Baden
Leere Schaufenster: Aber City Com und Stadt können nur beschränkt etwas dagegen tun

«Leere Läden sind nicht besonders sexy», sagt Michael Wicki, Geschäftsführer der Badener Gewerbe- und Detaillisten-Vereinigung City Com Baden. Einfach wird die Lösung dieses Problems aber kaum.

Andreas Fahrländer
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Prêt-à-porter: Die «s.Oliver»-Filiale an der Badstrasse ist Geschichte. Ein Nachmieter sei schon gefunden, teilt Globus mit. Alex Spichale

Prêt-à-porter: Die «s.Oliver»-Filiale an der Badstrasse ist Geschichte. Ein Nachmieter sei schon gefunden, teilt Globus mit. Alex Spichale

Alex Spichale

Die Tatsache, dass in Baden derzeit rund ein Dutzend Ladenlokale leersteht, erregt die Gemüter. Den entsprechenden Artikel in der «Schweiz am Wochenende» vom vergangenen Samstag kommentierte der Obersiggenthaler Einwohnerratspräsident Christian Keller unter anderem so: «Zu viele Modeketten mit austauschbarem Angebot, zu wenig Vielfalt an Detaillisten und Fachgeschäften, die sich das teure Pflaster nicht mehr leisten können.» Die teuren Mieten vertreiben tatsächlich viele kleinere Fachgeschäfte aus der Innenstadt. Mittelweile ziehen sich aber auch grössere Unternehmen wieder aus Baden zurück.

«Ich wäre froh, wir hätten keine leeren Schaufenster in der Innenstadt.» Michael Wicki, Geschäftsführer City Com Baden

«Ich wäre froh, wir hätten keine leeren Schaufenster in der Innenstadt.» Michael Wicki, Geschäftsführer City Com Baden

Alex Spichale

Michael Wicki, Geschäftsführer der Badener Gewerbe- und Detaillisten-Vereinigung City Com Baden, sagt zum Leerstand: «Ich wäre froh, wir hätten keine leeren Schaufenster. Das wirkt nicht besonders sexy in der Innenstadt.» Er hoffe sehr, dass die leerstehenden Geschäfte rasch wieder belebt werden. «Und ich hoffe, es gibt einen guten Ladenmix – und nicht zu viel vom Gleichen», sagt Wicki. Er sei enttäuscht, dass das Neubauprojekt «Metropol» des Unternehmers Dölf A. Köpfli an der Badstrasse verschoben wurde. «Es wäre ein tolles Projekt gewesen, gerade auch mit dem geplanten Bistro. Jetzt wartet die Badstrasse wieder», sagt Wicki.

Es sei nicht einfach für die City Com, neue Geschäfte nach Baden zu holen. «Wir machen Werbung für den Standort Baden, Hand in Hand mit dem städtischen Standortmarketing», sagt Wicki. Diese Zusammenarbeit funktioniere sehr gut und sei ein Glücksfall. «Wir holen mit unseren Anlässen die Kunden in die Stadt. Wenn die Kunden kommen, kommen auch die Geschäfte nach Baden», sagt Wicki. Der Einfluss der City Com auf den Ladenmix sei aber beschränkt. Die grösseren Unternehmen würden allein nach Kundenfrequenzen entscheiden, ob sie einen Standort eröffnen oder nicht. Das laufe immer über das Portemonnaie. Man suche zwar den Kontakt mit den Immobilienverwaltungen und den Hausbesitzern. Aber wenn diese nicht ortsansässig sind, sei es oft schwierig, zu vermitteln.

«Jeder Laden, der nicht neu besetzt wird, tut weh.» Markus Schneider, Stadtammann

«Jeder Laden, der nicht neu besetzt wird, tut weh.» Markus Schneider, Stadtammann

zvg

Michael Wicki glaubt nicht, dass die Badener Innenstadt übersättigt sei an Ladenflächen. Er findet, je mehr Geschäfte es in Baden gebe, desto besser. Dass es ein Überangebot an freien Ladenlokalen gäbe, glaubt auch Stadtammann Markus Schneider nicht, der von Amts wegen für die Stadtentwicklung zuständig ist. Er sagt aber: «Wir merken, wie wichtig es ist, dass es Läden mit einer guten Aussenwirkung gibt in der Stadt.» Es sei für die Kunden ein grosser Unterschied, ob es Käseläden, eine Metzgerei oder Bäcker in der Stadt gebe, oder nur Erdgeschosse mit Dienstleistern und Büros mit wenig Kundenbindung: «Das gibt einen ganz anderen Bezug zum öffentlichen Raum.»

Und Schneider sagt: «Jeder Laden, der nicht neu besetzt wird, tut weh.» Das Standortmarketing versuche zu vermitteln bei Neuvermietungen. Die Stadt sei aber letztendlich auf die Hausbesitzer angewiesen. «Wir können nicht alle Ladenlokale selbst kaufen und vermieten». Aber man pflege den Kontakt mit den Gewerbetreibenden – unter anderem mit den regelmässig stattfindenden Stammtischen.

Schild geht, Globus kommt

Morgen eröffnen in Baden zwei neue Modefachgeschäfte: Das ehemalige Modehaus Schild am Schlossbergplatz wird zu einem Damenmodegeschäft unter dem Namen Globus. Der ehemalige Herren Globus an der Badstrasse firmiert (wie alle Filialen in der Schweiz) neu ebenfalls unter der Marke Globus. Vom 22. bis zum 24. März wird in beiden Geschäften Neueröffnung gefeiert. Bis dahin werden noch kleinere Arbeiten erledigt, wie die zur Migros gehörende Muttergesellschaft «Magazine zum Globus» mitteilt. In beiden neuen Fachgeschäften soll es einen «hochstehenden, persönlichen Service und ein erweitertes Sortiment» geben, das digital mit dem Globus-Onlineshop verbunden sei. Sprich: Im Laden wird persönlich beraten, bestellen kann die Kundin oder der Kunde aber auch online. Neben der Mode werden neu auch Beauty- und Haushaltsprodukte aus dem Globus-Sortiment angeboten. Mit dem Verschwinden der Marke Schild endet wie in vielen Schweizer Städten auch in Baden eine Ära: Das Modehaus eröffnete seine erste Badener Filiale 1927. Schild betrieb zuletzt als Franchisenehmerin auch die Geschäfte s.Oliver, Calzedonia und Intimissimi an der Badstrasse. Die Letzteren wird die Globus-Gruppe weiterbetreiben. Die s.Oliver-Filiale im Haus zum Salmen ist dagegen bereits geschlossen. Die Mitarbeiter werden von Globus weiterbeschäftigt. (AF)

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