Am Dienstag und Mittwoch wird Daniel H. im Gemeindesaal von Untersiggenthal vor seinen Richtern sitzen. Er wird angeklagt, vor drei Jahren die damals 16-jährige Lucie ermordet zu haben.

Hinter Daniel H. werden 53 Journalisten sitzen, darunter viele aus der Romandie, da Lucie Trezzini aus dem Kanton Freiburg stammte. Und weil Strafprozesse öffentlich sind und das Interesse an diesem Prozess gross ist, werden hinter Daniel H. auch einige Zuschauer sitzen.

In Untersiggenthal ist es ruhig

Ein Tag vor dem Prozess ist von der medialen Aufregung nicht viel zu spüren im Dorf. Im Gasthof Löwen sitzt der Wirt Fabian Erne an einem Tisch mit pastellrotem Tischtuch. Im Hintergrund hängt eine Vitrine mit den Auszeichnungen der örtlichen Schützengesellschaft.

«Ich nehme die ganze Sache gelassen», sagt Erne. Ähnlich tönt es von einem Stammgast: «Natürlich wissen wir, was in den nächsten Tagen hier passiert, aber die wenigsten reden darüber», sagt er. Den Prozess gehe er sicher nicht anschauen. «Ich stecke meine Nase nicht in fremde Angelegenheiten», sagt er.

Der «Löwen» ist eines der wenigen Restaurants im Dorf. Erne wird die Journalisten, Richter und Privatpersonen über Mittag verpflegen. «Falls sie denn kommen», sagt Erne. Er wurde vom Bezirksgericht Baden angefragt, ob er sein Restaurant Dienstag und Mittwoch öffnen könne, obwohl diese Tage eigentlich seine Ruhetage sind.

Reservationen hat er bis jetzt jedoch keine. «Wenn zehn Gäste kommen, koche ich für zehn, wenn fünfzig kommen, für fünfzig», sagt Erne. Er wird alleine in der Küche stehen. «Falls wirklich alle kommen, werde ich sicher nicht herumsitzen und jassen», sagt Erne.

Im «Löwen» sei in den letzten Tagen und Wochen nicht viel über den Prozess geredet worden, sagt eine Servierdame. «Vielleicht kehren die Leute das Thema ein bisschen unter den Tisch», sagt sie. Ein grosser Rummel werde hier nicht daraus gemacht: «Der Prozess stört die Ruhe im Dorf überhaupt nicht.»

«Er soll eingesperrt werden»

Ein paar Strassen weiter liegt das Café Bäckerstübli. Hier werden Kuchen, Wurstweggen und Vanillestangen angeboten. An einem Tisch sitzen vier ältere Herren und jassen. Beda sagt: «Eigentlich ist es schade, dass das Volk nicht so recht Kenntnis von diesem Prozess nimmt.» Sein Jasskollege Stefan sagt: «Daniel H. soll eingesperrt werden, schliesslich hat er sich das ja gewünscht.»

Dass in seinem Dorf ein Mordprozess abgehalten wird, beunruhigt Stefan nicht. «Die Kantonspolizisten werden schon aufpassen, dass ihnen niemand davonrennt», ist er überzeugt.

Kantonspolizei ist vorbereitet

Da das Bezirksgericht Baden beim Prozess gegen Daniel H. mit grossem Publikumsinteresse rechnete, entschied es, die Verhandlung aus dem Gerichtssaal im Badener «Falken» in den grösseren Gemeindesaal in Untersiggenthal zu verlegen. Die ganze Organisation des Prozesses übernimmt das Gericht. Für die Sicherheit ist allerdings die Kantonspolizei zuständig.

«Wir haben im Vorfeld eine Lagebeurteilung in Bezug auf die Sicherheit gemacht», sagt Bernhard Graser, Sprecher der Kantonspolizei Aargau. Graser will keine Aussagen dazu machen, wie viele Polizisten im Einsatz stehen und wo sich der Angeklagte während der Pausen aufhalten wird. «Fakt ist, dass der Delinquent in Haft ist. Eine Flucht ist um jeden Preis zu verhindern», sagt Graser.

Für den Verkehr ist während des Prozesses die Regionalpolizei Limmat Aare Reuss verantwortlich. Patric Klaiber, Chef Regionalpolizei, rechnet nicht mit verkehrstechnischen Engpässen: «Wir haben genügend Parkplätze plus einen Kiesplatz in der Nähe des Gemeindehauses, wo viele Autos parkieren können.»