beantworten, er verweist an den OK-Präsidenten und ehemaligen Gemeindeammann Hanspeter Geissmann. Doch auch der ist überfragt – irgendwie verständlich, hat man sich doch als OK-Präsident um Wichtigeres zu kümmern als um eine Lappalie wie einen gefällten Baum. «Da kann ich wirklich nicht weiterhelfen. Ich weiss nur, dass der Baum im Weg stand und wegmusste.»

Also fragen wir Gemeindeammann Robert Müller. Dieser kennt sich schliesslich mit Bäumen bestens aus, pflegt und hegt er doch zusammen mit seiner Frau einen Obstgarten – vor allem Hochstammbäume – mit knapp 100 Sorten.

«Das mit dem Baum ist in der Tat bedauerlich», räumt Müller ein. Ob er denn letztlich die Erlaubnis zum Fällen gegeben habe? «Nein, die Bauleute haben in Eigenregie gehandelt und das Problem aus ihrer Sicht pragmatisch gelöst.» Er habe die Verantwortlichen denn auch ins Gebet genommen, denn so gehe das natürlich nicht. Gleichzeitig betont Müller: «Der Baum war aber nicht mehr bei allerbester Gesundheit und stand nicht mehr gut im Saft.»

Etwas Gutes hat der gefällte Baum aus Müllers Sicht vielleicht doch: Denn als Pate für einen neuen Baum konnte kein Geringerer als Bundesrat Ueli Maurer gewonnen werden. «Wenn wir den Setzling nicht zu einer unchristlichen Zeit pflanzen, will Maurer für das Setzen des Baums unserem Dorf nochmals einen Besuch abstatten.» Alt dürfte aber auch der neue Baum nicht werden. Denn schon in 25 Jahren steht das nächste Schützenfest an.

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