Baden
Leerstehende Läden in der Stadt: Vertreiben teure Parkplätze die Kunden?

Leere Schaufenster an der Weiten Gasse und an der Badstrasse: In der Innenstadt in Baden stehen zahlreiche Läden leer. Die Stadt sei für Autofahrer als Einkaufsort zu wenig attraktiv, lautet eine Erklärung für leerstehende Läden.

Pirmin Kramer, Andreas Fahrländer
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Die Parkgebühren in Badens Innenstadt sind im vergangenen Jahr erhöht worden.

Die Parkgebühren in Badens Innenstadt sind im vergangenen Jahr erhöht worden.

Pirmin Kramer

Mittwoch, 15.05 Uhr, Stadtturmstrasse in Baden: Die Parkuhr ist abgelaufen, der Kontrolleur klemmt eine 40-Franken-Busse unter den Scheibenwischer eines Volvos. Den ganzen Tag schon, mit Ausnahme kurzer Pausen, überprüft er die Parkfelder in der Innenstadt. Zwischen 35 und 70 Bussen verteilt er pro Tag.

Weil derzeit viele Ladenlokale leerstehen und Gewerbe und Politik über die Attraktivität der Einkaufsstadt diskutieren, wird nun auch die Parkplatz- und Bussenpolitik der Stadt zum Thema. Die Badener CVP-Grossrätin Marianne Binder schrieb diese Woche in einem Leserbrief: «Hört man sich in den Badener Läden und Restaurants um, klagen die Kunden wie teuer es sei, in Baden zu parkieren. Wenn man bedenkt, mit welchen Schwierigkeiten und Umsatzeinbussen das Gewerbe der Innenstadt durch den Umbau des Schulhausplatzes seit mehr als drei Jahren kämpft, sollte die Stadt nicht noch Parkplatzgebühren erheben, die sich knapp mit denjenigen von Manhattan messen lassen.»

Parkgebühren wurden erhöht

Mit New York, wo die Miete eines Parkplatzes pro Monat schnell 1000 Franken kostet, hinkt der Vergleich zwar, doch Tatsache ist: Im Februar vor einem Jahr hat die Stadt die Gebühren bei Einzel-, Sammel- und zentralen Parkuhren erhöht. Teils wurden die Ticketpreise um die Hälfte angehoben, teils aber auch verdoppelt, zum Beispiel in der Aue oder im Stohlergut. Die höheren Tarife haben ihre Wirkung nicht verfehlt: Die Erträge der offenen Parkplätze sind 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent auf neu 1,22 Millionen Franken angestiegen. Hinzu kommen Parkgebühren von 3,05 Millionen Franken von den Parkhäusern.

Umfrage: Was sagen Sie zu den Preisen der Parkplätze in der Stadt Baden?

Peter Schmid, Nussbaumen «Ich finde die Preise angemessen. Im Laufe der Jahre ist es nie viel teurer geworden. Ich kann mich nicht beschweren.»
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Velibor Cvorović, Birr «Die Parkplätze sollten günstiger sein. Baden hätte dann vielleicht auch mehr Besucher. Ich komme jetzt viel weniger.»
Quynh Tran, Gebenstorf «Eigentlich sind die Preise okay. Was mich stört, sind die Bussen. Sie werden viel zu schnell verteilt und sind zu teuer.»
Barbara Göring, Baden «Die Preise sind viel zu hoch. Es stört mich richtig. Deshalb fahren wir jetzt nach Spreitenbach zum Einkaufen.»
Hanspeter Kägi, Baden-Rütihof «Die Parkpreise sind völlig überteuert, eine richtige Abzocke ist das. Aus diesem Grund fahre ich auch seltener in die Stadt.»
Jonathan Schmid, Killwangen «Für mich sind die Preise heftig. Ich bin in der Ausbildung und kann durch die Parkkosten mein Auto wenig nutzen.»

Peter Schmid, Nussbaumen «Ich finde die Preise angemessen. Im Laufe der Jahre ist es nie viel teurer geworden. Ich kann mich nicht beschweren.»

pkr

Marianne Binder sagt: «Die Frage muss doch sein: Wie bringen wir die Leute dazu, in Baden einzukaufen?» Wenn man die Stadt als Einkaufsstandort fördern wolle, müsse man innovativ sein. Binder könnte sich vorstellen, dass einen kleinen Gutschein für die Parkgebühren erhält, wer in der Stadt einkauft. In Baden geschehe seit einiger Zeit eigentlich das Gegenteil: Die Parkuhren würden unglaublich intensiv kontrolliert. Es gehe nicht darum, in der Stadt gratis zu parkieren, aber: «Es ist einfach nicht gastfreundlich, wenn permanent kontrolliert wird.»

Viele Leute würden dann halt nach Wettingen fahren zum Einkaufen oder nach Spreitenbach, wo die Parkplätze wesentlich günstiger sind. «Baden ist doch eine schöne Stadt und das Gewerbe ist ja nicht untätig», sagt Marianne Binder. «Aber etwas mehr Geschäftssinn und Gastfreundlichkeit vonseiten der Stadt wären wünschenswert.»

Ganz anderer Meinung ist Badens Verkehrspolitiker Jürg Caflisch (SP). Er befürwortet die Parkplatzpolitik der Stadt und sagt: «Die Parkgebühren sind nicht in Baden zu hoch, sondern beispielsweise in Spreitenbach deutlich zu tief», findet er. Und er kritisiert die Innenstadt-Vereinigung der Badener Detaillisten (City Com): «Noch immer hat sie es nicht geschafft, einen Hauslieferdienst auf die Beine zu stellen, wie es ihn beispielsweise in Aarau schon längst gibt.» Ein solches Angebot würde auch die Frage nach Parkplätzen und deren Höhe etwas in den Hintergrund treten lassen, ist Caflisch überzeugt.

Diese Lokale stehen zurzeit leer:

Leere Schaufenster in Baden, Februar 2018 Am Bahnhofplatz wird die Gelateria Mona Lisa umgebaut – hier zieht zum Frühlingsanfang wieder ein Eiscafé ein.
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Hier am Brenntweg 1 war während 30 Jahren die Stoffzentrale Zuhause, die unterdessen an der Weite Gasse 10 ist.
Leere Schaufenster in Baden
Der Unterwäscheladen Perosa zog Anfang Oktober von der Badstrasse 27 ins gegenüberliegende Haus an der Badstrasse 32.
Im vergangenen Februar zog der Steinladen La Pierre nach 24 Jahren an der Badstrasse 27 an die Weite Gasse 16. Hier entsteht bald ein neues Nagelstudio.
Im Haus zum Salmen an der Badstrasse 20, wo das Restaurant Da Franco stand, hat Schild seit 2013 eine Filiale der Marke «s.Oliver» betrieben.
Auf den Grundstücken an der Badstrasse 25-29 und am Brenntweg 1 wollte der Unternehmer Dölf A. Köpfli eigentlich ein Neubauprojekt namens «Metropol» errichten. Daraus wird vorläufig nichts.
Der ehemalige «Schild» am Schlossbergplatz wird gerade zu einem «Globus»-Kleidergeschäft umgebaut.
Im ehemaligen Lokal des Coiffeurs Wörndli an der Rathausgasse 20 zieht möglicherweise ein asiatischer Take-away ein.
Hier an der Weiten Gasse war früher das Reformhaus.
An der Weiten Gasse 32 zieht bald Kovats-Optik ein.
An der Weiten Gasse 14 war Chicorée Best Price eingemietet.

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Alex Spichale