Baden
Leseabend in Baden: Wenn Fleischkäse inspiriert

Den vergangenen Donnerstagabend widmete die Bezirksschule Baden den Worten – den gesprochenen, gesungenen und den erzählten Worten.

Tirza Gautschi
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Nina Moser (1. Klasse) liest eine eigene Geschichte vor.Tirza Gautschi

Nina Moser (1. Klasse) liest eine eigene Geschichte vor.Tirza Gautschi

«Was kann ich denn dafür, wenn ich ein gut aussehender Mann bin?», die Mädchenstimme ist selbstsicher und doch geht ihr Atem etwas schneller. Zu ihren Füssen sitzen Kinder, Jugendliche, Beinahe-Erwachsene und eine Handvoll Eltern. Es ist Leseabend an der Bezirksschule Baden. Mit Sprachkünstlern wie Krneta, Greis & Apfelböck, Valérie Cuénod und Petra Ivanov erreichte die Schule auch die Jugend.

«Sich zu exponieren braucht Mut»

130 Schüler und Schülerinnen tauchten während vier Stunden in die Welt der Sprache ein. Zwischen selbst produzierten Hörspielen, «Unheimlichen Geschichten» und Jugendkrimis bot die Bezirksschule Baden ihren Schülern eine Plattform für eigene Texte. «Unter den Kindern ist es sehr beliebt anderen Schülern beim Vorlesen zu zuhören, aber nur wenige haben den Mut sich selbst so zu exponieren», sagt Dorothea Moesch von der Fachschaft Deutsch. Trotzdem konnte das verantwortliche Lehrerkomitee fünf junge Schreibtalente überzeugen, ihre Geschichten vorzulesen.

Auch die «meistgelesene zeitgenössische Krimiautorin der Schweiz», Petra Ivanov lockten die Organisatoren nach Baden. Die Zürcherin lass aus «Reset», dem ersten Werk ihrer Jugendbuchreihe. In einem anderen Schulzimmer entzückte derweilen die Schauspielerin Valérie Cuénod mit «Unheimlichen Geschichten». Sie las bereits zum zweiten Mal für die Schule. Die mit viel Leidenschaft und Witz vorgetragene Gruselgeschichte sorgte vor allem bei den Jüngsten für vergnügte Gesichter.

Leseabend an der Bez Baden
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Leseabend an der Bez Baden
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Tirza Gautschi

Greis’ persönliche Ökobilanz

«Von der ersten Klasse haben sich viele Kinder angemeldet, die älteren Schüler haben sich nicht wirklich für unseren Leseabend begeistern lassen», so Moesch. Das liege daran, dass ihnen eine gewisse Frische und Natürlichkeit fehle. Es waren Krneta, Greis & Apfelböck, die den Jugendlichen an diesem Abend einen neuen Zugang zur Sprache eröffneten. Auch wenn Grégoire Vuilleumier, alias Greis betonte, dass er auch gut kochen könne, überzeugten der Rapper und seine Kollegen mit Textperformance und Spoken Word. Der Autor Guy Krneta begeisterte das Publikum mit seinen Mundarttexten und regte zum Nachdenken an: «Was wär, wenn mer mol dör en Töre wörd go, wo dömmer macht. Miesst mer das ned emole usprobiere? De wär mer nacher velecht gschieder.»

«Der Aufsatz ist ein Format, dass man nirgends braucht und das merken auch die Lehrer», so Krneta. Er setzt sich mit dem Projekt «Schulhausroman» für das «Urbedürfnis nach dem Geschichtenerzählen» ein. «Sprache ist nicht wie Geld, sie lebt vom Klang und Rhythmus, was im Alltag häufig vergessen geht». Das hat die Bezirksschule erkannt und lancierte jetzt deshalb das Freifach «Schreiben».