Baden

«Liechterwecke»: Kinder klingeln mit 1400 Glöckchen den Advent wach

Mit 1400 Glöckchen haben die Kinder beim «Liechterwecke» in Baden das Lichtkunstwerk zum Leuchten gebracht.

Schon von Weitem waren die Kinder zu hören, die mit ihrem Glöckchen durch die Badener Gassen eilten. Rund 1400 Stück verteilten die zwei Dutzend Brödliräte der Spanischbrödlizunft gestern ab 17 Uhr auf dem Cordulaplatz. Danach versammelten sich gegen 3000 Kinder und Erwachsene in der abgedunkelten Weite Gasse, von wo sie bis zum Schlossbergplatz für die achte Ausgabe des «Liechterwecke» liefen.

«Kommt näher, Kinder», sagte die Wettinger Märchenerzählerin Maria Magdalena Kaufmann auf dem Vordach des Kaufhauses Schild stehend. Doch bevor alle Kinder auf dem Platz angekommen waren, fiel der schwarze Vorhang hinter ihr herunter. Auch Stadtamann Geri Müller konnte den Vorhang nicht wieder befestigen und Kaufman fing ohne Vorhang mit der Erzähung der Geschichte des Badener Lichts an. «Ihr müsst euch vorstellen, wie es vor vielen hundert Jahren war, als es noch kein elektrisches Licht gab», erzählte sie. «Es war fast so dunkel wie jetzt hier auf dem Schlossbergplatz.»

Die Kinder bringen das Lichtkunstwerk mit Glöckchen zum Leuchten

Die Kinder bringen das Lichtkunstwerk mit Glöckchen zum Leuchten

Alle Handwerker hätten nach dem Eindunkeln mit ihrer Arbeit aufgehört. Nur der Goldschmied hätte noch weitergearbeitet – an einem Glöckchen als Geschenk für seine jüngste Tochter, die am nächsten Tag Geburtstag hatte. Sie habe aber nicht warten können, habe sich in die Werkstatt geschlichen, wo sie das Glöckchen entdeckt habe. Aus Angst, ihr Vater könnte das Klingeln hören, sei das Mädche aus dem Haus bis zur Limmat gelaufen. «Dann hat sie mutig geläutet», sagte Kaufmann. Der Klang habe nicht mehr aufgehört. «Und auf einmal stieg das Mondglitzern vom Wasser auf.» Höher und höher sei es geschwebt und habe auf seinem Weg in die Stadt hinauf jede Gasse erleuchtet. «Und auf einmal war die Nacht nicht mehr dunkel. Es war ein Glitzern in der Stadt wie nie zuvor. Alle haben sich gefreut, auch der Vater des Mädchens.» 

Nach dem Märchen kam der grosse Moment für die versammelten Kinder: «Lasst eure Glöckchen laut erklingen, damit die Weihnachtsbeleuchtung geweckt wird», sagte Maria Magdalena Kaufmann. Nach und nach erklangen die 1400 Glöckchen, bis die riesige Lichtkugel über dem Schlossbergplatz und das restliche Lichtkunstwerk in der ganzen Stadt hell leuchteten. Als Belohnung für ihren wertvollen Einsatz erhielt jedes Kind ein Spanischbrödli. Für die Erwachsenen gab es Glühwein und Orangenpunsch.

Dass in diesem Jahr weniger Werbung gemacht wurde und Hindernisse wie Plakat- und Veloständer entfernt wurden, zeigte Wirkung. Zwar herrschte dichtes Gedränge auf dem Weg zum Schlossbergplatz. Doch als Kaufmann mit ihrer Erzählung begann, waren alle auf dem Platz eingetroffen. Da die Stadt mehr Lautsprecher aufstellte als früher, war die Märchenerzählerin auch unter dem Stadtturm noch gut zu hören. Zudem sorgten zahlreiche Polizisten für die Sicherheit der anwesende Bevölkerung.

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