Baden
Luft anhalten und eintauchen – atemlos zum Erfolg

Claudia Lukaschek hat die Schweizer Meisterschaft im Tiefentauchen gewonnen und Schweizer Rekorde gebrochen. Seit knapp zehn Jahren betreibt die 43-jährige Badenerin Apnoe, was auf Deutsch «ohne Atmung» bedeutet.

Fabienne Eichelberger
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Claudia Lukaschek taucht mit einem Atemzug 46 Meter in die Tiefe. ZVG

Claudia Lukaschek taucht mit einem Atemzug 46 Meter in die Tiefe. ZVG

Claudia Lukaschek hält die Luft an: «Anfangs bin ich total entspannt. Bis zu dreieinhalb Minuten dauert dieser Zustand. Dann setzt der Atemreiz ein und ich spüre das Zwerchfell – ein ‹normaler› Mensch würde jetzt atmen. Danach kommt die harte Phase, in der ich die Augen öffne.» Lukaschek ist Apnoetaucherin und kann sechs Minuten ohne Sauerstoffzufuhr unter Wasser bleiben. Diese Zeit beschreibt sie zugleich als Kampf gegen sich selber, wie auch als Gefühl der absoluten Freiheit und Leichtigkeit – eine Mischung aus «Kontrolle behalten» und «los-lassen».

Ein Atemzug entscheidet

Seit knapp zehn Jahren betreibt die 43-jährige Badenerin Apnoe, was auf Deutsch «ohne Atmung» bedeutet. In den acht verschiedenen Disziplinen dieser Sportart wird versucht, mit einem Atemzug so lang, so weit oder so tief wie möglich zu tauchen. Mit sechs Minuten und drei Sekunden hält sie den Schweizer Rekord im Zeittauchen sowie mit 154 Metern den im Streckentauchen. Seit dem 10. Juli ist sie zudem Schweizer Meisterin im Tiefentauchen. Mit Flosse tauchte Lukaschek 46 Meter unter die Wasseroberfläche, ohne Flosse 44 Meter. An den Wettkämpfen muss jeweils im Voraus angegeben werden, welche Tiefe erreicht werden soll. Lukaschek vergleicht dies mit einem Pokerspiel: «Man muss sich überlegen: Was schaffe ich und was machen die anderen.» Die anderen, das sind in der Schweiz zirka 50 aktive Apnoetaucher. An internationalen Wettkämpfen nehmen ungefähr 15 von ihnen teil und die Nationalmannschaft besteht aus drei bis vier Personen. Lukaschek wurde bereits nach drei Monaten Tauchtraining in die Nationalmannschaft aufgenommen. Das ist nun zehn Jahre her.

Ursprünglich war die Badenerin Flaschentaucherin. «Durch einen Sicherheitskurs bin ich schliesslich zum Apnoetauchen gekommen», erzählt Lukaschek. Im Kurs sollte man lernen, wie man mit der eingeatmeten Luft an die Wasseroberfläche schwimmt, wenn die Pressluftflasche versagt. Seither kann sich Lukaschek ein Leben ohne den exotischen Sport nicht mehr vorstellen. Momentan ist das Tiefentauchen ihre Lieblingsdisziplin, «das wechselt aber immer wieder». Nach dem statischen Tauchen ist sie jeweils total entspannt: «Für mich ist das wie ein Wellness-Urlaub», so Lukascheks für manchen wohl schwer nachvollziehbarer Vergleich. Am Wettkampf sei das statische Tauchen allerdings am Schwierigsten. Beim regungslosen Schweben im Wasser komme es extrem auf die mentale Stärke an: «Man muss versuchen, an nichts zu denken und darf sich nie fragen, ob es noch lange geht.»

Zusammen mit der wettkampfbedingten Nervosität sei das ein schwieriges Unterfangen. «Eigentlich ist es lustig, dass wir überhaupt nervös sind – das Resultat spielt ja keine Rolle und interessiert auch niemanden», sagt Lukaschek. Obwohl das öffentliche Interesse für die Sportart eher gering ist und es kein hohes Preisgeld zu gewinnen gibt, seien die Resultate für die Taucher sehr wichtig.

An die Grenze und darüber hinaus

Trotz Entspannung und dem Gefühl von Leichtigkeit: Ein gewisses Sicherheitsrisiko ist der ständige Begleiter bei jedem Tauchgang. Durch die Unterdrückung des Atemreflexes und den Sauerstoffmangel tasten sich die Taucher bis an die Grenze zur Ohnmacht heran. Nicht selten wird sie auch überschritten. «Aus diesem Grund ist es wichtig, nie alleine zu tauchen und sehr gut auf den Körper zu hören», erklärt Lukaschek. Sie selber kenne ihre Grenzen: «In den ganzen Jahren bin ich nie ohnmächtig geworden.»