Wettingen
Legat Ricklin: Wie ein Sanitär zum Mäzen wurde

In der Galerie im Gluri Suter Huus in Wettingen wird erstmals das Legat von Karl und Theresia Ricklin gezeigt. «Stuhl mit Blumen» gehört zu den bedeutendsten Kunstwerke der Sammlung.

Dieter Minder
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Vizeammann Antoinette Eckert sowie Galerie-Leiter Rudolf Velhagen (links) und Kultursekretär Hansueli Trüb bei der Präsentation der Kunstwerke des Legats Karl und Theresia Ricklin.

Vizeammann Antoinette Eckert sowie Galerie-Leiter Rudolf Velhagen (links) und Kultursekretär Hansueli Trüb bei der Präsentation der Kunstwerke des Legats Karl und Theresia Ricklin.

Aargauer Zeitung

Mit Werken der Wettingerin Ilse Werner wurde die Galerie Gluri Suter Huus 1972 eröffnet. 44 Jahre später ist am selben Ort eines ihrer bedeutendsten Bilder, «Stuhl mit Blumen», zu bewundern. Dieses ist Teil des Legats Ricklin, das die Gemeinde 2014 erhielt und jetzt erstmals öffentlich gezeigt wird. Karl (verstorben 2000) und Erika Theresia (verstorben 2013) haben ihre Kunstsammlung der Gemeinde vermacht. Die beiden hatten, von 1979 bis 1995, das von Karls Vater 1931 gegründete Sanitärunternehmen an der Seminarstrasse gleitet. Seit 2011 führt Beat Hofmann das Unternehmen.

«Aussergewöhnliche Schenkung»

«Das ist eine aussergewöhnliche Schenkung und eine Bereicherung der Wettinger Kunstsammlung», betont Galerieleiter Rudolf Velhagen. Er hat 23 Werke ausgewählt und zu einer spannenden Ausstellung zusammengefasst. «Ich habe die Bilder so aufgehängt, dass die verschiedenen Künstler untereinander in einer Beziehung stehen.» Dabei sind einige Werke direkt mit der Wettinger Kunstszene verbunden.

Velhagen weist noch auf eine andere Stärke der Sammlung hin: «Man spürt, sie ist aus einem Guss.» Das Ehepaar Ricklin erwarb, was ihm gefiel. Dabei verweist Velhagen auf die jeweils eigenständigen Bildsprachen: «Wir haben Bilder, die vom Expressionismus beeinflusst sind, aber auch kubistische Elemente sind erkennbar.»

«Man spürt die Kontakte, die das Ehepaar zu den Künstlern pflegte», sagt Velhagen. Die Ricklins gehörten zum Freundeskreis des Bildhauers Eduard Spörri. «Durch Eduard Spörri lernten sie viele andere Künstler wie Walter Huser, Ilse Werner oder Kurt Hediger kennen», sagt Vizeammann Antoinette Eckert, zu deren Ressort die Galerie gehört. Diese waren eine Art Familie für das Ehepaar, das selber keine Nachkommen hatte. Karl Ricklin gilt als facettenreicher Mann.

So stellte er, neben seinem Beruf, Kochbücher zusammen und engagierte sich für die Gemeinde. Er war in mehreren Kommissionen tätig, unter anderem zehn Jahre in der Kunstkommission, der Vorgängerin der heutigen, von Eckert geleiteten Kulturkommission.

Kunstwerk: «Stuhl mit Blumen» Das Bild «Stuhl mit Blumen» (Öl auf Leinwand, 67 x 45 cm) der in Wettingen und den USA tätigen Künstlerin gilt als bedeutendstes Bild der Sammlung Ricklin.

Kunstwerk: «Stuhl mit Blumen» Das Bild «Stuhl mit Blumen» (Öl auf Leinwand, 67 x 45 cm) der in Wettingen und den USA tätigen Künstlerin gilt als bedeutendstes Bild der Sammlung Ricklin.

Aargauer Zeitung

Verbindungen zwischen Kunstwerken

Für die Betrachter ist keine einfache Ausstellung entstanden. «Viele Werke stehen in einer Beziehung zueinander.» Aber diese Zusammenhänge zu entdecken seien eine anspruchsvolle Herausforderung. Die Verbindungen zu den heimischen Künstlern beginnen bereits mit der Bronzefigur, die Velhagen direkt neben dem Eingang in den Ausstellungsraum platzierte. Es handelt sich um eine Frau, «Auf dem Felsen», des Künstlers Walter Huser.

Wie Spörri hatte Huser sein Atelier an der Bifangstrasse, die heute als Kulturmeile der Gemeinde gilt. Im Bereich der Bifangstrasse stehen neben dem Gluri Suter Huus auch das Spörri Museum, das Atelier von Walter Huser und das Atelier von Cesco Peter. Seine Bronzefigur «Wandersmann mit Stab» bildet eine Art Kontrapunkt zu Husers Figur.

Vernissage am Sonntag

Zwei Ausstellungen werden am Sonntag, 13. März, um 11 Uhr in der Galerie Gluri Suter Huus an der Bifangstrasse in Wettingen eröffnet. Die Werke aus dem Legat Ricklin sind im Erdgeschoss zu sehen. Diese Ausstellung dauert vom 13. März bis 24. April und vom 29. Mai bis 26. Juni. Die Ausstellung «Next Stop» ist jungen Künstlern gewidmet. Die Werke werden bis zum 24. April in den Obergeschossen gezeigt. (DM)

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