«Er hat ein unglaubliches Showtalent und bringt die Herzen zum Schmelzen», sagen sie. «Er hat Charisma und packt die Jury und das Publikum mit seiner Präsenz.» Nein, hier ist nicht die Rede von Robbie Williams oder George Clooney. Hier sprechen die professionellen Choreografen Saeed Hosseini und Sarah Keusch von Luciano Titaro, einem 16-jährigen Tänzer aus Spreitenbach.

Wie das kommt? Die Geschichte beginnt, als der kleine Luciano Titaro zum ersten Mal sieht, wie Michael Jackson tanzt. Sie nimmt ihren Lauf, als Titaro, dadurch inspiriert, vor drei Jahren selbst mit Tanzen anfängt. Und sie findet ihren jetzigen Endpunkt am Zürcher Flughafen, wo Luciano sich treffen will.

«In einem anderen Leben würde ich gerne Pilot werden», sagt er lachend. In diesem aber hat er schon viel Anderes vor. Erst vor kurzem hat er das Vortanzen für den Wettbewerb «The Dance Swisstour» gewonnen. Dadurch hat er die Möglichkeit, am 30. April 2016 mit 15 anderen Tänzern als Vorgruppe von zwölf weltbekannten Crews im Hallenstadion aufzutreten.

«Damit ich etwas in der Hand habe»

Bei einer Tour durch die Schweiz zeigten junge Tanztalente ihr Können vor einer professionellen Jury, darunter Saeed Hosseini und Sarah Keusch. Beim Vortanzen im Einkaufszentrum Sihlcity überzeugte Luciano Titaro restlos.

Luciano Titaros Siegestanz im Sihlcity Zürich.

Luciano Titaros Siegestanz im Sihlcity Zürich.

«Er ist sehr mutig und probiert alles aus», sagt Sarah Keusch. Sowohl sie, als auch Saeed Hosseini können sich vorstellen, dass Luciano Titaro mit viel Disziplin einst weit kommen könnte: «Sicher hat er das Potenzial, im Tanz-Business erfolgreich zu werden.» Das würde auch den jungen Spreitenbacher mit süditalienischen Wurzeln freuen: «Das ist natürlich mein grosser Traum.» Er wünscht sich, einmal die grössten Battles gewinnen zu können, im Cirque du Soleil aufzutreten oder sogar «in einem Hollywood-Film tanzen zu dürfen».

Doch auch wenn es vielleicht wirkt, als würde der junge Bezirksschüler etwas abheben, ist dem nicht so. Luciano Titaro ist sehr bodenständig und will zuerst einmal eine Ausbildung oder ein Studium abschliessen: «Damit ich etwas in der Hand habe, falls das mit dem Tanzen nicht klappen sollte.» Wichtig ist ihm, dass sein zukünftiger Beruf etwas mit Menschen zu tun hat. Am liebsten würde er Physiotherapeut werden. Er findet, dass es nichts Schöneres gibt, als einem anderen Menschen zu helfen, sich wieder bewegen zu können. «Das gibt einfach ein warmes Gefühl ums Herz» – etwas das ihm ohnehin wichtiger sei als Geld. «Lieber bin ich glücklich, als fünf Porsches zu haben.» Andere Menschen interessieren Luciano Titaro sowieso. Er ist seit letztem Sommer Mitglied der Zürcher Tanzcrew «Dominance Crew», die für ihn wie eine Familie sei. Mit ihr verbindet er nicht nur seine Leidenschaft zu tanzen, sondern auch seine soziale Ader. «Kürzlich haben wir einen Tanzworkshop für Flüchtlingskinder gemacht.» Und was dort passiert ist, sei genau das, was er am Tanzen so liebe: «Wir haben uns durch das Tanzen verständigen können, obwohl wir nicht die gleiche Sprache sprechen.» Das Tanzen will er später auch gerne weitergeben an die nächste Generation, sagt der 16-Jährige vorausschauend.

Und bis dahin pflegt er sein eigenes Talent weiter – etwa zusammen mit seinem Trainer und Vorbild, der Breakdance-Legende «Dr. Hill», Hill Adan Hernandez: «Er inspiriert mich extrem.»

Rückschläge halten ihn nicht auf

Obwohl Breakdance Titaros liebster Stil ist, tanzt er noch ganz viele andere. Besonders mag er auch Partnertänze wie Salsa, Bachata oder Tango. Zudem turne er immer mit Ballett ein, das sei wichtig, um beweglich zu bleiben. Von Rückschlägen wie kleinen Verletzungen lässt er sich nicht aufhalten: Gerade erst ist er beim Üben einer Breakdance-Pose gestürzt, eine grosse Schürfwunde zieht sich über seine Nase. Und vor einiger Zeit hat er sich am Rücken verletzt und musste pausieren. Doch davon lässt er sich nicht beeindrucken, trainiert, sobald möglich, fleissig weiter: «Ich will so lange tanzen, wie es nur geht.» Was Luciano Titaro schon alles kann, wird sich bald im Hallenstadion zeigen. Darauf freut er sich schon sehr. «Es ist mir eine Ehre, zusammen mit diesen Crews auf der Bühne zu stehen», sagt er.

«The Dance 2016 – Urban Dance Competition», Samstag 30. April, 21.30 Uhr, Hallenstadion Zürich.