Spreitenbach/Killwangen
Limmattalbahn fordert die Bevölkerung: Starke Nerven sind gefragt

In Spreitenbach und Killwangen starteten gestern die Bauarbeiten für das Jahrhundertprojekt. Verkehrsteilnehmer brauchen starke Nerven.

Claudia Laube
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Limmattalbahn fordert die Bevölkerung
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Skeptisch: Killwangens Gemeindeammann Werner Scherer auf dem gesperrten Streckenabschnitt.
Froh: Spreitenbachs Gemeindepräsident Valentin Schmid auf der Baustelle bei der Ikea Spreitenbach.
Bauarbeiten für die Limmattalbahn beim Bahnhof Killwangen-Spreitenbach.
Bauarbeiten für die Limmattalbahn beim Bahnhof Killwangen-Spreitenbach.
Bauarbeiten für die Limmattalbahn beim Bahnhof Killwangen-Spreitenbach.
Bauarbeiten für die Limmattalbahn Die Buslinie 303 wird über die Industriestrasse zum Bahnhof Killwangen-Spreitenbach umgeleitet. Die Haltestellen Center Spreitenbach und Furttalstrasse werden aufgehoben. Die RVBW-Linie 11 hat ihre Endhaltestelle während Bauzeit nördlich des Bahnhofs Killwangen-Spreitenbach.
Verkehrsführung während des Baus der Limmattalbahn Verkehrsregime während des Baus der Limmattalbahn

Limmattalbahn fordert die Bevölkerung

Sandra Ardizzone

Die Bauarbeiten für die Limmattalbahn, die dereinst Pendler vom Bahnhof Altstetten ZH bis nach Killwangen-Spreitenbach bringen soll, sind gestern auch im Kanton Aargau angekommen. Sie sind nicht nur für die Einwohner von Killwangen und Spreitenbach eine Herausforderung, sondern auch für diejenigen, die ins Shopping Center oder in die Ikea wollen. So wird dort die Strasse einspurig geführt, vielerlei Schilder signalisieren die Verkehrsführung. Auch der Streckenabschnitt an der Zürcherstrasse zwischen Shell-Tankstelle, gleich bei der Killwangener Gemeindegrenze zu Spreitenbach, und dem Knoten Fadacker, ist gesperrt – bis Mai 2020.

Die Autofahrer, die von Spreitenbach herkommend zum Bahnhof wollen, werden über die Industriestrasse geführt. Ein Augenschein zeigt: Noch ist das für die Verkehrsteilnehmer ungewohnt. Die Verkehrslotsen sind gefordert und müssen schon einmal renitente Autofahrer – trotz signalisiertem Fahrverbot – an sich vorbeilassen. Werner Scherer, Gemeindeammann von Killwangen (SVP), hofft aber, dass sich die Menschen schnell an die Verkehrsumleitungen gewöhnen: «In zwei Monaten an der Polit-Info können wir dann ein erstes Fazit ziehen.» Nicht alle Killwangener sind über den Bau der Limmattalbahn erfreut. Das merkte man auch an der letzten Gemeindeversammlung im Juni, als es darum ging, den Kredit für die Limmattalbahn von rund 424'000 Franken zu genehmigen: Den Abstimmenden blieb nichts anderes übrig als diesen anzunehmen, ansonsten hätten die Verantwortlichen der Limmattalbahn das Geld über den Rechtsweg eingefordert. Scherer sagt denn auch: «Die Bevölkerung ist in Sachen Limmattalbahn nicht abgeholt worden. Diese wurde der Gemeinde sozusagen aufgedrückt.» Dabei seien sie hier in Killwangen mit eigenem Bahnhof bereits gut erschlossen. «Nun müssen die Einwohner flexibel sein», so Scherer. Hauptsächlich sei er aber froh, dass es endlich vorwärtsgeht. Darüber ist auch Spreitenbachs Gemeindepräsident Valentin Schmid (FDP) erleichtert: «Es ist ein gutes Gefühl, dass nun gebaut wird.»

Für seine Gemeinde hat die Limmattalbahn eine andere Bedeutung als für Killwangen, ist doch die weitere Entwicklung von Spreitenbach ganz auf die Limmattalbahn ausgelegt. Bauten, die in den letzten Jahren entstanden sind, wie zum Beispiel der «Limmatspot» – oder die wie der «Tivoli Garten» inklusive Haltestelle in Planung sind – wurden mit der Absicht gebaut, dass die Limmattalbahn die Gemeinde aufwertet und so vermehrt gut verdienende Menschen den Weg ins Dorf finden – eine hier bis dato untervertretene Klientel.

Ein verbindendes Element für das Limmattal

Das Limmattal ist eine der am stärksten wachsenden Regionen der Schweiz. Mit der Limmattalbahn, einer doppelspurigen Stadtbahn auf einer Strecke von 13,4 Kilometern, soll diesem Umstand Rechnung getragen werden. «Hier packen wir die grosse Chance, vorausschauend und proaktiv zu handeln», sagte Verkehrsdirektor Stefan Attiger zur AZ. Am Freitag wurde die erste Etappe des 755 Millionen Franken teuren Projekts, von Zürich-Farbhof bis Schlieren, eingeweiht. Gestern starteten die Bauarbeiten für die zweite Etappe bis Killwangen. Diese dauern bis 2022, dann soll die Bahn in Betrieb gehen. Der Kostenanteil des Kantons liegt bei 179,5, davon übernimmt der Bund 63 Millionen Franken.