Wettingen
Lieder ohne Worte und Worte ohne Musik zum Thema «Liebe»

Das dritte Wettinger Kammerkonzert der laufenden Reihe erzeugte eine breite Gefühlspalette von romantisch über abstrakt bis verklärt. Das Absolut Trio zog das Publikum musikalisch in seinen Bann, während Laura de Wecke eigene Texte zum Thema las.

Vera Frey
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Das Absolut Trio mit Bettina Boller, Stefka Perifanova und Judith Gerster sorgt mit seinen Vorträgen für ein Wechselbad der Gefühle. vef

Das Absolut Trio mit Bettina Boller, Stefka Perifanova und Judith Gerster sorgt mit seinen Vorträgen für ein Wechselbad der Gefühle. vef

Vera Frey

Das auftretende Absolut Trio mit Bettina Boller, Violine; Judith Gerster, Violoncello und Stefka Perifanova (Klavier) zeigte sich von ganz unterschiedlichen Seiten. Romantische Gefühlswelten mit Wohlklang und galanter Virtuosität präsentierten die drei Musikerinnen zum Einstieg mit zwei Duetten von Robert Schumann. Diese wurden in der Fassung und Interpretation des Klaviertrios zu Liedern ohne Worte. Solche waren allerdings auch nicht nötig – Violine und Cello versanken in emotionalen Dialog im Duett «Liebhabers Ständchen» und verschmolzen zu wunderbaren Harmonien in «Ich denke dein».

Worte aus dem Leben gegriffen

Als literarischer Kontrapunkt trug Schauspielerin und Autorin Laura de Weck eigene Texte zum Thema vor. Bei «Vier Liebeserklärungen» kämpft der Protagonist mit den Tücken der Liebe und komplizierten Mädchen und Frauen. Direkt aus dem Leben gegriffen auch der «Schwatz», die Geschichte eines älteren Ehepaars, das sich auf einer Bank anschweigt, wobei der Mann in Gedanken zu der Erkenntnis kommt, dass er «viel lieber mit ihr schweigt, als mit irgendjemand anderem zu schwätzen» und dass auch in der Politik sowieso meistens «diejenigen, die denken können, nicht schwätzen und die, die schwätzen, nicht denken.»

Die Zuhörerinnen und Zuhörer dankten Laura de Weck nicht nur mit viel Applaus, sondern auch mit herzlichem Lachen.

In eine andere Klangwelt geführt

Die künstlerische Auseinandersetzung mit der eigenen Zeit spielt für die drei Musikerinnen des Absolut Trio eine grosse Rolle. Auf dem Programm stand deshalb auch das Werk «Choralvariationen mit Vor- und Nachspiel» der Schweizer Komponistin Katharina Weber. Dieses führte in eine ganz andere Klangwelt und Stilrichtung, deren eigenwillige moderne Tonsprache Interpreten und Publikum forderten. Letzteres würdigte auch dieses Werk und die damit verbundene Leistung der Instrumentalisten, die das Werk mit Engagement und Konzentration interpretierten, nicht nur mit Höflichkeitsapplaus.

«Gestern Abend hörte ich die ‹Verklärte Nacht›, und ich würde es als Unterlassungssünde empfinden, wenn ich Ihnen nicht ein Wort des Dankes für ihr wundervolles Sextett sagte. Ich hatte mir vorgenommen, die Motive meines Textes in Ihrer Komposition zu verfolgen; aber ich vergass das bald, so wurde ich von der Musik bezaubert.» So schrieb der Dichter Richard Dehmel über Arnold Schönbergs Vertonung seines Gedichts. Und tatsächlich wird der Zuhörer gefangen genommen von eigentümlichen Harmonien und dem Verschmelzen der Klänge zu einem einheitlichen Ganzen.

Für den Applaus, der für diese einfühlsame Interpretation folgte, bedankte sich das Trio schliesslich mit einem weiteren Duett von Schumann, womit es auch den Bogen um das ganze Konzert schloss.