Müde, aber gelöst meldet sich Fabian Umiker, Gitarrist der Badener Metal-Band «Lotrify», bei der AZ: «Es war alles sehr aufwändig und zeitintensiv, aber wir sind sehr zufrieden mit der Plattentaufe.» Rund 150 Personen hätten am Samstag die Show im Kulturlokal «Werkk» in Baden besucht, in der die 2008 gegründete Band ihr komplettes, 63-minütiges Album «Resilience» dem Publikum vorstellte: «Das einzuüben war ein extremer Aufwand», sagt Umiker. «Wir wollten jeden Song genau in der Reihenfolge wie auf dem Album spielen — und die Songs mussten perfekt sitzen.»

90 Minuten dauerte die ganze Show, inklusive einer wohlverdienten Pause für Band und Publikum. Um der Plattentaufe einen feierlichen Rahmen zu geben, wurde auf einem Beamer der im Frühling — ebenfalls im «Werkk» — gedrehte Videoclip zur Single «Xenophobic» vorgestellt; und bei zwei Songs die Entstehung des Albums in einem dreiteiligen, humorvollen Comic gezeigt: «Das war wie im Kino», sagt Umiker lachend.

Dass der Comic so aufgeteilt wurde, findet seinen Ursprung in der Geschichte des ersten kompletten Albums der Band. So luden sie die ersten vier Songs bereits im letzten September auf dem Videoportal Youtube hoch; der zweite Teil, ebenfalls mit vier Songs, folgte im Frühling und einige Monate später dann die letzten vier Songs. «Wir sind jeweils mit vier Songs ins Aufnahmestudio nach Freiburg in Deutschland gefahren», so Umiker. Am Ende sei eine Art Konzeptalbum entstanden, das die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung zum Thema habe.

Videoclip, Wacken, Plattentaufe

Ob Plattentaufe, Videoclip oder Wacken-Festival, 2018 ist ein aufregendes Jahr für die Band, die regelmässig in einem Ennetbadener Bandraum probt, obwohl nur noch ein Mitglied in der näheren Region lebt. Aber: «Hier haben wir uns kennengelernt und fühlen uns wie zu Hause - und haben immer noch viele Freunde hier.» Diese unterstützten sie im Musikclip zu «Xenophonic».

Auch dafür scheuten sie sich keine Mühen und holten einen professionellen Videoproduzenten aus Frankreich: «Dieser übernahm Regie und Schnitt und wir schrieben das Script», erzählt Umiker. Die Idee: ein Musikvideo wie ein alter B-Movie-Horrorklassiker. Das ist offenbar gelungen: «Ein blutiger Clip ist es geworden», so Umiker. Zu sehen ist der Clip auf Youtube oder auf der Band-Webseite. «Einige Konzertbesucher waren als Schauspieler im Clip mit dabei, und die fanden es natürlich cool, sich selbst noch einmal auf grosser Leinwand zu sehen.»

Ihren grössten Auftritt hatte «Lotrify» dieses Jahr am berühmtesten Heavy Metal-Anlass in Deutschland, dem Wacken-Festival. Hier spielen grosse Bands wie «Nazareth» oder «Sepultura». Auf der gleichen Bühne hatten auch «Lotrify» ihren Auftritt: «Wir haben die Schweizer Vorausscheidung gewonnen», so Umiker, «und durften deshalb im Rahmen eines Contests in Wacken auftreten.» Dies vor rund 2000 Zuschauern, so vielen wie noch nie. Sie seien zwar nicht unter die «Top Five» gekommen, aber trotzdem sei für sie ein Jugendtraum in Erfüllung gegangen, schwärmt Umiker.