Ausbildungsunternehmen
«libs»-Geschäftsführer Ingo Fritschi: «Das Rollenbild in der Schweiz ist veraltet»

«libs»-Geschäftsführer Ingo Fritschi über den geringen Frauenanteil in technischen Berufen, den Lehrlingsmangel und was das Ausbildungsunternehmen dagegen unternimmt.

Stefanie Garcia Lainez
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zvg

Herr Fritschi, in Schweden sind fast die Hälfte aller Mitarbeiter in technischen Berufen Frauen. In der Schweiz liegt der Anteil bei weniger als zehn Prozent. Warum hinkt die Schweiz hinterher?

Ingo Fritschi: Das Rollenbild in der Schweiz ist traditionell und veraltet. Deshalb interessieren sich nach wie vor wenig junge Frauen für Berufe wie Elektronikerin, Informatikerin oder Konstrukteurin. Sie wählen eher stereotypische Berufe wie beispielsweise als Büroangestellte oder in der Mode-Branche. Dabei sind die Frauen, die bei uns die Ausbildung machen, meist überdurchschnittlich gut.

Was machen Länder wie Schweden besser als wir?

In der skandinavischen Gesellschaft ist es für Frauen ganz selbstverständlich, dass sie nach der Geburt eines Kindes regulär weiterarbeiten. Für sie ist es normal, sich sehr eigenständig zu bewegen, das heisst, auch Familie und Job unter einen Hut zu bringen. Und dadurch, dass diese Frauen auch die besten und interessantesten Jobs anstreben, hat es auch in Technik-Berufen viel mehr Frauen in diesen Ländern.

Was unternimmt die «libs», um Berufsfelder wie Automatiker oder Elektroniker auch jungen Frauen schmackhaft zu machen?

Zum Beispiel führt die ABB gemeinsam mit uns pro Jahr zwei Meitli-Technik-Tage durch. Rund 25 Mädchen nehmen jeweils teil. Obwohl sie talentiert wären, beginnt nur ein kleiner Teil eine Lehre im technischen Bereich. Und ich glaube nicht, dass sich daran in Kürze viel ändert.

Nicht nur bei jungen Frauen, sondern auch bei jungen Männern tut sich die Industrie zunehmend schwer, Nachwuchs zu finden. Woran liegt das?

Das hat mehrere Gründe. Die Schulabgänger wählen immer öfters den Weg an die Uni. Dabei steht der akademische Weg dank Fachhochschulen auch mit einer Lehre später noch offen. Der Hauptgrund liegt aber bei den Eltern: Wenn sie nicht in einem technischen Berufsfeld tätig sind, finden auch die Kinder weniger zur Technik. Sie können zwar ein Handy virtuos bedienen, getrauen sich aber nicht, unter die Oberfläche zu schauen, um zu entdecken, was sich darunter verbirgt. Dabei sind es gerade die technischen Berufe, die den Fortschritt vorantreiben und somit unsere Zukunft prägen.

Was kann die «libs» tun, um auch Kinder aus technikfernen Familien für ihre Berufslehren zu begeistern?

Wir bieten beispielsweise Schnupperlehren an, Tage der offenen Tür, Informationsnachmittage für Schulen oder nehmen an Bildungs- und Berufsmessen teil. Wir sind sehr aktiv. Und seit 2016 haben wir mit der TecWorld auf 230 Quadratmetern auch ein Besucherzentrum für Schulklassen. Mithilfe von Tablets und Beamern können die Schüler beispielsweise verschiedene technische Objekte virtuell in 3D entdecken oder sich mit Quiz-Fragen Wissen aneignen. Im letzten Jahr hatten wir rund 2000 Besucher.

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