Bei Weiterbildungen möchten wir Lehrer (ich verzichte bewusst auf die weibliche Form, da Männer in diesem Beruf unter Artenschutz stehen müssten) gerne magische Momente erleben. So wie in einer magischen Fussballnacht in der Champions League, wenn uns Ballkünstler mit ihren Traumtoren in einen Rausch schiessen.

Doch der Reihe nach: Mein letzter Weiterbildungstag in den Ferien begann normal. Und zwar mit einer Vorstellungsrunde. Wir mussten zudem erzählen, wo wir die Ferien verbracht hatten. Die Kursleiterin wollte damit einen sanften Einstieg in den bevorstehenden Schulbeginn ermöglichen.

So weit, so gut. Wir waren aber um die 25 Personen, und jeder benötigte etwa zwei Minuten Redezeit. Sie können sich selber ausrechnen, wie lange diese komatös pädagogische Einstimmung gedauert hat. Bis ich dran war, konnte ich mich deshalb getrost durch alle Newsportale klicken und dann meine Mails abarbeiten. Seminarerprobt wie ich war, hatte ich den Akku des Laptops über Nacht geladen.

Ich bin wahrlich nicht der Einzige mit digitaler Ablenkung gewesen. Oft laufen parallel zu unseren Weiterbildungen Besprechungen per Mail – zu Schulthemen wohl bemerkt. Wenn es besonders langweilig wird, betreibe ich oft mehrere Mail-Konversationen gleichzeitig. Eine echte Herausforderung!

Auch Lehrerinnen haben die Vorteile dieser «Mail-Chats» entdeckt. Gerade Mütter sind bekanntlich Meisterinnen im Multi-Tasking. Wir Lehrer können da nur neidisch zuschauen und hoffen, dass uns niemand dabei erwischt – bei der pädagogischen Arbeit, meine ich, und nicht beim Lesen von Newsportalen.

Vor lauter Mail-Schreiben durfte ich aber nicht meinen Einsatz verpassen. Zum üblichen Vorstellungsgeplänkel mussten wir noch eine Frage beantworten. Bei mir hiess es: «Bei welchem Song drehen Sie Ihr Autoradio lauter?» Ich war geneigt zu sagen: «Wenn Lily Allen lasziv ihr «F**k You» ins Mikrophon haucht, lass ich gerne die Lautsprecher krachen». Aber das war nur Kopfkino, denn auf ein lästiges Therapiegespräch mit der Kursleiterin in der Pause konnte ich verzichten. So habe ich irgendwas von Radiostationen wie SRF 1 und natürlich Argovia gefaselt. Immer schön den Ball flachen halten, war die Devise.

Nach der Einstimmung folgte eine soziale Interaktion. Bei dieser mussten wir einen Kreis bilden und uns je zwei verschiedene Personen merken. Die beiden anderen durften dies aber nicht wissen. Dann sollte ich mich mit diesen zwei Personen zu einem Dreieck zusammenfinden. Es wusste also nur eine Person, mit wem sie jeweils ein Dreieck bilden sollte, was natürlich für Verwirrung sorgte. Es ging irgendwie um systemisches Denken. In der Fachsprache nennt man diese Übung das magische Dreieck.

Aber bei allem Respekt vor dieser Weiterbildung: Magisch ist anders.

Der 47-jährige Patrick Hersiczky unterrichtet im Kanton Zürich, lebt aber in Baden. Er äussert sich privat und nimmt sich und seinen Beruf nicht so ernst. Als freier Journalist schreibt er für die AZ und den Mamablog des Tages-Anzeigers.