Obersiggenthal
Lichterlöschen: Kanton fühlt sich von der Gemeinde übergangen

Bei der Lichterlöschaktion in Obersiggenthal führte die Gemeinde den Kanton sprichwörtlich hinters Licht. Der Kanton will nun die eine oder andere Situation mit der Gemeinde genauer anschauen.

Daniel Vizentini
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Der Entscheid des Gemeinderats, nachts alle Strassenlampen in Obersiggenthal auszuschalten, wird beim Kanton womöglich ein Nachspiel haben. «Wir haben erst durch den Zeitungsbericht davon erfahren», sagt Daniel Schwerzmann, Leiter Verkehrsmanagement beim Kanton. «In Baden wurde das Lichtabschalten im Voraus angekündigt und es wird mit uns gesprochen. In Obersiggenthal wurde es kurzfristig beschlossen und gleich umgesetzt, wir wurden nicht konsultiert.»

Es sei zwar korrekt, dass die Gemeinden innerorts für Betrieb und Unterhalt der Beleuchtung der Kantonsstrassen zuständig sind. Für die Verkehrssicherheit sei aber der Kanton verantwortlich. Und da gäbe es Situationen, die genauer angeschaut werden müssten.

«Wir legen zum Beispiel grossen Wert auf die Beleuchtung von Fussgängerstreifen», sagt Schwerzmann. «Bei nur einem schweren Unfall mit Ursache schlechter Beleuchtung sind die Kosten erheblich höher als diese Einsparungen.» Man werde dies nun mit der Gemeinde anschauen müssen. Dabei gehe es vorwiegend um die Sicherheit der Fussgänger. Velofahrer seien selber für ihre Sichtbarkeit verantwortlich.

Aber: «In dicht besiedelten Gebieten wie Obersiggenthal sind die Kontrastverhältnisse schlechter als auf Überlandstrassen.» Je nach dem könnte der Kanton auch für die Velofahrer Anpassungen von der Gemeinde verlangen.

Gemeinderätin Marie Louise Nussbaumer-Marty (SP) bestätigt, dass die Gemeinde den Kanton nicht offiziell informiert habe. Weil die Gemeinde über die Beleuchtung entscheiden darf, gebe es dazu auch keine Pflicht. «Wir zahlen für die Beleuchtung, auch für diejenige der Kantonsstrasse.»

In den Gemeindenachrichten und in der Presse sei die Massnahme fünf Tage im Voraus angekündigt worden. «Wenn der Kanton nun auf uns zukommt, schauen wir die Punkte selbstverständlich gemeinsam an.» Dass Obersiggenthal die Abschaltung der Lichter kurzfristig beschlossen und umgesetzt habe, lässt sie nicht gelten.

«Von aussen kann es zwar so gesehen werden», sagt sie. Der Gemeinderat habe das Thema aber mehrmals ausführlich diskutiert. «Nachdem in der Gemeinde eine weitere Sparrunde angeordnet wurde, haben wir überall nach Sparmöglichkeiten gesucht.»

Für die Abschaltung der Leuchten habe man vor allem mit der Stadt Baden Rücksprache gehalten. Baden will ab 14. September die Lichter in den Aussenquartieren abstellen, ebenfalls von 1 bis 5 Uhr, aber nur von Sonntag bis Donnerstag. Versuchsweise wurde es bereits in vier Quartieren gemacht.

Anders als Obersiggenthal hat Baden einen Notfallknopf eingeführt, mit dem die Polizei alle Lichter wieder anschalten können. Ein solcher Knopf ist gemäss Nussbaumer in Obersiggenthal nicht geplant, könnte aber bei der Einführung der neuen LED-Lampen ein Thema werden. «Ende 2016 wird die Hälfte der Lampen auf LED umgerüstet sein. Deren technische Möglichkeiten werden wir dann natürlich nutzen.»

Zwei Drittel fürs Abschalten

Die Reaktionen der Bevölkerung hätten sich seit dem Artikel des BT in der Gemeinde vermehrt – von Befürworten wie von Gegnern. Gemäss Nussbaumer hätten sich zum Beispiel die nächtlichen Zeitungsverteiler bei der Abteilung Bau und Planung gemeldet.

In einer nichtrepräsentativen Online-Umfrage des BT haben sich bisher zwei Drittel für die totale Abschaltung der Lichter ausgesprochen. Auch die Kommentare widerspiegeln in etwa dieses Verhältnis. «Endlich! Die Strassenlampe ist eine der dümmsten Erfindungen überhaupt», oder, «das hätte ich in unserer Gemeinde auch gerne», lauten zum Beispiel die positiven Reaktionen.

Doch es gibt auch andere Stimmen: «Habt Ihr schon einen Schritt in die neue Dunkelheit gewagt? Ich bin schon durch Nussbaumen gelaufen ohne Licht: Man sieht das Trottoir nicht mehr», schreibt eine Leserin und ergänzt: «Was machen die Nachtbusse am Wochenende noch in Obersiggenthal, wenn die Jungen dann die Strasse nicht mehr sehen?»

Ähnlich schrieb eine weitere Leserin: «Auch ich bin schon in den Genuss gekommen, ohne Licht alleine nach Hause zu laufen. Man sieht gar nichts. Ich hoffe nur, die Gewaltbereitschaft nimmt nicht zu. Es gibt noch andere Sparpotenziale.»

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