Mit 165 gegen 2 Stimmen und 3 Enthaltungen hiess der Zürcher Kantonsrat am Montagmorgen den Staatsbeitrag von 128,3 Millionen Franken für die erste Etappe der Limmattalbahn und mit 162 gegen 4 Stimmen bei einer Enthaltung 382 Millionen Franken für die zweite Etappe gut. Weitere 136,3 Millionen Franken bewilligte das Parlament für ergänzende Massnahmen am Strassennetz (die az berichtete). 

Zürcher Kantonsrat sagt Ja zur Limmattalbahn.

Zürcher Kantonsrat sagt Ja zur Limmattalbahn.

Die Gesamtkosten für die Bahn betragen 755 Millionen Franken. Nach Abzug des Bundesbeitrages teilen sich die Kantone Zürich und Aargau die Kosten gemäss Streckenanteil im Verhältnis von drei Vierteln zu einem Viertel.

Es entfallen somit 510,3 Millionen auf den Kanton Zürich und 178 Millionen auf den Kanton Aargau. Der Aargauer Grosse Rat wird im Mai über den Aargauer Kostenanteil befinden.

Das sind die Reaktionen aus dem Aargauer Limmattal: 

«Es braucht einen Ersatz für den 303er»

Spreitenbachs Gemeindepräsident Valentin Schmid begrüsst das Ja aus Zürich. «Jetzt muss nur noch der Aargauer Grosse Rat Anfang Mai Ja sagen zu diesem Jahrhundertprojekt.» Für Spreitenbach sei die Bahn eine grosse Chance. «Es werden eingezonte, noch nicht überbaute Gebiete wie etwa die Kreuzäcker oder das Gebiet HGO erschlossen.»

Etwas Kopfzerbrechen bereitet Schmid aber die Anbindung des Ostens von Spreitenbach. Denn die Bahn gelangt auf der Industriestrasse über das Niederfeld von Dietikon nach Spreitenbach – verkehrt also ziemlich weit weg vom Dorfkern.

«Weil mit der Bahn auch die Buslinie 303 entfällt, sind wir zwingend auf einen Ersatzbus angewiesen», so Schmid. Er erhoffe sich vom Kanton in dieser Sache bald eine Zusicherung. Schmid: «Ziel muss es sein, dass man im Dorf den Bus nehmen kann und mit diesem schnell zur Limmattalbahn gelangt.»

Zwar müssten dann Spreitenbacher einmal umsteigen, wenn sie nach Dietikon wollen, seien aber unter dem Strich schneller dort. Schmid ist sich bewusst, dass mit der Bahn der Siedlungsdruck auf die Gemeinde zunimmt. «Deshalb haben wir die Masterplanung ins Leben gerufen. Verdichtung wird es vor allem im Raum der Haltestellen geben.» 

«Weniger Stau dank der Limmattalbahn»

Zwar ist immer noch eine Beschwerde der Gemeinde Killwangen beim Kanton Aargau hängig. «Diese betrifft die Linienführung beim Bahnhof; es zeichnet sich hier aber eine Lösung ab», verrät Gemeindeammann Werner Scherer. Doch grundsätzlich stehe die Gemeinde der Limmattalbahn sehr positiv gegenüber.

«Die Limmattalbahn könnte eine Bereicherung für unser Dorf werden», sagt Scherer. Denn die Bevölkerung in Killwangen wie überhaupt im Limmattal werde mit oder ohne Bahn in den nächsten Jahren weiter stark anwachsen. Nicht zuletzt, weil Killwangen schon heute dank S-Bahn und Bus sehr gut erschlossen sei.

Scherer: «Wenn es uns gelingt, möglichst viele Bewohner zu motivieren, die Bahn zu benutzen, führt das zu weniger Staus und verstopften Strassen», ist Scherer überzeugt. Müsste man die Verbindungen vom Dorf zum Bahnhof hinunter nicht deshalb noch verbessern? «Das ist eine Kostenfrage; im Moment ist ein Ausbau der Erschliessung nicht angedacht», so Scherer.

Doch die Gemeinde habe in der Tat ein paar interessante Ideen in der Schublade, wie man noch besser zum Bahnhof gelangen könnte. «Darüber informieren wir dann, wenn die Zeit dazu reif ist.»

«Nun liegt ein klares Zeichen vor»

Markus Dieth, Präsident Baden Region, hat das deutliche Ja aus Zürich ebenfalls erfreut zur Kenntnis genommen: «Nun liegt ein klares Zeichen aus Zürich vor. Die Limmattalbahn ist ein ganz wichtiger zukünftiger Verkehrsträger im Limmattal, der unsere Region vorwärtsbringen wird.»

Deshalb habe die Aargauische Kommission Bau, Verkehr und Umwelt dem Grossen Rat auch die Zustimmung zu diesem Projekt empfohlen. «Baden Regio steht hinter dem Projekt Limmattalbahn genauso wie die betroffenen Limmattalgemeinden», ergänzt Dieth.

In Anbetracht der Bevölkerungsprognosen – sie gehen bis ins Jahr 2025 von etwa 60 000 zusätzlichen Bewohnern aus im Limmattal – sei es wichtig, dass das Trassee jetzt für die Bahn habe gesichert werden können. «Diesen zusätzlichen Verkehrsträger wird es brauchen», ist Dieth überzeugt.

Und was ist mit einer potenziellen Weiterführung von Killwangen über Wettingen nach Baden? «Jetzt geht es erst einmal um den Abschnitt zwischen Dietikon und Killwangen», so Dieth. Aber die Region werde sich für mögliche Weiterführungen einsetzen, wie sie ja auch bereits im Regionalen Entwicklungskonzept aufgeführt seien. (mru/sda)