Mägenwil
Ein Neuling und ein anonymer Flyer sorgen im Wahlkampf für Spannung

In Mägenwil kämpfen Vizeammann Marlène Fehlmann (SVP) und Herausforderer Peter Wiederkehr (Mitte) ums höchste Amt und gegen ein Störfeuer.

Andreas Fretz
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Peter Wiederkehr (Mitte) und Marlène Fehlmann (SVP).

Peter Wiederkehr (Mitte) und Marlène Fehlmann (SVP).

zvg

Fünf Sitze, fünf Kandidierende: Die Gemeinderatswahlen in Mägenwil scheinen auf den ersten Blick eine übersichtliche Veranstaltung zu werden. Und dennoch ist die Lage angespannt. Ein anonymer Wahlflyer sorgte kürzlich für Empörung. Unter dem Titel «Wahltag ist Zahltag» wurde dieser in die Haushalte verteilt und dem Grossteil des bisherigen Gemeinderats ein miserables Zeugnis ausgestellt.

Flyer: Drei Personen, die gar nicht kandidieren

Neben den offiziellen Kandidaten Peter Wiederkehr (neu, die Mitte, kandidiert als Ammann) und Gemeinderätin Tülin Hamurtekin (parteilos) wurden drei weitere Personen zur Wahl empfohlen, die gar nicht antreten. Inzwischen haben sich sämtliche Kandidaten, die Empfohlenen und die Ortsparteien vom Inhalt des Flyers distanziert.

Vizeammann Marlène Fehlmann (SVP), die als Ammann kandidiert, sagt: «Mit einem anonymen Flyer befasse ich mich erst gar nicht.» Ihr Konkurrent Peter Wiederkehr sagt:

«Solche Störfeuer sind absolut unnötig. Anonym gegen die Behörden zu schiessen, ist unterste Schublade.»

Die Wirkung des Flyers scheint fürs Erste verpufft, klar ist aber, dass mit Fehlmann und Wiederkehr eine Kampfwahl um das Amt des Ammanns ausgetragen wird. Wobei Fehlmann sagt: «Ich mag es nicht, wenn man von einer Kampfwahl spricht. Es ist vielmehr eine Auswahl für die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger. Und das ist positiv zu werten.»

Neuling Wiederkehr traut sich das Amt zu

Der 63-jährige Wiederkehr kandidiert als Neueinsteiger gleich als Ammann. Etwas, das er sich durchaus zutraut. «Ich habe fundierte Kenntnisse über das Gemeindewesen, die Verwaltung und war im Berufsleben in Führungspositionen tätig.» Wiederkehr ist ein Ur-Mägenwiler, verheiratet, Vater eines erwachsenen Sohnes und seit einem Jahr pensioniert. Die letzten 13 Jahre war er Geschäftsleiter der Elektrizitäts- und Wasserwerke Wettingen AG. Zuvor arbeitete er 18 Jahre für die Gemeindewerke Neuenhof und war für BBC/ABB weltweit unterwegs als Inbetriebsetzer von Hochspannungsschaltanlagen.

Gegen die höchste Pro-Kopf-Verschuldung

Wiederkehr sind die Gemeindefinanzen ein besonderes Anliegen. Mägenwil hat im Kanton die höchste Pro-Kopf-Verschuldung. «Das wirft ein schlechtes Licht auf uns», sagt er, «und wir sollten es mittelfristig in den Griff bekommen.» Er plädiert für sauberes Haushalten. Jede Position müsse überprüft werden, ohne sich totzusparen. «Leistungseinbussen dürfen nicht die Lösung sein, wir müssen eine vernünftige Balance finden.» Ein optimales Verhältnis von Leistungsangebot und Steuerfuss sei anzustreben.

Entwicklungspotenzial sieht er in der Raumplanung. Das Potenzial der Landreserven gelte es auszuschöpfen. Wiederkehr spricht sich für eine massvolle Entwicklung und ein lebendiges Mägenwil aus, in dem sich alle Generationen wohlfühlen. Das Dorf soll vermehrt als engagiert, innovativ, selbstbewusst und partnerschaftlich wahrgenommen werden.

Als amtsältestes Mitglied zur Wahl gestellt

Die Kandidatur von Fehlmann ist schon länger bekannt. Als Ammann Marin Leuthard Anfang Jahr seinen Verzicht auf die Wiederwahl kundtat, meldete die 59-Jährige ihre Ambitionen an. «Wir haben im Gemeinderat die Konstellation besprochen», sagt Fehlmann, «als amtsältestes Mitglied und Vizeammann stellte ich mich zur Wahl, zumal ich die Unterstützung der Ratskollegen spürte und Gemeinderat Jack Roos das Amt des Vizeammanns übernehmen möchte.»

Dass sich mit Wiederkehr fünf Kandidaten für die Gemeinderatswahl angemeldet haben, sei wichtig und gut für Mägenwil, so Fehlmann, fügt aber an:

«Dass er als Neuling aber gleich als Ammann kandidiert, hat mich überrascht.»

Beide, Fehlmann wie Wiederkehr, sprechen von einem offenen Rennen.

Fehlmann möchte in der Gemeinde vor allem die Situation der Jugendlichen verbessern. «Mägenwil braucht wieder einen attraktiven Jugendtreff», sagt sie, «ich möchte die Jugendlichen mit Projekten ins Dorfleben integrieren. Das bringt einen sozialen und nachhaltigen Effekt.»

Die Ziele den Möglichkeiten anpassen

Die Finanzlage will sie nicht dramatisieren: «Die ist zwar nicht schön, aber auch kein Grund, sich übermässig Sorgen zu machen.» Die Gemeinde müsse die Planziele den Möglichkeiten anpassen. Mit dem Neubau von Schulhaus und Doppelturnhalle habe Mägenwil, gestützt auf den Volkswillen, eine nachhaltige Investition getätigt. «Das hat Kosten verursacht, aber wir haben jetzt eine Infrastruktur, die Wachstum zulässt.»

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