Mindestkurs-Ende

Luzi Stamm voll des Lobes für den SNB-Entscheid: «Historisch!»

Luzi Stamm: «Wer die Währung im Griff hat, hat die Macht.»

Luzi Stamm: «Wer die Währung im Griff hat, hat die Macht.»

Der SVP-Politiker und Nationalbank-Kritiker Luzi Stamm ist hoch erfreut über das Ende des Euro-Mindestkurses. Die Nationalbank habe «ein gewaltiges Zeichen für die Unabhängigkeit und für die Freiheit gesetzt», sagt er.

Der überraschende Entscheid der Nationalbank (SNB), den Euro-Mindestkurs von Fr. 1.20 aufzuheben, sorgte bei Politikern, Gewerkschaften und Wirtschaftsverbänden mehrheitlich für Kritik und Ängste. Ganz anders urteilt der Badener SVP-Nationalrat Luzi Stamm, der sich zuletzt als Promotor der Gold-Initiative mit kritischen Äusserungen zur Anlagepolitik der Nationalbank hervorgetan hat.

Herr Stamm, wie haben Sie reagiert, als Sie von der Abschaffung des Mindestkurses erfahren haben?

Hocherfreut. Mir war sofort klar: Das ist ein historischer Tag!

Warum historisch?

Am 6. September 2011 hat die Nationalbank die eigenständige Währungspolitik aufgegeben und den Franken an den Euro geknüpft. Ich habe diesen Entscheid nie öffentlich kritisiert. Aber jetzt, wo er aufgehoben ist, bin ich sehr erleichtert und gratuliere Thomas Jordan. Die Nationalbank hat ein gewaltiges Zeichen für die Unabhängigkeit und für die Freiheit gesetzt – nicht nur der Geldpolitik, sondern auch der Schweiz als Ganzes. Denn die Währungspolitik ist von allerhöchster Bedeutung. Wer die Währung im Griff hat, hat die Macht.

Aber hat diese Unabhängigkeit nicht einen hohen Preis? Die Exportwirtschaft und Tourismusvertreter reagierten bestürzt, Tausende von Stellen könnten verloren gehen.

Das ist kurzfristiges Denken. Langfristig sind die Aufhebung des Mindestkurses und eine flexible Währung entscheidend für den Wohlstand der Schweiz.

Das sehen Werkplatzvertreter völlig anders.

Das ist mir klar, auch aus meiner eigenen Partei höre ich solche Stimmen, etwa von meinem Nationalratskollegen und Unternehmer Hansruedi Wandfluh. Nochmals, kurzfristig mag das Ende des Mindestkurses nachteilig sein. Doch für die richtige Politik muss man manchmal kurzfristige Opfer in Kauf nehmen. Die Schweiz ist immer gut gefahren mit einer starken Währung. Der harte Franken hat uns reich gemacht! Wir konnten mit einer Hunderternote immer mehr kaufen. Und unsere Wirtschaft wusste mit stetigen Aufwertungen umzugehen und erhöhte sogar ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Und diese Gesetzmässigkeit gilt auch, wenn sich die Währung innert kürzester Zeit massiv aufwertet?

Die Unternehmen brauchen Zeit für die Anpassungen. Es stimmt, dass sehr starke Franken-Aufwertungen in sehr kurzer Zeit grosse Probleme mit sich bringen können. Darum erwarte ich von der Nationalbank, dass sie dafür sorgt, dass es keine sprunghafte Aufwertung gibt.

Das geschah aber just gestern, als der Eurokurs von 1.20 auf 1.04 fiel.

Aber wir hatten dreieinhalb Jahre lang den Kurs 1.20, in dieser Zeit konnten sich die Unternehmen auf die letztlich unvermeidbare Aufwertung vorbereiten. Schauen Sie: Ich war 1970 in den USA, da kostete ein Dollar 4.34 Franken. 1971 beschloss dann US-Präsident Nixon das Ende der nominalen Goldbindung des Dollars, und plötzlich kostete ein Dollar nur noch Fr. 3.70. Da gingen die Schweizer Arbeitgeber zum Bundesrat und sagten: Diese Aufwertung ist für unsere Wirtschaft nicht zu verkraften, wir gehen kaputt! Doch der Dollar fiel weiter, unter einen Franken. Und die Wirtschaft konnte ihre Exporte dennoch steigern, was eine grossartige Leistung ist. Wir müssen diese Entwicklungen im langfristigen Zusammenhang sehen.

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