Baden
«Lebensgefährlich, unsicher, eng»: Velofahrer geben Stadt ungenügende Noten

Nach schlechtem Umfrageresultat sagt ein Velo-Lobbyist, wo sich Verbesserungen für Fahrradfahrer aufdrängen. Zum Beispiel brauche es überdachte und bewachte Veloparkplätze. Auch die Benützung der Busrampe zum Bahnhof West wäre «genial».

Pirmin Kramer
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Vor allem Kreuzungen wie der Schulhausplatz seien für Velofahrer nicht einfach zu passieren, kritisiert ein Experte.AZ/Archiv

Vor allem Kreuzungen wie der Schulhausplatz seien für Velofahrer nicht einfach zu passieren, kritisiert ein Experte.AZ/Archiv

Wie velofreundlich ist Baden, welche Note hat die Stadt verdient? Diese Frage haben Besucher des Historischen Museums beantwortet, wo eine Ausstellung zum Thema Velo stattfand.

Jetzt steht die Gesamtnote fest: 3–4.

Rund 100 Besucher machten bei der Umfrage mit. «Lebensgefährlich, unsicher, eng» – so oder ähnlich hätten die Besucher offen und direkt ihre Meinung kundgetan, heisst es in einem Communiqué. «Der Wunsch nach Verbesserungen des Badener Veloverkehrs ist gross. Sei es am Schulhausplatz, auf der Römerstrasse oder in Richtung Obersiggenthaler Brücke.» Eine Besucherin verglich Velofahren im städtischen Autoverkehr mit russischem Roulette. Weitere Kritikpunkte: Radstreifen, die im Nichts enden und zur Weiterfahrt auf dem Trottoir zwingen, sowie der Mangel an Veloabstellplätzen.

Jürg Meier, Vizepräsident von Pro Velo Region Baden und Einwohnerrat in Wettingen: «Ich würde der Velostadt Baden keine ungenügende Note erteilen. Man muss positiv würdigen, dass entlang der Hauptverkehrsachsen wie etwa der Bruggerstrasse mittlerweile durchgehende Radstreifen existieren.» Dennoch gebe es viel Verbesserungspotenzial. Vor allem Kreuzungen seien für Velofahrer nicht einfach zu befahren, beispielsweise der Schulhausplatz. «Wir setzen uns darum dafür ein, dass bei der Neugestaltung des Schulhausplatzes noch Verbesserungen für die Velofahrer zustande kommen.»

Busrampe für Velofahrer?

Was fehlt Baden für eine bessere Note? Jürg Meier erklärt: «Es bräuchte moderne Veloparkplätze. Derzeit gibt es zwar etwa am Bahnhof überdachte Veloständer, doch wir plädieren für eine überwachte Velostation, in der man das Fahrrad einschliessen kann, um Diebstähle und Beschädigungen verhindern zu können.» Eine weitere Vision der Velo-Lobby: «Es wäre genial, wenn Velofahrer die Busrampe von der Bruggerstrasse zum Bahnhof West benutzen dürften.»

Seit einem Jahr steht Geri Müller an der Spitze der Stadt – kann sich die Velo-Lobby beim grünen Nationalrat mehr Gehör verschaffen als bei Vorgänger Stephan Attiger (FDP)? «Es wäre naiv zu glauben, dass sich mit der linkeren Regierung nun von einem Tag auf den anderen Verbesserungen für die Velofahrer ergeben», sagt Jürg Meier. «Aber wir haben unsere Anliegen bei den Verantwortlichen deponiert.»

Auch Pro Velo Schweiz machte 2010 eine Umfrage zur Velofreundlichkeit der Schweizer Städte. Dort erhielt Baden die Note 4,125. Positiv bewertet wurden unter anderem die Punkte «Weg-Weisung», «Anzahl Radstreifen» und «Rechtsvorbeifahrt Autokolonne»; Abzug gab es bei der Umfrage in den Rubriken «Schneeräumung», «Konflikte mit Fussgängern» und «Abstellanlagen». Diesen Frühling wird ein neues Städteranking veröffentlicht.