Wettingen
Marco Kaufmann: Ein Präsident mit grossem Aus- und Weitblick

Seit dem 1. Januar ist der neue Einwohnerratspräsident Marco Kaufmann im Amt. Obwohl er durch seine beiden Töchter stark beschäftigt ist, will er während den nächsten zwei Jahren immer ein gutes Vorbild abgeben.

Dieter Minder
Merken
Drucken
Teilen
Marco und Isabelle Kaufmann mit ihren Töchtern Delia (links) und Milena.Dieter Minder

Marco und Isabelle Kaufmann mit ihren Töchtern Delia (links) und Milena.Dieter Minder

«Leider habe ich diese Begrüssung verpasst, ich habe in diesem Moment für meine Kinder Marroni geholt», sagt Marco Kaufmann. Dabei hatte ihn Gemeindeammann Markus Dieth am Neujahrsapero erstmals in seiner neuen Funktion als Einwohnerratspräsident und damit höchstem Wettinger begrüsst.

Milena und Delia

Doch im Mittelpunkt des Lebens von Marco und Isabelle Kaufmann-Baumberger stehen die Töchter Milena und Delia. Milena wird nach den Sommerferien die 1, Klasse besuchen. «Sie wird eine der jüngsten in der Klasse sein, denn sie hat im April Geburtstag.» Für Politik interessieren sich die Kinder nicht, sie schätzen es, mit Vater und Mutter zu spielen und viel zu unternehmen.

Für zwei Jahre präsidiert Marco Kaufmann nun das Gemeindeparlament. Zwei Jahre war er dessen Vizepräsident, an der Seite von Präsident Beat Brunner gewesen. Die Wahl, am 8. Dezember, war eher Formsache. Dass er diese Hürde mit allen Stimmen der anwesenden Ratsmitglieder schaffte, darf ohne als Beweis für seine Akzeptanz angesehen werden. Mit ihm wurde ein Urwettinger gewählt.

Die Reuss ist wieder natürlicher

Aufgewachsen ist Marco Kaufmann an der Margelstrasse: «Die Schulanlage Margeläcker war auch unser Spielplatz», erinnert er sich. «Seit der 4. Klasse bin ich Mitglied des Vogelschutzvereins.» In Wettingen besuchte er alle Schulen und danach absolvierte er eine Tiefbauzeichnerlehre bei den NOK in Baden.

Dies war ein weiterer Schritt auf dem Weg, sein Hobby, die Natur, zum Beruf zu machen. Nach der Lehre folgte ein Praktikum bei einem Landschaftsgärtner und danach das vierjährige Studium zum Landschaftsarchitekten am Technikum Rapperswil.

Schon seit über 12 Jahren an Diplomarbeit

Das Studium schloss er mit einer Diplomarbeit über die Renaturierung der Reuss zwischen Bremgarten und Künten ab. «Zwei von unseren Vorschlägen durfte ich selber umsetzen.» Bei Eggenwil wurden Seitenarme der Reuss wieder an den Fluss angeschlossen. Beim Eggenwiler Sporen, auf Bremgartner Boden, wurde ein durch Verlandung vom Fluss abgetrennter Seitenarm wieder geöffnet. «Als Ersatz dafür wird im Hegnau in Bremgarten, ein Waldsee mit einer Fläche von 1.5 Hektaren angelegt.»

Und obwohl es seit der Diplomarbeit schon 12 Jahre her ist, hat Kaufmann noch immer mit dem Projekt zu tun. Seit 5 Jahren arbeitet er im Ingenieur Büro Hunziker Zarn & Partner Aarau. Dieses führt im Auftrag von Bund, Kantonen, Gemeinden und Naturschutzorganisationen wie Pro Natura und WWF Renaturierungs- und Hochwasserschutzmassnahmen aus.

Schutz der Mauersegler

Seit einem halben Jahr wohnt die Familie im Eigenheim am Lägernhang. Von dort hat Marco Kaufmann die Wohnhäuser der Leute, die er in den kommenden Jahren vertreten darf, im Blick. Vor 10 Jahren hatten ihn die Wettingerinnen und Wettinger erstmals in den Einwohnerrat gewählt: «Das Wahlresultat habe ich bei einer Reise in New Delhi erfahren.» Zuvor war er der neuen Partei Forum 5430 beigetreten. Sie ist die Wettinger Nachfolgerin des Landesrings der Unabhängigen (LDU).

Die Natur und ihr Schutz waren und sind die Schwerpunkte in Kaufmanns Politik. In der Wettinger Bauordnung gibt es einen Paragrafen, der verlangt, dass Nistplätze für Mauersegler bei Um- und Ersatzbauten erhalten oder neue eingerichtet werden müssen. «Ich habe mich dafür immer stark gemacht, dass diese Vorschrift eingehalten wird», sagt Kaufmann, der auch Mitglied der Baukommission ist.

Der Mauersegler ist ein sehr standorttreuer Vogel. Es kann Jahre dauern, bis er eine Nistgelegenheit annimmt. Doch hat einem Paar eine Kinderstube einmal zugesagt, nutz es diese jahrelang.

Die Sonne ist unsere Heizung

Für Kaufmann ist klar: «Man darf nicht nur fordern, man muss auch Vorbild sein.» Seine Vorbildunktion hat er beim Bau des Eigenheims an der Winzerstrasse verwirklich. «Das Haus ist im Minergie P Eco-Standard gebaut.» Die Mauern sind 45 cm dick, davon sind 30 cm Isolation. «Unsere Heizung ist die Sonne», sagt er mit Blick durch eines der grossen gegen Süden gerichteten Fenster. Mit Sonnenkollektoren auf dem Dach wird Warmwasser für die Bodenheizung produziert.

«Falls das Wetter so trübe ist wie in den letzten Wochen, springt die Pelletheizung ein,» ergänzt er. Konsequenterweise hat er an der Hausfassade auch einige Nistplätze für Mauersegler eingerichtet. Diese ignorieren den Neubau aber noch, ganz im Gegensatz zu den Fledermäusen. Um ihnen ein Sommerquartier zu bieten, liess Kaufmann das Abschlussblech des Flachdaches weiter über die Fassade hinab ziehen: «Die ersten Fledermäuse nutzen die Schlafgelegenheit schon, abends, wenn wir im Garten sitzen, können wir sie gut beobachten.»