Würenlos

Leitung des Würenloser Handwerkcenters geht an Sohn über

Hans (l.) und Marc Peterhans zwischen den Regalen im Handwerkercenter in Würenlos.

Hans (l.) und Marc Peterhans zwischen den Regalen im Handwerkercenter in Würenlos.

Am Wochenende übergibt der 65-jährige Hans Peterhans seinem Sohn Marc (38) die Geschäftsleitung des Handwerkercenters in Würnelos. Die az hat mit den beiden gesprochen.

Beide tragen ein kurzärmliges Hemd, Uhr und Krawatte. Und auch die Körperhaltung ist aussergewöhnlich identisch: Hans und Marc Peterhans sitzen in einem Büro des Handwerkercenters in Würenlos, die linke hält die rechte Hand, der Unterarm liegt auf dem Tisch. Sie fallen sich während des einstündigen Interviews kein einziges Mal ins Wort, lassen sich immer ausreden.

Lachen tun sie fast immer gemeinsam. Hans und Marc Peterhans sind Geschäftspartner, die mit Anerkennung und Wertschätzung voneinander reden. Sie sind Vater und Sohn, die gerne am Sonntag mit der jüngsten Peterhans-Generation Zeit verbringen.

Im Hause Peterhans wird die Firma übergeben

Im Hause Peterhans wird die Firma übergeben

Wem gehört eigentlich das Büro, in dem wir jetzt sitzen, dem Sohn oder dem Vater?

Marc Peterhans: Mein Vater wird in der Firma weiterarbeiten, darum haben wir den Raum geteilt, aber nicht in der Mitte. Ich wollte den grösseren Teil meinem Vater überlassen. Aber er wollte das nicht.
Hans Peterhans: Du wirst ab jetzt die Führung der Firma übernehmen, also sollst du auch im grösseren Büro arbeiten dürfen.

Herr Peterhans, dieses Wochenende übergeben Sie das Geschäft Ihrem Sohn. Fällt Ihnen dieser Schritt schwer?

Hans: Es ist ein markanter Schritt. Es wird zu Beginn ungewohnt sein, wenn ich ins Geschäft komme und der Sohn der Chef ist. Aber vor allem freue mich wirklich riesig. Was gibt es Schöneres, als eine Firma dem Sohn zu übergeben!
Marc: Die Freude ist riesig. Ich werde 38, und in diesem Alter ein Geschäft zu übernehmen, ist eine Chance, die kaum ein Mensch erhält. Ich habe keine schlaflosen Nächte, aber Respekt verspüre ich. Denn in unserem Markt wird mit harten Bandagen gekämpft.

Was machen Sie am ersten Tag als Geschäftsführer?

Marc: Wir feiern dann unser 60-Jahr-Jubiläum. Es findet eine Hausmesse statt mit über 50 Ausstellern. Es wird hektisch, ein intensiver Arbeitstag.

War schon immer klar, dass Sie das Geschäft vom Vater übernehmen würden?

Marc: Überhaupt nicht, das hat sich in den letzten drei Jahren ergeben. Ich war Geschäftsführer unseres Sportgeschäfts in Baden. Dann nahm ich eine Auszeit und reiste nach Vancouver, um Englisch zu lernen. Danach lernte ich die Branche in einer Firma in Thun kennen, die unserer Firma ähnlich ist. Seit einem Jahr arbeite ich nun hier in Würenlos.
Hans: Als er vom Sportgeschäft wegging, hatte ich kurz das Gefühl, dass er sich ganz von unserem Familienunternehmen verabschieden würde. Ich bin froh, dass er zurück ist.

Wie wird die Übergabe über die Bühne gehen?

Hans: Eigentumsmässig haben wir alles im Jahr 2011 geregelt. Die Firma gehört also rechtlich schon jetzt meinem Sohn.
Marc: Die Entscheide hat bis jetzt aber immer noch mein Vater getroffen, auch wenn ich bei den Diskussionen dabei war.
Hans: Gegen aussen neu wird sein, dass mein Sohn die Geschäftsleitungssitzungen leiten wird. Der Übergang verlief fliessend, und ich werde weiterhin für die Aussendienstbetreuung verantwortlich sein.

Wie lange werden Sie noch arbeiten?

Hans: Ich habe noch Lust und Freude an meinem Job. Und solange dies der Fall ist, mache ich weiter. Aber ich gönne mir ab jetzt öfters Ferien.

Was macht Ihr Sohn besser als Sie?

Hans: Er arbeitet strukturierter, denkt längerfristiger und strategischer. Er behält die Übersicht.
Marc: Ich will so hartnäckig verhandeln können wie mein Vater. Ich bin zu brav. Er geht mit mehr Power an Verhandlungen zum Beispiel mit Lieferanten.

Wo ist Power in Ihrem Business denn besonders gefragt?

Marc: Als Handelsbetrieb befinden wir uns mitten im Sandwich. Der Preisdruck von Lieferanten und auch von Kunden wächst von Jahr zu Jahr.
Hans: Es tönt banal, aber die Qualität der Dienstleistung entscheidet, Verhandlungsgeschick hin oder her. Wir müssen nicht zwingend immer den Tiefstpreis anbieten.
Marc: Entscheidend ist die persönliche Beziehung zu den Kunden.
Hans: Genau. So können wir uns abheben von den Grossflächenfirmen. Von unseren Mitarbeitern verlange ich Persönlichkeit.

Was meinen Sie mit Persönlichkeit?

Marc: Unsere Mitarbeiter müssen motiviert sein und ihre Freude an der Arbeit zeigen können. Wenn ein Fehler passiert, sollen sie dazu stehen können und Vorschläge machen, wie es das nächste Mal besser laufen könnte.
Hans: Es sollen hier nicht Leute arbeiten, die nur Ellbogen einsetzen können. Sozialkompetenz ist wichtig. Ich wollte immer, dass unsere Mitarbeiter Teamplayer sind.
Marc: Wir haben auffällig viele langjährige Mitarbeiter. Guido Fischer zum Beispiel, unser Telefonverkäufer, hat bei meinem Grossvater die Lehre gemacht. Er will freiwillig ein paar Monate weiterarbeiten nach seinem 65. Geburtstag, um sein 50-Jahr-Jubiläum in unserer Firma zu erleben.

Haben Sie vor, viel anders zu machen als Ihr Vater?

Marc: Es wäre vermessen, viel ändern zu wollen, wenn man den Erfolg betrachtet, den mein Vater mit dem eingeschlagenen Weg hatte. Wir wollen weiter wachsen, aber die Strategie ändert nicht.

Welche Strategie?

Marc: Wir arbeiten mit sehr viel Herzblut.

War denn das Sportgeschäft in Baden keine Herzensangelegenheit? Sie haben es aufgegeben.

Marc: Das Geschäft beim Stadttor hatte mehrere Etagen, mit der Folge, dass wir viel Personal anstellen mussten. Der Geschäftsgang war am Schluss leider nicht mehr befriedigend. Wir haben uns dafür entschieden, uns ganz auf das Handwerkercenter zu konzentrieren.

Herr Peterhans, warum haben Sie das Geschäft von Wettingen nach Würenlos verlegt?

Hans: Wir brauchten dringend mehr Platz, sowohl im Laden wie auch im Lager, denn wir erweiterten unser Sortiment stark. Auch die Anlieferung am alten Standort durch Lastwagen war sehr schwierig und hat zu vielen Problemen mit unseren Nachbarn geführt.
Marc: Der Standortwechsel war ein hervorragender Entscheid. Unser Geschäft liegt jetzt direkt an der Autobahn. Das schätzen unsere Handwerkerkunden enorm. In Wettingen mussten sie immer mit Stau rechnen, wenn sie Ware bei uns abholten.

Gab es Momente, in denen Sie nicht mehr weiterwussten?

Hans: Personalfragen haben mich mehrmals frustriert. Wenn ich Mitarbeiter Jahr für Jahr mehr integriert habe – und sie uns vom einen Tag auf den anderen verliessen, und das wegen ein paar Franken pro Monat mehr.

Wie hat sich das Sortiment entwickelt?

Hans: Früher haben wir uns hauptsächlich auf die Holzkundschaft konzentriert. Heute bedienen wir alle Bereiche des Baugewerbes. Speziell haben wir das Sortiment Metallbaubeschläge neu aufgebaut.
Marc: Wir haben 45000 Artikel an Lager.
Hans: Grossmehrheitlich kennen wir sie alle.

Hat es mal richtig gekracht in der Zeit, seit Sie zusammenarbeiten?

Hans: Nein!
Marc: wirklich nicht. Wir diskutieren viel, aber immer konstruktiv. Wir versuchen, nicht ständig über das Geschäft zu reden, wenn wir privat zusammen Zeit verbringen.
Hans: In der Freizeit möchte ich meine Zeit als Grossvater geniessen.
Marc: Ich habe eine Tochter, sie ist neun Monate alt. Eine Riesenfreude!

Was wäre passiert, wenn Ihr Sohn die Firma nicht übernommen hätte?

Hans: Ich hätte extern einen Nachfolger gesucht. Die Firma zu verkaufen, wäre die zweite Alternative gewesen, aber dann wäre der Name verloren gegangen, und das wäre schon nicht ganz leicht für mich gewesen.

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