Über die Pläne der Immobilienfirma Zuriba mit dem ehemaligen Kino Royal und dem angrenzenden Postareal liesse sich längst ein spannender Film mit vielen Kehrtwenden drehen. Erst erklärten die Besitzer, sie würden das Kino abreissen und Parkplätze erstellen; später teilten sie mit, während der Sanierung des angrenzenden Postgebäudes werde das Kino zum Baustellenbüro umfunktioniert. Die letzte Party im Royal wurde bereits offiziell gefeiert, als vor wenigen Monaten doch noch ein Happy End wie in einem Hollywood-Film folgte: Die Zuriba unterbreitete dem Betreiberverein das Angebot für einen langfristigen Mietvertrag über 20 Jahre, wodurch der langfristige Erhalt des Kulturhauses sichergestellt werden konnte.

Am Montag folgte die nächste Überraschung: Auf dem Platz zwischen dem Beton-Postgebäude und dem Royal wird ein 22 Meter hoher, dreistöckiger Neubau mit 18 Loftwohnungen entstehen. Das Baugesuch liegt seit dieser Woche auf. Geht es nach den Areal-Besitzern, sollen die Bauarbeiten für das Gebäude mit dem Namen «Annex Nord» diesen Sommer starten und in rund drei Jahren enden. Von diesen Plänen für ein Wohnhaus wusste die Öffentlichkeit bisher nichts. Wie es der Name «Annex» verrät, handelt es sich beim Neubau um eine Erweiterung des Postgebäudes, das 1930 von Architekt Karl Moser erstellt und 1975 von Haefeli Moser Steiger ergänzt wurde. Das Wohnhaus sei ein «Schlussstein» und vervollständige das Gebäudeensemble, teilt Architekt Jean-Pierre Dürig mit; der Ergänzungsbau werte das Areal städtebaulich auf, und die Besetzung der bestehenden Baulücke trage zur Verdichtung des Stadtzentrums bei.

Die Betreiber des Kulturhauses wollten sich nicht zum Wohnhaus äussern, von dem sie bis letzte Woche nichts wussten. Die Frage, die sich stellt: Wie vertragen sich das Kultur- und das Wohnhaus in unmittelbarer Nachbarschaft? Die Zuriba beantwortet diese Frage so: «Auf dem Postareal wird man trotz der Lage mitten im Geschehen ruhig wohnen können. Gestalterische Rahmenbedingungen, hochwertige Verglasungen und eine kontrollierte Wohnungslüftung sollen dazu führen, dass ein inspirierendes Nebeneinander von Kultur und Wohnen im urbanen Umfeld entsteht.» Die 18 Loftwohnungen mit zweieinhalb Zimmern werden zwischen 75 und 90 Quadratmeter gross; das Mietangebot im mittleren und gehobenen Segment richtet sich an Singles und Paare.

Dem Baugesuch sind neue Zahlen zu entnehmen: Die Anzahl Parkplätze auf dem gesamten Postareal soll 158 betragen, wovon 14 für die Mieter in den Wohnungen bereitgestellt werden, die restlichen für die gewerbliche Nutzung. Für die neue Wohnnutzung sind 36 Veloparkplätze vorgesehen.

Die Stadt Baden übrigens war in die Planung involviert: Die Idee eines zusätzlichen Wohngebäudes zur Aufwertung des Areals und zur Besetzung der bestehenden Baulücke habe sich in einem Dialog zwischen der Bau- und Planungsbehörde und der Eigentümerschaft entwickelt. Die Idee entstand nach der Baubewilligung für die Revitalisierung des Postareals im Sommer 2017, als die Planung weiter vorangetrieben und präzisiert wurde.