2019 soll es endlich so weit sein: Dann führt Spreitenbach als letzte Gemeinde im Aargau die Abfallsackgebühr ein, vorausgesetzt, die Stimmbevölkerung genehmigt das neue Abfallentsorgungsreglement an der kommenden Gemeindeversammlung.

Heute zahlen die Bewohner der Limmattaler Gemeinde ihren Abfall nach wie vor nach Wohnungsgrösse. Doch laut einem Bundesgerichtsentscheid von 2011 muss der Abfall mittels einer Volumen- oder Gewichtsverrechnung entsorgt werden, sprich, verursachergerecht. Seit 2012 fordert der Kanton deshalb, dass alle Gemeinden die Abfallentsorgung durch eine verursachergerechte Finanzierung regeln. Allerdings liess er Spreitenbach vorerst gewähren, weil auf nationaler Ebene die sogenannte Verordnung über die Vermeidung und die Entsorgung von Abfällen (VVEA) in Revision war. Je nach Resultat der Revision hätte die Gemeinde ihr Reglement nach der Einführung gleich wieder überarbeiten müssen. Um dies zu vermeiden, hat der Gemeinderat den Abschluss der Revision abgewartet. Inzwischen ist diese abgeschlossen. Seit 2016 gilt die neue Verordnung.

Zwei Franken für 35 Liter

Bisher zahlt ein Spreitenbacher Haushalt mit mehr als 3,5 Zimmern eine Jahresabfallgebühr von 257 Franken, Bewohner kleinerer Wohnungen zahlen 180 Franken jährlich. Neu will die Gemeinde eine einheitliche Jahresgrundgebühr von 75 Franken verrechnen pro Haushalt. Zusätzlich müssen sich die Bewohner neu offizielle Abfallsäcke kaufen, wobei beispielsweise ein 35-Liter-Sack zwei Franken kosten soll, ein 60-Liter-Sack 3.35 Franken. Wie in anderen Gemeinden üblich, sieht das neue Reglement bei den Preisen einen gewissen Spielraum vor. «So kann der Gemeinderat die Preise den effektiven Kosten für die Entsorgung anpassen», erklärt Gemeindepräsident Valentin Schmid (FDP). «Grundsätzlich liegen wir mit den vorgeschlagenen Preisspannen bei den Grundgebühren und den Abfallsäcken im Rahmen der umliegenden Gemeinden.»

Wegen der neuen Tarife geht der Gemeinderat davon aus, dass die Wertstoffsammelstellen wie auch öffentliche Abfallkübel stärker genutzt werden und es weniger Hauskehricht geben wird. «Es wird mehr Portionenabfall im öffentlichen Bereich entsorgt werden», heisst es in der Vorlage. Weiter sei mit einem grösseren Anteil an Littering zu rechnen. «Diese Erfahrungen machten unsere Nachbarsgemeinden, nachdem sie das neue Abfallreglement mit Sackgebühren eingeführt hatten», sagt Schmid. Der Gemeinderat will deshalb die Entsorgungstouren für die öffentlichen Abfallkörbe sowie die Reinigung der öffentlichen Strassen, Wege und Plätze intensivieren. Deshalb sollen die Stimmbürger eine Erhöhung des Stellenpensums für die Abfallentsorgung von 50 auf 100 Prozent und die Kosten für einen zusätzlichen Kleintransporter für die Entsorgungstouren in Höhe von 30'000 Franken genehmigen.

«Wir stossen bei der Abfallbewirtschaftung heute schon an Kapazitätsgrenzen», sagt Schmid. Denn die Gemeinde sei gewachsen und werde auch noch weiter wachsen. «Zudem stellen wir vermehrt fest, dass es auch an den Wochenenden eine Abfalltour bräuchte.» Diese gebe es derzeit noch nicht und werde nach der Einführung der Sackgebühr geprüft.