Avectris

Lichtblick in schwierigen Zeiten: Badener IT-Firma schreibt Rekordzahlen

Im neuen «Open Workspace» des IT-Unternehmens Avectris im ABB-Areal hat auch CEO Thomas Wettstein keinen eigenen Arbeitsplatz.Alex Spichale

Im neuen «Open Workspace» des IT-Unternehmens Avectris im ABB-Areal hat auch CEO Thomas Wettstein keinen eigenen Arbeitsplatz.Alex Spichale

Der Badener Informatikdienstleister Avectris präsentiert Rekordzahlen. Auch für die Energiebranche verbessern sich die Aussichten.

Diese Woche wurden Gerüchte publik, wonach General Electric einen Teil seiner Energiesparte veräussern könnte. Entsprechend steigt auch die Beunruhigung unter der Schweizer Belegschaft von GE, dass schon bald eine weitere Hiobsbotschaft folgen könnte. Zur Erinnerung: Erst im Dezember gab GE bekannt, dass an den Aargauer Standorten in Birr, Oberentfelden und Baden total 1400 Stellen gestrichen werden. Allein in Baden sollen 1100 Arbeitsplätze betroffen sein.

Neben den Negativschlagzeilen gibt es jedoch auch Erfreuliches für den Wirtschaftsstandort Baden zu vermelden. Anfang dieser Woche gab der Informatikdienstleister Avectris, der in unmittelbarer Nähe zu ABB und GE domiziliert ist, Einblick in das Geschäftsjahr 2016/2017. «Die Ergebnisse des letzten Jahres liegen deutlich über unseren Erwartungen», sagte Avectris-CEO Thomas Wettstein anlässlich einer Pressekonferenz. «Wir konnten den Umsatz um fünf Millionen auf 67,1 Millionen Franken steigern.» Auch für das laufende Geschäftsjahr wird mit einem Wachstum gerechnet, rund 20 Prozent sollen es gemäss Wettstein sein.

Daneben gab Avectris ein Bekenntnis zur Stadt Baden ab: Im sogenannten «Tresor», dem ehemaligem Buchhaltungssitz der ABB, wurden unmittelbar neben dem Hauptsitz zusätzliche Büroräume bezogen. Mit diesem Schritt soll allen 250 Mitarbeitern ausreichend Platz zur Verfügung gestellt werden. Im letzten Jahr kamen rund 50 neue Arbeitnehmer hinzu.

Alle Zeichen stehen also auf Wachstum bei Avectris. Die Axpo-Tochtergesellschaft war 14 Jahre lang unter dem Namen Axpo Informatik AG tätig. Im Juni 2015 dann der grosse Umbruch: Die damalige Service-Abteilung richtet sich neu aus – und schafft als Avectris den Sprung zu einem eigenständigen IT-Dienstleister.

Zum Kundenstamm zählen Firmen aus dem Energiesektor, für welche Avectris unter anderem IT-Infrastrukturen betreibt und spezifische Branchenlösungen anbietet. Doch auch Kunden aus anderen Branchen, wie das Kantonsspital Baden oder der Versicherer Generali, nehmen mittlerweile Dienstleistungen von Avectris in Anspruch.

«Schweizer Markt gross genug»

Mit der eigens auferlegten «Strategie 2015–19», die zum Ziel hat, sich als führender Dienstleister für Schweizer Mittelstandsunternehmen zu positionieren, sei man auf Kurs, wie Thomas Wettstein betont. Auch deswegen schliesst der Geschäftsführer vorerst aus, ins Ausland zu expandieren: «Wir haben ein paar wenige internationale Kunden, doch die Spielwiese auf dem Schweizer Markt ist für uns gross genug. Wir konzentrieren uns vor allem auf die Deutschschweiz.» Daher sei der Standort Baden optimal, «weil wir innerhalb von 90 Minuten bei allen Schweizer Kunden persönlich vor Ort sein können».

Doch nicht nur für Avectris, auch für weitere Badener Firmen könnte es bald aufwärtsgehen, wie die Aargauische Industrie- und Handelskammer in einem aktuellen Bericht schreibt: «Die Lage der Aargauer Industrie ist nicht so schlecht wie die Hiobsbotschaften suggerieren. Internationale Hightech-Energie-Player wie ABB, Ansaldo, Axpo, AF Consult oder General Electric mit Hauptsitz in Baden dürften mit der anziehenden globalen Nachfrage, unterstützt vom schwächeren Franken, erfreulicheren Zeiten entgegenblicken.»

Nachgefragt bei Thomas Lütolf

Herr Lütolf, Avectris wirtschaftet erfolgreich und bleibt der Stadt Baden erhalten. Was bedeutet das für den Wirtschaftsstandort?

Thomas Lütolf: Es zeigt sich einerseits, dass aus der für Baden bedeutenden Energiebranche heraus Firmen in weiteren zukunftsorientierten Branchen, wie der IT, entstehen. Diese Diversifikation ist wichtig für den Wirtschaftsstandort. Zweitens bestätigt sich, dass sich IT-Firmen in Baden sehr wohl fühlen. Neben Avectris sind auch internationale Player wie Oracle, Open Text und Brother in Baden ansässig. Es ist zu erwarten, dass weitere Unternehmen aus dem IT-Bereich den Weg nach Baden finden.

 Energie-Firmen wie ABB und General Electric befinden sich zurzeit in einer Krise. Ist die Energie-Industrie überhaupt zukunftsfähig?

Ich bin überzeugt, dass die Energiebranche für Baden auch in Zukunft bedeutungsvoll bleiben wird, auch wenn sie momentan unter Druck steht. Es ist so, dass der Energiebereich im Wandel ist und sich die Anforderungen an die Fachkräfte stetig verändern. Diesen Herausforderungen wird sich die Branche aber stellen können.

Viele Grossunternehmen siedeln sich in Baden an. Was macht die Stadt für internationale Firmen so attraktiv?

In unseren Gesprächen mit den Firmen stellen wir fest, dass sie hier in der Kleinstadt das richtige Umfeld für ihre Mitarbeiter finden. Die Rahmenbedingungen sind für die meisten optimal. Die Stadt ist perfekt erschlossen und hat viele Fachkräfte vor Ort. Und nicht zuletzt ist auch die Nähe zur Spitzenforschung, unter anderem zum PSI oder zur ETH Zürich, gegeben.

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