Baden
Lärm, Erbrochenes, Urin: Die «Kiste»-Jungs kontern die Party-Vorwürfe

Nachdem sich Altstadtbewohner in Baden über Partygäste beschwert haben, nehmen nun die Betreiber der «Kiste» Stellung. Sie kontern die Vorwürfe. Sie würden alles daran setzen, dass Stadtbewohner so wenig wie nur möglich unter den Partygästen leiden.

Sibylle Egloff
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Renato Binder, Marc Huber und Jorin Schmitz (v.l.) sorgen mit ihrem Baugesuch für Diskussionen. (Archiv)

Renato Binder, Marc Huber und Jorin Schmitz (v.l.) sorgen mit ihrem Baugesuch für Diskussionen. (Archiv)

Emanuel Per Freudiger

Die hitzige Diskussion um das nächtliche Treiben in der Altstadt geht weiter: Bis gestern kommentierten über 75 az-Leser den Artikel «Partygäste sorgen für Zündstoff». Die az-Umfrage, ob Clubs in Baden bis 6 Uhr morgens geöffnet sein sollen, hat ein klares Resultat ergeben.

75 Prozent der Umfrageteilnehmer wollen, dass die Öffnungszeiten für Clubs und Lokale ausgedehnt werden (Stand: Freitag, 22 Uhr). Viele Leser schlagen sich auf die Seite der «Kiste». «Baden hat kulturell nichts zu bieten ausser der ‹Kiste›», schreibt beispielsweise Thomas Steiner.

Ein anderer Leser hat das Gefühl, dass längere Öffnungszeiten eher mehr Ruhe in die Stadt brächten als umgekehrt. Bedenklich finden zudem einige, dass FDP-Politikerin Andrea Libardi eine nicht gerade liberale Haltung vertrete.

Die Einwohnerrätin erntet aber auch Zuspruch. «Saftige Bussen für Littering und viel frühere Schliessungen», fordert etwa Leserin Regula Hiltebrand.

Falsche Schlussfolgerungen

Die «Kiste»-Jungs wehren sich gegen die Vorwürfe von Einwohnerrätin Andrea Libardi und Altstadtbewohnerin Isabelle Wanner. Jorin Schmitz, einer der drei «Kiste»-Inhaber, meldet sich zu Wort: «Die Argumente der beiden Damen haben nichts mit unserem Club zu tun. Sie ziehen falsche Schlussfolgerungen.» Libardi drohe ihnen gar mit einer politischen Aktion.

«Wir fühlen uns angegriffen und beleidigt», sagt Schmitz, der seit vier Jahren mit Marc Huber und Renato Binder die «Kiste» führt. Sie hätten das Baugesuch für längere Öffnungszeiten nicht eingereicht, um den Lärm zu verstärken, sondern um ihn zu vermindern.

«Wir wollen die Stadt beleben und Leuten, die Lust zum Tanzen haben, die Möglichkeit geben, dies in Baden zu tun», zählt Schmitz ein weiteres Argument für das Gesuch auf. Ausserdem hat sich das Ausgehverhalten gewandelt. Die Leute gingen immer später aus und blieben folglich auch länger in den Clubs.

Dass nur ihre Partygäste für den Abfall, Erbrochenes und Urin vor Haustüren verantwortlich seien, weist Schmitz zurück. «Unsere Gäste dürfen keine Getränke aus dem Club mitnehmen. Unsere Sicherheitsleute sorgen dafür.»

Es gebe nicht mehr Müll, wenn das Lokal länger offenbliebe. Es seien nicht ihre Gäste, die den Dreck in der Innenstadt verursachen würden. «Zu uns kommt nicht nur junges Publikum. Wir haben auch Gäste, die fünfzig sind», erklärt Schmitz.

Die meisten «Kiste»-Besucher würden nicht durch die Altstadt zum Bahnhof laufen, sondern den direkten Weg durch das Manorparkhaus nehmen. «Wir haben nichts mit der Altstadt und den Altstadtpartys zu tun», beteuert er. Das gute Verhältnis mit der Stadt, Gewerbepolizei und dem Werkhof zeuge davon, dass sie einen guten Job machen würden.

Dass sie durch die zwei zusätzlichen Stunden ein besseres Geschäft machen würden, wie Libardi sage, stimme nicht. «Wir leben zu dritt von den Einnahmen der drei Tage, die wir pro Woche geöffnet haben und kämpfen dafür. Wir müssen etwas leisten, um die ‹Kiste› zu betreiben.»

«Kiste» sorgt für positives Image

Es sei nicht möglich, eine Stadt ruhig zu stellen. «Auch wenn es keine Clubs in Baden gäbe, würden trotzdem Angetrunkene existieren, die in der Altstadt lärmen, kotzen und Dreck machen», sagt Schmitz.

«Wenn Baden attraktiv bleiben will, müssen die Öffnungszeiten ausgedehnt werden», ist er sich gewiss. «Baden ist Bäder- und Kulturstadt und Elektro-Musik ist Kultur.»

Auch über die Kantonsgrenze hinaus erfreue sich die «Kiste» grosser Beliebtheit. Dies trage zu einem positiven Image Badens bei, so Schmitz. Andrea Libardi sei herzlich eingeladen, in der «Kiste» vorbeizukommen. «So kann sie sich ein echtes Bild von uns und unserem Club machen, damit sie zukünftig weiss, wovon sie redet.»