«Halt», ruft Dustin und drückt den Schülern, die gerade die Werkstatt betreten haben, eine Schutzbrille in die Hand. Um die Augen vor herumfliegenden Metallspänen zu schützen, wie der Polymechaniker-Lehrling erklärt. Ein paar Meter weiter beobachten die Oberstufenschüler gespannt, wie Dustins Kollege Serge die CNC-Maschine bedient, während im Hintergrund die Fräswerkzeuge tosen. «Was ist das für eine Flüssigkeit, die von innen an die Scheiben spritzt?», will einer der Schüler wissen. «Sie kühlt und schmiert die Maschine und das Teilchen, das gerade hergestellt wird», antwortet Serge.

Die Schüler konnten nicht nur angehenden Polymechanikern über die Schulter schauen: An der ersten Badener Berufs- und Weiterbildungsmesse stellten Lehrlinge aus unterschiedlichen Berufsfeldern wie Informatik, Elektronik, Gastronomie oder Automobil-Mechatronik ihren Ausbildungsalltag vor. Organisiert wurde die zweitägige Messe vom Bildungsnetzwerk Baden, an dem sich die wichtigen Bildungsinstitutionen der Stadt beteiligen. Das Ziel: Die verschiedenen Berufe einer breiten Bevölkerungsschicht vorstellen. Man müsse viel Energie investieren, um genügend Lehrlinge zu finden, sagt Roland Huber, Standortleiter des Ausbildungsverbundes Libs in Baden. «Das Angebot an Ausbildungsmöglichkeiten für die Schüler ist heute viel grösser», sagt er und ergänzt: «Zudem gibt es immer weniger Schulabgänger.»

Ein Stockwerk über den Polymechanikern werden die Konstrukteure ausgebildet. «Das ist ein Stirlingmotor», erklärt Nikoleta ein paar Schülern. Sie ist im zweiten von insgesamt vier Lehrjahren. «Hier auf der einen Seite wird die Luft im Reagenzglas erhitzt, damit sie sich ausdehnt und den Kolben bewegt», führt sie weiter aus. Nur wenige Frauen entscheiden sich wie Nikoleta für einen technischen Beruf. «Ich machte eine Schnupperlehre und merkte sofort, dass mir dieser Beruf gefällt», erzählt sie. Sind technische Berufe typische Männerberufe? «Keineswegs», meint Huber. «Die Frauen verfügen über dasselbe technische Verständnis und Vorstellungsvermögen wie die Männer.» Nur müsse man bereits in der Unterstufe den Mädchen vermitteln, dass sie diese Berufe genau so gut ausüben könnten wie die Männer.

Weniger technisch zu und her geht es im Schulhaus Martinsberg, wo Coiffeure, Restaurationsfachleute oder Köche ausgebildet werden. Leise und konzentriert bearbeiten die Koch-Lehrlinge aus dem dritten Lehrjahr verschiedene Aufgaben rund um Gewürze. Die einen sitzen vor dem Laptop und schauen sich ein Lernvideo über Pfeffer und Chili an. «An unserem Posten geht es um Salze», erklärt Ulemjbat und zeigt dabei auf den Tisch neben ihm, auf dem rote, schwarze, weisse, grobkörnige und fein gemahlene Salze stehen. Sein Kollege probiert eines der Salze und verzieht dabei das Gesicht: «Da hab ich wohl zu viel erwischt», meint er und schmunzelt.