Buchvernissage
Lisbeth Sachs: Wagemutige Kämpferin mit utopischen Ideen

Das aussergewöhnliche Schaffen von Kurtheater-Architektin Lisbeth Sachs wird im nach ihr benannten Sachs-Foyer mit einer einmonatigen Ausstellung gewürdigt. Am 25. September 2020 erscheint das Buch «Lisbeth Sachs – Architektin, Forscherin, Publizistin».

Ursula Burgherr
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Architektin Lisbeth Sachs war stets bescheiden – die Ausstellung im Kurtheater Baden würdigt ihr Schaffen.

Architektin Lisbeth Sachs war stets bescheiden – die Ausstellung im Kurtheater Baden würdigt ihr Schaffen.

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«Liebes erstes Publikum»: so begrüsste Lisbeth Sachs am 22. März 1952 die Gäste zur Eröffnung des von ihr erbauten Kurtheaters in Baden. Mit «liebes erstes Publikum» wendet sich auch Buchautorin und Ausstellungskuratorin Rahel Hartmann Schweizer an die zahlreich erschienen Vernissagen-Besucher. «Als Jugendliche war das Kurtheater für mich ein Hotspot für den Ausgang. Schon damals hat mich das polygonale Glasfoyer nachhaltig beeindruckt», erzählt Hartmann Schweizer über das denkmalgeschützte Herzstück, in dem bekannte aber auch nicht realisierte Pläne, Skizzen und Modelle der 2002 verstorbenen Architektin gezeigt werden.

Lisbeth Sachs musste in den 30er- und 40er-Jahren in einer absoluten Männerdomäne oft mit harten Bandagen für ihre Ideen kämpfen. Rund 100, bisweilen fast utopisch anmutende Positionen, umfasst ihr Werk. Oft blieb es bei Plänen. Ausstellungsbesucherin Dorothea Spörri aus Knonau wohnt in einem Haus, das von Sachs fertiggestellt wurde. «Es ist teilweise rund und anders als alle anderen Gebäude in der Umgebung. Ich kann mich noch an viele hitzige Diskussionen zwischen der Architektin und meinem Vater bis zur Umsetzung erinnern», sagt sie und lacht.

Einer der vielen Blickfänge ist eine Bildserie von einer Art Baumhaus auf Pfählen mit in Beton eingelassenen farbigen Gläsern, das Sachs am Hallwylersee schuf. Die Ausstellung im Kurtheater zeugt vom Wagemut der Baufachfrau. Sie war ihrer Zeit stets voraus und wollte immer, dass die Architektur Experimente wagt. Für ihre Vorbilder Alvar Aalto und Frei Otto, beides Ikonen des modernen Designs, war sie ein Sprachrohr.

Ihre Karriere begann mit einem Paukenschlag

Werbung für sich selber machte sie jedoch nie. «So sehr sie ihre Stimme immer wieder erhob, so wenig tat sie es für eigene Interessen. Sie war überzeugt, dass es für diesen Beruf wesentlich wäre, bescheiden zu bleiben; sich als Diener gegenüber einer Aufgabe zu empfinden» ist in der Ausstellung über sie nachzulesen. Obwohl ihre Karriere eigentlich gleich mit einem Paukenschlag begann. Frisch diplomiert gewann die 25-Jährige 1939 den Wettbewerb für das Kurtheater Baden.

«Als ich das erste Mal das Kurtheater Baden besuchte, war ich sofort fasziniert», erzählt Verwaltungsdirektorin Lara Albanesi und fügt hinzu, «ich war als Frau sehr stolz, dass ein so umfangreiches Projekt von Lisbeth Sachs realisiert wurde. Und die Frauenpower im Kurtheater geht weiter.» Elisabeth Boesch, von den für den aktuellen Kurtheater-Um- und Erweiterungsbau zuständigen Boesch Architekten aus Zürich, zieht an der Vernissage Parallelen zwischen damals und heute: «Wie bei Lisbeth Sachs dauerte es auch bei uns 13 Jahre vom Wettbewerb bis zur Fertigstellung des Kurtheaters. Es gab in beiden Fällen Einsprachen, die Neuüberarbeitungen nötig machten. Die Baukosten haben sich allerdings verändert», meint sie pragmatisch und das Publikum lacht. Das zweite Glasfoyer, das die Boesch Architekten schufen, ist wie das Sachs-Foyer mit Ulmenholz ausgekleidet und gibt dem Publikum durch die grossen Fensterfronten den Eindruck, «mitten im Park zu sitzen».

Am 17. Oktober 2020 gibt es für die Freunde des Kurtheaters erste Führungen mit Blick hinter die Kulissen in den neuen Bühnenvorraum und Bürotrakt. Der Theaterbetrieb startet am 14./15. Oktober 2020 mit zwei Aufführungen des Schauspiels «Lulu» in einer Inszenierung des Residenztheaters München. «Wir haben ein zuverlässiges Schutzkonzept ausgearbeitet. Es wird Einteilungen in Kategorien und Maskentragpflicht geben», bekundet Albanesi. Die Ausstellung über das Schaffen von Kurtheater-Architektin Lisbeth Sachs feiert am 25. September 2020, 18.30 Uhr, Finissage (Anmeldung auf hartmannschweizer@bluewin.ch erforderlich). Dann erscheint auch das Buch «Lisbeth Sachs – Architektin, Forscherin, Publizistin und ihr Opus I – das Kurtheater Baden».

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