Einstellung Strafverfahren
Lucies Vater zur Einstellung des Verfahrens: «Wir werden Rekurs einlegen»

Das Strafverfahren gegen drei Personen des Straf- und Massnahmenvollzugs im Kanton Aargau wegen fahrlässiger Tötung zum Nachteil von Au-Pair-Mädchen Lucie Trezzini wird eingestellt.

Adrian Hunziker und Christine Fürst
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Roland Trezzini (rechts), der Vater von Lucie, wird Rekurs einlegen

Roland Trezzini (rechts), der Vater von Lucie, wird Rekurs einlegen

Key/Chris Iseli

2009 reichte der Vater von Lucie Trezzini gegen die verantwortlichen Personen im Straf- und Massnahmenvollzug Strafanzeige wegen fahrlässiger Tötung ein. Denn Daniel H., Lucies Mörder, sass bereits eine vierjährige Haftstrafe ab, weil er eine Frau beinahe zu Tode gewürgt hatte. Er wurde 2008 bedingt aus dem Massnahmenvollzug entlassen, obwohl die Behörden wussten, dass er ein Alkohol- und Drogenproblem hatte.

Eine von der Regierung in Auftrag gegebene Administrativuntersuchung zeigte Schwachstellen im Straf- und Massnahmenvollzug auf, verneinte jedoch ein Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter. Daraufhin wurde der ausserordentliche Staatsanwalt Ueli Hofer, alt Obergerichtspräsident des Kantons Bern, beauftragt, diesen Fall zu untersuchen.

Lebenslange Verwahrung

Daniel H. wurde im Oktober 2012 durch das Aargauer Obergericht lebenslang verwahrt. Sein amtlicher Pflichtverteidiger teilte im Januar 2013 mit, dass er im Namen seines Klienten gegen das Urteil des Aargauer Obergerichts beim Bundesgericht Beschwerde führen wird.

Hofer kam nun nach der Durchführung der Untersuchung zum Ergebnis, dass sich die drei Beschuldigten nicht pflichtwidrig verhalten haben und die Tötung von Lucie Trezzini für sie weder vermeidbar noch voraussehbar war. «Wir sind enttäuscht und für uns ist klar, dass wir Rekurs einlegen werden», sagt Roland Trezzini, Lucies Vater.

Einstellungsverfügung noch nicht rechtskräftig

Die Untersuchungen waren umfangreich: Auskunftspersonen, Beschuldigte, Zeugen und Sachverständige wurden befragt, Gutachten eingeholt und Akten beigezogen. «Die Beschuldigten sind ihren übertragenen Aufgaben im Rahmen der gesetzlichen und vertraglichen Vorgaben praxiskonform nachgekommen. Ihnen kann nicht vorgeworfen werden, dass sie durch ihr Verhalten fahrlässig die Ermordung von Lucie Trezzini verschuldet haben», heisst es in einer Medienmitteilung der Aargauer Staatsanwaltschaft.

Das sieht Lucies Vater aber anders: «Die Geschichte ist komplex aber eigentlich einfach: Ein Mann, der gefährlich ist, hätte nicht freigelassen werden dürfen.» Die Aargauer Behörden hätten aber festgestellt, dass er normal sei. Sie hätten nicht gesehen, dass er gefährlich ist. «Somit haben sie einen Fehler begangen, der für Lucie fatal war», sagt Roland Trezzini weiter.

Die Einstellungsverfügung ist noch nicht rechtskräftig. Die Parteien können innerhalb von zehn Tagen beim Obergericht des Kantons Aargau Beschwerde einreichen.

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