Baden
Literarische Badenfahrt: Unterwegs in den Bädern mit Hesse und Co.

Baden Nach den «Vollmond-Lesungen» folgt nun die«Literarische Badenfahrt». Mit Texten von Hermann Hesse und Gottfried Keller, die selbst in der Bäderstadt weilten.

Nadine Bunde
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Valérie Cuénod liest im Atrium Hotel Blume Texte von Hermann Hesse

Valérie Cuénod liest im Atrium Hotel Blume Texte von Hermann Hesse

Badener Tagblatt

«Die Badekur ist geglückt, wenn sich am ganzen Körper ein juckender Ausschlag zeigt», erschallt es aus der Lobby des Atrium Hotels Blume. Nach zahlreichen weiteren unterhaltsamen historischen Details aus der damals florierenden Bäderstadt betritt Valérie Cuénod, stilecht verkleidet als Hermann Hesse, das Sichtfeld. Lautstark wetternd gegen diese neumodische Erfindung namens «Aufzug» betritt Hesse selbigen dann doch noch und schafft es schlussendlich in den 2. Stock, wo er mit seiner Lesung beginnt.

«Die Dohle» heisst das Stück, das heute zum Besten gegeben wird. Dieses Essay habe er kürzlich während seines Aufenthaltes im Verenahof geschrieben, erzählt der vermeintliche Hermann Hesse, bevor er mit seiner Geschichte beginnt. Eine Geschichte über eine Dohle namens Jakob, über die man munkelte, sie gehöre einer Frau aus Ennetbaden. Ein Vogel, der es zu seiner Aufgabe gemacht hatte, die Menschen an der Limmatpromenade zu unterhalten, und mit dem sich Hesse auf seinen täglichen Spaziergängen auf seiner selbsterfundenen Vogelsprache unterhalten hatte.

Berühmte Autoren in Baden

«Hesse war ein Philosoph, ein Suchender», sagt Valérie Cuénod, Schauspielerin und Stadtführerin in Baden, nach der Lesung. «Was ihn ausmacht, ist unter anderem seine selbstironische Art.» Diese hat sie dann auch auf erheiternde Art und Weise umgesetzt: Beim Lesen brachte sie viele Anwesende zum Schmunzeln. Cuénod hat auch selber einen natürlichen Bezug zu Baden: «Ich bin hier aufgewachsen, weil mein Vater, ein Geologe aus Genf, als Fachkraft hier engagiert wurde.»

Die «Literarische Badenfahrt» ist eine neue Reihe von Lesungen, organisiert vom Standortmarketing Baden. Sie haben das Ziel, dass Menschen aus der Region sowie Besucher den Weg in die Bäder finden. Die Reihe ist damit der Nachfolger der «Vollmond-Lesungen» der letzten drei Jahren. «Besonders in der jetzigen Situation, mit dem Rück- und Neubau der Bäder sollen die Leute trotzdem diesen aussergewöhnlichen Ort mit seiner speziellen Energie erfahren», sagt Sonia Fuentes, Mitarbeiterin des Standortmarketings.

Schon lange sei bekannt, dass in der Vergangenheit regelmässig verschiedenste berühmte Autoren in der Stadt kurten. «Die Idee ist, dass man Geschichten von Autoren bringt, die wirklich hier in Baden weilten, wie Hermann Hesse oder Gottfried Keller», erklärt Cuénod. So sei auch Hesse während 30 Jahren jedes Jahr in Baden gewesen, um zu kuren. In seiner Geschichte über die Dohle beschreibt er auf witzige Art und Weise verschiedenste Ecken aus Baden, sodass man sich den Mann mit Hut und Brille auf der schiefen Brücke, umringt von Vögeln, lebhaft vorstellen kann.

«Literarische Badenfahrt»: Bis im November, jeweils am letzten Dienstag des Monats im Atrium Hotel Blume, Kurplatz 4 in Baden. Eintritt frei.