Mägenwil
Ställe, Stühle, Steckenpferde: Diese Grosspapis und Grossmamis stellen aus Holz allerlei Schönes her

Seit 45 Jahren fertigen die «Hölzler» Mägenwil Holzartikel aus eigener Hand an. Warum es in ihrem Lager mittlerweile aussieht wie beim Weihnachtsmann und wie sie jetzt wieder Platz schaffen wollen.

Sarah Kunz
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Blick in den Werkraum unterhalb des Gemeindehauses in Mägenwil. Hier werkeln die «Hölzler» zwei Mal pro Woche.

Blick in den Werkraum unterhalb des Gemeindehauses in Mägenwil. Hier werkeln die «Hölzler» zwei Mal pro Woche.

Bild: Severin Bigler

Wer den Lagerraum unterhalb des Gemeindehauses in Mägenwil betritt, kommt sich vor wie beim Weihnachtsmann: Da stehen unzählige Spielsachen wie Ställe, Steckenpferde, Eisenbahnen und Kugelibahnen, aber auch Stühle, Wiegen oder Kerzenständer. Die Holzartikel sehen aus wie gekauft, sind aber alle in aufwendiger Arbeit von Hand selber hergestellt. Und auch nicht etwa von ausgebildeten Zimmerern oder Schreinerinnen. Sondern von Mitgliedern des «Werkbunds Senioren Mägenwil» – kurz «Hölzler» genannt.

Die Gruppe besteht seit 45 Jahren und trifft sich jeden Montag- und Mittwochnachmittag im Werkraum im Untergeschoss des Gemeindehauses. Immer mit dabei ist René Baumgartner. Er ist seit drei Jahren Leiter der «Hölzler». «Ich bin aber nicht ein Präsident oder der Boss», stellt er sogleich klar und lacht. Er kümmere sich einfach um die administrativen Angelegenheiten und schaue, dass jeder etwas zu tun habe.

So sieht es aus, wenn sich die «Hölzler Mägenwil» zum Arbeiten treffen.

Video: Sarah Kunz/Gülpinar Günes

Auf das Treffen mit der Zeitung hat sich Baumgartner extra gut vorbereitet und alle Eckdaten des Werkbunds notiert. Zum Beispiel wann welcher Leitungswechsel stattgefunden hat, welche Maschinen sich die Gruppe zugetan hat oder wie viele Mitglieder die «Hölzler» zu welchem Zeitpunkt hatten.

So waren es einmal nur noch fünf, die Gruppe stand kurz vor dem Aus. Jetzt sind wieder elf – vier davon sind Frauen. Das Alter liegt zwischen 60 und 85 Jahren. «Es ist toll, dass wir wieder neue Mitglieder gewinnen konnten», sagt Baumgartner. «So müssen wir uns nicht länger Sorgen um unser Fortbestehen machen.»

Das Ziel: Gemeinsam etwas Sinnvolles herstellen

An diesem Tag sind fünf Männer und eine Frau hier, um an ihren Projekten weiterzuarbeiten. Einer schleift die Kanten seines Kerzenständers ab, ein anderer sägt Leisten zurecht, die Frau klebt Bart und Kulleraugen auf einen Samichlaus aus Holz. Am vordersten Tisch fräst Hansjürgen Schatz gerade lautstark Löcher in einige Bretter. Die Späne fliegen. Mit geübtem Blick prüft er den Schnitt und wischt zufrieden den Staub ab.

Hansjürgen Schatz fräst Löcher in einige Bretter, um daraus ein Gestell zu machen. Er ist das einzige Mitglied mit einer Schreiner-Ausbildung.

Hansjürgen Schatz fräst Löcher in einige Bretter, um daraus ein Gestell zu machen. Er ist das einzige Mitglied mit einer Schreiner-Ausbildung.

Bild: Severin Bigler

Schatz ist das einzige Mitglied mit einer Schreiner-Ausbildung und hält deshalb immer wieder ein waches Auge auf seine Kollegen. «Ich will aber nicht den Chef spielen», sagt er schnell. «Gerade beim Bedienen der Maschinen ist es jedoch von Vorteil, wenn jemand mit Erfahrung helfen kann.» Dass er hier zusammen mit Gleichgesinnten auch nach der Pension seiner Leidenschaft nachgehen kann, freue ihn sehr:

«Mein Beruf war für mich nie Arbeit, sondern immer ein Hobby.»

Freude ist ohnehin für alle der Grund, weshalb wir jede Woche hierher kommen, fügt Baumgartner an. «Wir machen etwas Sinnvolles und hocken nicht nur zu Hause vor dem Fernseher.» Ausserdem seien durch die Gruppe viele Freundschaften entstanden.

Für das Gruppenfoto posieren die «Hölzler» stolz vor ihren fertig gestellten Holzartikeln: Theo Burkart (v.r.), Hans Weltsch, Pierre Honegger, Ursula Keller, René Baumgartner und Hansjürgen Schatz.

Für das Gruppenfoto posieren die «Hölzler» stolz vor ihren fertig gestellten Holzartikeln: Theo Burkart (v.r.), Hans Weltsch, Pierre Honegger, Ursula Keller, René Baumgartner und Hansjürgen Schatz.

Bild: Severin Bigler

Die enge Bindung ist auch für Aussenstehende spürbar: Als sich die Mitglieder für das Gruppenfoto aufstellen, necken sie sich gegenseitig. «Vergesst nicht, die Bäuche einzuziehen», scherzt einer. «Und du steh doch auf deine Zehenspitzen, sonst bist du der Kleinste hier», witzelt ein anderer. Alle lachen.

Im Moment stehen im Lager um die 300 Artikel

Nach dem Foto ziehen sich wieder alle an ihre Tische zurück. Die Projekte entstehen entweder aus eines Auftrags oder einer Bestellung, oder aber aus eigenen Ideen der Mitglieder. «Wenn ich irgendwo etwas sehe, das mir gefällt, mache ich ein Foto davon und zeichne zu Hause einen Plan auf, den ich anschliessend an ein Treffen mitnehme», sagt Baumgartner. «Wir tauschen uns aus und schauen, wie die Ideen am besten umgesetzt werden könnten.» Jeder habe sein Spezialgebiet. Der Eine arbeitet mit grossen Maschinen, der andere stellt kleine Spielsachen her, eine der Frauen ist Expertin für das Verzieren mit Farbe.

Am Verkaufstag kann man unter anderem diese Lokomotive aus Birkenholz erwerben.

Am Verkaufstag kann man unter anderem diese Lokomotive aus Birkenholz erwerben.

Bild: Severin Bigler

So entstehen nach und nach die verschiedensten Gegenstände. Baumgartner sagt:

«Im Moment haben wir um die 300 Artikel gelagert. Ich habe den Überblick verloren, wie viele es genau sind.»

Deshalb findet nun am Samstag, 20. November, von 13:30 bis 16:30 Uhr ein Verkauf im Foyer des Schulhauses statt. Baumgartner hofft, dass die «Hölzler» an diesem Tag einiges verkaufen können: «Langsam aber sicher geht uns hier unten der Platz aus.»

Alle Artikel werden derzeit in einem Katalog erfasst

Um den Verkauf voranzutreiben, stellt die Seniorengruppe zudem einen Katalog zusammen. Eines der Mitglieder fotografiert dafür alle Produkte, dann werden sie in ein Raster eingefügt und mit Namen, Massen und Preisangaben beschriftet. Der fertige Katalog wird demnächst an den gesamten Bekanntenkreis verschickt.

So sieht der Katalog aus, den die Seniorengruppe derzeit erstellt. Er soll demnächst an Freunde und Bekannte geschickt werden.

So sieht der Katalog aus, den die Seniorengruppe derzeit erstellt. Er soll demnächst an Freunde und Bekannte geschickt werden.

Bild: Severin Bigler

Ein Blick in das Dokument zeigt: Die Preise sind bescheiden. «Für unsere Artikel zahlt man bestimmt nur die Hälfte von dem, was man sonst in einem Laden bezahlen würde», sagt Baumgartner. «Und unsere Qualität ist nicht schlechter.» Er zwinkert.

Letztlich wolle die Gruppe mit ihren Produkten auch keinen Umsatz generieren, sondern der Bevölkerung mit etwas Selbstgemachten Freude bereiten. Das Geld fliesst deshalb ausschliesslich zurück in die Werkstatt, damit Materialien gekauft werden können. «Nur einmal pro Jahr führen wir unsere Partner zum Essen aus», sagt Baumgartner. «Aber das haben wir uns auch verdient.»

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