Fall Baden

Lehrer-Entlassung: Auch an anderen Schulen wird im Turnen gefilmt – Schwimmen gilt als Tabu

Schwimmende Kinder dürfen auch im Unterricht nicht gefilmt werden

Schwimmende Kinder dürfen auch im Unterricht nicht gefilmt werden

Nicht nur in Baden, auch an anderen Bezirksschulen in der Region wird im Turnen gefilmt. Einwilligungen sind nicht überall Voraussetzung.

An der Bezirksschule Mellingen werde das Mittel von Filmaufnahmen im Turnunterricht nur punktuell genutzt, wie Schulleiter Stefan Lüpold erklärt. Grundsätzlich gelte für die ganze Schule: Ohne Einwilligung darf nicht gefilmt werden. Die Sportlehrer würden den Einsatz einer Filmkamera frühzeitig mündlich ankündigen und dann direkt vor dem Einsatz bei den Jugendlichen nochmals das Einverständnis abholen. «Zudem können die Schüler ‹ihren› Film direkt nach dem Einsatz sehen und allenfalls eine Löschung verlangen», so Lüpold.

Im Schwimmunterricht sei der Einsatz von Kameras komplett untersagt. Das Filmen im Turnunterricht und anderen Lektionen wolle man in Zukunft noch klarer reglementieren und noch genauer aufzeigen, was mit den Daten passiert und wo und wie lange sie aufbewahrt werden, erklärt Lüpold.

Samuel Kern, Geschäftsleiter der Schule Wettingen, sagt, dass der Artikel über den entlassenen Lehrer an der Bezirksschule Baden einige Reaktionen und Unsicherheiten ausgelöst habe. «Auch unsere Sportlehrer benutzen hin und wieder das iPad, um für Schulungszwecke Filmaufnahmen zu machen. Weil die Filme nur intern verwendet und nach der Auswertung sofort gelöscht werden, haben wir bis jetzt keine Einwilligung für das Filmen im Sportunterricht eingeholt», sagt Kern. Dies im Gegensatz zu Fotos etwa von Schullagern, die unter Umständen auf der Schulwebsite aufgeschaltet werden. «Hier holen wir von den Eltern und Schülern bei Schuleintritt das Einverständnis ein. Wird dieses nicht erteilt, müssen wir penibel darauf achten, dass diese Schüler nicht fotografiert werden.» Auf gar keine Fälle würden die Fotos mit den Namen der Schüler versehen, damit keine Verbindung zum Individuum hergestellt werden könne.

Laut Kern wolle man künftig auch für das Filmen im Turnen das Einverständnis einholen. Aber: «Die Thematik von Foto- und Filmaufnahmen wird immer komplexer. Mit nur noch mehr Regeln und Richtlinien wird man dem Problem nicht Herr. Vielmehr braucht es einfach gegenseitigen Respekt und eine klare Haltung.» Im Schwimmunterricht werde übrigens nicht gefilmt, da dieser nicht obligatorisch sei und deshalb auch nicht benotet werde.

Samuel Kern weist auch darauf hin, dass nicht nur das Filmen und Fotografieren durch Lehrer ein Thema sei. So hätten Schüler auch schon Lehrer im Unterricht gefilmt. «Aus diesem Grund gilt für das ganze Schulareal: Handys sind auszuschalten und bleiben in der Schultasche.»

Keine kritischen Rückmeldungen

«Bei uns im Turnunterricht wird nicht regelmässig gefilmt», sagt Roger Stiel, Schulleiter der Bezirksschule Spreitenbach. Wenn dann doch mal für einzelne Projekte zur Kamera gegriffen werde, dann sei das Einverständnis der Schüler und ihrer Eltern einzuholen. «Wichtig ist immer, dass wir den Schülern und Eltern genau aufzeigen, für welche Zwecke die Aufnahmen gemacht werden. Bisher hatten wir keine entsprechenden kritische Rückmeldungen von Schülerinnen, Schülern oder Eltern.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1