Was hat der grösste Spielzeugkonzern der Welt mit der Stadt Baden zu tun? Einiges: In den letzten zwei Jahren haben die Erben des dänischen Spielzeugherstellers Lego viel Geld in Baden investiert. Ihr Immobilienunternehmen Kirkbi Real Estate hat die ehemaligen ABB-Gebäude an der Haselstrasse 18 und am Kreuzweg 11 am Trafoplatz gekauft.

«Der Kauf und die Renovation der Gebäude in Baden war für uns eine bedeutende Investition», sagt Bruno Koller, Portfoliomanager bei der Schweizer Niederlassung von Kirkbi in Baar. Wie viel die beiden Gebäude gekostet haben, teilt das Unternehmen nicht mit. Aber: «Wir haben uns ganz bewusst für diese Investition entschieden, weil wir an den Standort Baden glauben.» Wie die «Handelszeitung» diesen Monat schrieb, gehört die Deutschschweiz zu den «strategischen Orten» der Lego-Erben.

Hinter Kirkbi steht die Familie von Kjeld Kirk Kristiansen. Der 71-jährige Enkel des Lego-Erfinders Ole Kirk Kristiansen war bis 2004 CEO von Lego. Heute ist er Präsident des familieneigenen Vermögensverwalters Kirkbi, das 75 Prozent am Lego-Konzern hält. Das Finanzmagazin Forbes schätzt Kristiansens Vermögen derzeit auf 4,7 Milliarden Dollar. Er und seine Kinder investieren schon längst nicht mehr nur in farbige Bauklötzchen.

Ein neues Café am Trafoplatz

Die Investition in Baden ist für den Wirtschaftsstandort ein Glücksfall. Im Haus an der Haselstrasse eröffnet Ansaldo Energia Schweiz nächsten Donnerstag einen neuen Hauptsitz. Das ist keine Selbstverständlichkeit: Weil das Unternehmen aus den alten ABB-Pavillons an der Römerstrasse ausziehen musste (hier entstehen Wohnungen), war lange unklar, ob Ansaldo in Baden bleiben kann. Die Tochterfirma des italienischen Stromkonzerns übernahm 2016 das Gasturbinengeschäft von Alstom in Baden. Beim Gebäude an der Haselstrasse handelt es sich um das ehemalige Zentrallabor der Brown, Boveri & Cie. Es wurde 1956 vom Zürcher Architekten Roland Rohn entworfen und steht unter städtischem Denkmalschutz. Kirkbi Real Estate hat es seit dem Kauf vor einem Jahr aufwendig saniert und die schützenswerte Fassade wieder dem Originalzustand angeglichen. Ansaldo belegt hier ab Anfang Mai die gesamte Bürofläche von 7000 Quadratmetern.

Das ehemalige ABB-Gebäude am Kreuzweg 11 gehört seit dem Sommer 2017 ebenfalls zu Kirkbi Real Estate. Das Haus wurde 1928 als Kleinmechanik-Halle der BBC gebaut und Ende der 1980er-Jahre aufgestockt. Bis letztes Jahr war hier die Finanzabteilung von ABB Schweiz. Heute ist das sechsstöckige Gebäude ein gemischtes Geschäftshaus, Kirkbi hat auch hier viel Geld investiert. Rund die Hälfte der Büroflächen ist mittlerweile belegt. Im Obergeschoss ist das Badener IT-Unternehmen Avectris eingemietet. Das Untergeschoss wurde soeben neu vermietet. «Die Räume werden ihren industriellen Touch behalten», sagt Koller. «Es wird eine gute, durchmischte Nutzung geben.» Hier ziehen ein Reisebüro und ein neues Café mit einer kleinen Gartenwirtschaft auf dem Trafoplatz ein, wie Koller verrät.

Enge Verbindung zur Schweiz

Der Hauptsitz von Kirkbi liegt wie jener von Lego im dänischen Billund in Jütland. In Baar im Kanton Zug hat das Unternehmen seit Jahren eine Niederlassung. Die Verbindungen der Familie Kristiansen zur Schweiz und zu Baar sind alt: Hier entstand 1968 ein Produktionsstandort von Lego. Bis 2005 wurden hier zeitweise 30 Prozent aller Legosteine für den Weltmarkt hergestellt. Heute befindet sich noch ein Teil des Vertriebs in der Schweiz. Die Familie Kristiansen ist unter anderem auch mit 15 Prozent am Schweizer Stromtechnikkonzern Landis + Gyr beteiligt.

Insgesamt besitzt Kirkbi laut der «Handelszeitung» 25 Immobilien im Wert von umgerechnet rund 1,1 Milliarden Franken. Die Häuser stehen in der Deutschschweiz (dazu zählt auch das Hotel Valbella Inn in Lenzerheide-Valbella), in Kopenhagen, London, München und Hamburg. An diesen fünf Standorten will das Familienunternehmen auch in Zukunft in Immobilien investieren.

Das gilt auch für Baden: «Wir können uns durchaus vorstellen, hier weiter zu investieren», sagt Bruno Koller. Zuerst steht nächste Woche aber mit der Eröffnung des neuen Ansaldo-Standorts ein freudiges Ereignis an. Die Niederlassung an der Haselstrasse ist eine Win-win-Situation für Kirkbi, für Ansaldo – und nicht zuletzt eben für den Wirtschaftsstandort Baden.

Historische Bilder von Baden: